Prof. emer. Dr. Diethard Baron

Fortbildungsangebot:

Das Mikrobiom
Mikrobiom und Krankheiten

Abstract:
Das in und auf unserem Körper vorkommende Mikrobiom besteht aus Bakterien, Archaeen, Hefen, Protozoen und Viren/Bakteriophagen. Das Mikrobiom einer Person ist ebenso individuell wie der genetische Fingerabdruck. Die erste Besiedelung eines Menschen mit Mikroorganismen geschieht höchstwahrscheinlich bereits während der Schwangerschaft. Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms wird beeinflusst durch Alter, Hormone, Ernährungsweise, ethnische Zugehörigkeit, geografische Lage, Medikamente oder Urlaub.
Bakteriophagen, die im Darm 10 Mal häufiger vorkommen als Bakterien, kontrollieren die Zusammensetzung und Anzahl der Darmbakterien. Das Darmmikrobiom erfüllt lebenswichtige Aufgaben wie Verdauung, passive Abwehr von Keimen, Training, Reifung und Prägung des Immunsystems, Bildung von Vitaminen, Neurotransmittern, Hormonen, und kurzkettigen Fettsäuren. Komplexe Zucker in der Muttermilch sorgen dafür, dass der kindliche Darm mit vorwiegend nicht-pathogenen Bakterien besiedelt wird. Eine gestörte Darmflora ist an der Entstehung von Adipositas, Depressionen, Erkältungen, Parkinson, psychischen Störungen und entzündlichen Darmerkrankungen mitbeteiligt. Durch den Mikrobiomtransfer (Stuhltransplantationen) wurden bereits schwere Darminfektionen mit Clostridium difficilis, Infektionen mit multiresistenten Keimen oder Adipositas erfolgreich behandelt. Das um den Darm herum lokalisierte Darmhirn besteht aus 100 Millionen Nervenzellen und kommuniziert intensiv mit unserem Kopfhirn.

 

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