MODELLRECHNUNG ZUM DOPPELTEN ABITURIENTENJAHRGANG

Neue Modellrechnung des Centrums für Hochschulentwicklung - CHE Consult:

BAYERN FÜR DOPPELTEN ABITURIENTENJAHRGANG 2011 GUT GERÜSTET, ABER ZAHL DER STUDIENPLÄTZE SOLLTE ERHÖHT UND INFORMATIONSSYSTEM AUFGEBAUT WERDEN

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nstitut prognostiziert hohe Studienanfängerzahlen in Bayern bis 2028

Mit seinen bisherigen Planungen zur Bewältigung des doppelten Abiturientenjahrganges steht Bayern im bundesweiten Vergleich sehr gut da, es sollte allerdings die Zahl der Studienplätze noch weiter erhöhen. Dies ist das wesentliche Ergebnis einer aktuellen Modellrechnung, die das Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung GmbH (CHE Consult) im Rahmen der Münchner Fachtagung "Doppelabitur 2011 - keine verschlossenen Türen!" hochkarätigen Vertretern aus Hochschulen, Ministerien und dem bayerischen Landtag vorstellte. Sie war von der "Stiftung Gymnasium, Studium und Beruf" des Bayerischen Philologenverbandes aus Anlass ihres 20- jährigen Bestehens in Auftrag gegeben worden.

Für Abiturjahrgang 2011 ca. 2400 Studienplätze zu wenig
Nach der CHE-Modellrechnung hat der Freistaat Bayern im Jahr 2011 mit einem Spitzenwert von über 73.000 Studienanfängern zu rechnen. Diese Werte liegen um 2400 über den Prognosen der Staatsregierung. Auch langfristig müsse sich Bayern auf höhere Studienanfängerzahlen einrichten; der Ausgangswert des Jahres 2007 werde erst im Jahre 2028 wieder erreicht werden. Thimo von Stuckrad (CHE Consult ), der die Studie vorstellte, mahnte daher: "Die im Hochschulpakt vereinbarten zusätzlichen Plätze für Studienanfänger reichen nach unserer Prognose nicht aus, um den Nachfrageanstieg ausreichend zu kompensieren. Damit werden Ausweich- und Verzögerungs­bewegungen bei den jungen Studienberechtigten wahrscheinlich." Als „tendenziell zu stark“ bezeichnete von Stuckrad die Schwerpunktsetzung der Staatsregierung auf der sogenannten MINT-Fächergruppe beim Ausbau des Studienplatzangebotes. 54 Prozent der neuen Studienplätze sollen nämlich nach dem politischen Willen den Fächern Mathematik, Informatik und den Natur-­ bzw. der Ingenieurwissenschaften zufallen. Demgegenüber einen höheren Bedarf sieht das CHE an Studienplätzen in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie den Sprach- und Kulturwissenschaften und der Kunst. Axel Götz als Vertreter der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) fragte denn auch: „Wo bleiben die nötigen Steigerungen im Bereich Kunst, Musik, Film und Fernsehen? “

Überrascht zeigte sich die bildungspolitische Sprecherin der FDP und Landtagsabgeordnete Renate Will von dem großen Wanderungsgewinn für die bayerischen Hochschulen. Eine besondere Herausforderung sehe sie in der nötigen Förderung der Kinder mit Migrationshintergrund zum Hochschulzugang. Damit fand sie die Zustimmung des stellvertretenden Vorsitzenden des Bildungungsausschusses und bildungspolitischen Sprechers der CSU Georg Eisenreich. Die im Bundesvergleich sehr hohe Quote von 47 Prozent der Abiturienten, die noch im Jahr ihres Abiturs ein Hochschulstudium beginnen, wertete Eisenreich als „Beleg für die gute Arbeit unserer Gymnasien und Zeichen dafür, dass sich unsere Abiturienten auf ein Studium gut vorbereitet fühlen.“

Für die Fraktion der Bündnis 90/Die Grünen mahnte der schulpolitische Sprecher Thomas Gehring mit Blick auf die in der Studie erkennbare langfristige Entwicklung zu höheren Studienanfängerzahlen: „Übergangsmaßnahmen reichen keinesfalls.“ Es sei „deutlich, dass die bisherigen Mittel für den Hochschulausbau nicht reichen.“ Für die Studienberechtigten müsse überdies ein einfaches, bundesweit schnell abzuwickelndes Einschreibverfahren verfügbar sein. „Wir können nicht hinnehmen, dass bis zu 17% der Nachrückplätze frei bleiben“, weil jede Universität nur an die eigenen Bedürfnisse, nicht aber an die der Schüler denke, die dann vor verschlossenen Türen zu stehen drohten.
Der Vorsitzende des Hochschulausschusses Bernd Sibler (CSU) stellte die einmalige Kraftanstrengung des Bayerischen Landtags für die Steigerung der Studierendenzahlen ab 2011 in Zahlen dar und fasste zusammen: „Jeder dritte Euro geht dazu in Bayern in die Bildung.“ Die regional breit aufgestellte bayerische Hochschullandschaft sei besonders geeignet, Bildungsreserven für ein Studium zu gewinnen. Nun müssten die Gymnasien in den zurzeit von den Schülern zu wählenden P-Seminaren, die zur Berufs- und Studienorientierung eingeführt wurden, die Hochschulen und nicht nur die Wirtschaft intensiv einbeziehen.

Forderung nach Informationssystem trifft auf breite Zustimmung
Von allen Seiten Zustimmung erntete der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt mit seiner Forderung, den Ausbau eines für Schüler leicht handhabbaren Informationssystems über freie Studienplatzkapazitäten an den bayerischen Hochschulen „systematisch, flächendeckend und professionell“ voranzutreiben: „Als Kollegstufenbetreuer eines Gymnasiums spüre ich täglich, wie groß die Verunsicherung und das Informationsbedürfnis unter den zukünftigen Abiturienten und ihren Eltern ist.“
In seinem Schlusswort stellte der Vorsitzende des Stiftungsrats Werner Honal heraus: „Die große Glocke, die wir heute, zwei Jahre vor dem Beginn des Doppelabiturs geläutet haben, soll erreichen, dass die jungen Studienberechtigten ab 2011 weder dem Studium ausweichen noch dessen Aufnahme verzögern müssen.“ Die Modellrechnung des CHE gebe der Politik die Zahlen, die nun im Bayerischen Landtag und in der Staatsregierung zum schnellen Aufbau einer Informationsplattform im Internet und zu Nachbesserungen bei den Einschreibmöglichkeiten für die Bewerber ab 2011 führen müssen.