Fachgruppe Wirtschafts- und Rechtslehre

Landesfachgruppe WR ab 2017

Diese setzt sich seit den Neuwahlen aus folgenden Bezirksfachgruppenleitern zusammen:

StD Richard Berndt, München
StDin Birgit Hollerbach, Oberbayern
OStR Lutz E. Müller, Niederbayern
StRin Julia Lang, Oberpfalz
OStR Nicolas Gäbel, Mittelfranken
OStR Gabriel Meyerhöfer, Unterfranken
StR Matthias Schilling, Schwaben
StDin Ulrike Drescher, Oberfranken

Die Fachgruppe hat erfreulicherweise somit seit längerer Zeit wieder in allen Bezirken einen Vertreter.

Als Landesfachgruppenvorsitzenden wurde Ulrike Drescher und als stellvertretende Landesfachgruppenvorsitzende Birgit Hollerbach bestätigt. Die Kassenführung hat Matthias Schilling übernommen.

Den „alten“ Bezirksfachgruppenleitern, die in bei der Wahl nicht mehr zur Verfügung standen, gilt ein herzlicher Dank für Ihre stets konstruktive Mitarbeit.

Ulrike Drescher

Stellungnahme der FG zum LehrplanPLUS


Wenn die Zukunft schon Vergangenheit ist

DIGITALE TRANSFORMATION IN WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT

Unter diesem aktuellen Leitmotiv stand die 38. Wirtschaftsphilologentagung am 28. und 29. September 2017 an der Universität Passau. Über 250 Lehrkräfte mit der Fakultas für Wirtschaft und Recht nahmen an der Fortbildungsveranstaltung teil, die traditionell in Zusammenarbeit der Schulewirtschaft Akademie, des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw), dem Kultusministerium und dem Wirtschaftsphilologenverband Bayern e.V. ausgerichtet wurde. In ihren Grußworten betonten Elisabeth Kirsch, Geschäftsführerin SCHULEWIRTSCHAFT Bayern, Prof. Dr. Carola Jungwirth, Präsidentin der Universität Passau, Dr. Wolfgang Mutter, Ministerialrat, der für das Fach Wirtschaft und Recht die Nachfolge von ltd. MR Präbst angetreten hat, und Birgit Hollerbach, Vorsitzende des Wirtschaftsphilologenverbandes e.v., die Bedeutung der Digitalisierung für die Gesellschaft und Arbeitswelt und bedankten sich für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld der Tagung.


Kompetente Referenten aus Wissenschaft und Praxis gestalteten das abwechslungsreiche Programm mit Vorträgen, Foren und Workshops zu einzelnen Aspekten der Digitalisierung.

Chancen und Herausforderungen für die Gesellschaft 4.0

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., ging auf Chancen und Herausforderungen für die Gesellschaft 4.0 ein. Digitalisierung erreiche nicht nur Unternehmen, sondern die gesamte Gesellschaft. Für den Herstellungsbereich stelle diese eine Chance dar. In allen Regionen müsse der Unternehmergeist für eine erfolgreiche Umsetzung sorgen, damit Arbeitsplätze in Zukunft gesichert seien. Für die Bereitstellung der Infrastruktur, für die Anpassung im Bildungsbereich sei der Staat zuständig. In der Zukunft werden sich Prozesse weiter verändern, Flexibilisierung und Bezahlung nicht nach Zeit, sondern nach Verwirklichungsgrad von Projektzielen sei möglich. Die Gymnasien müssten die Absolventen auf die veränderten Bedingungen vorbereiten, sie mit digitaler Kompetenz entlassen. Die weiteren Entwicklungen seien positiv zu sehen und nicht mit Skepsis.

Industrie 4.0 und digitale Transformation

Diesem Thema widmete sich Prof. Dr. Robert Obermaier, Universität Passau, in seinem Vortrag. An Beispielen aus der Musikbranche, dem Versandhandel, der Nachschlagewerke und der Kommunikation zeigte er den Wandel, der sich durch die Digitalisierung abgespielt hat, sehr anschaulich auf. Die disruptive Innovation löste bestehende Geschäftsmodelle ab.

Was bedeute nun Industrie 4.0? Unter diesem Begriff verstehe man die vierte industrielle Revolution. Nach der Automatisierung sei die Verbindung der realen mit der digitalen Welt, dem cyber- physical system (CPS) intendiert. Eine vernetzte Produktion, bei der sich der Mensch die Technologie nutzbar mache, sei das Ziel. Hierbei sei der Mensch ein Hybrid, da er seinerseits Subjekt bleibe und andererseits längst Objekt geworden sei, da er Daten produziere, die selbst wieder einen Markt erzeugten.

Workshop 1 – Lernen 4.0
Prämissen digitaler Bildung – selbstgesteuertes Lernen in der Praxis

Die Gestaltung des Workshops, der sich über beide Fortbildungstage erstreckte, teilten sich Dr. Florian Sochatzy und Sascha Rogowsky, beide Experten für digitales Lernen. Absolventen müssten eigenständig, selbstverantwortlich, teamfähig, kreativ und digital kompetent agieren. Alle Schulen hätten sich der Aufgabe digitaler Kompetenzförderung anzunehmen. Am Beispiel des digital-multimedialen mBooks wurden Prämissen digitaler Bildung diskutiert. Im zweiten Teil standen kompetenzorientierte Lehr-Lernprozessgestaltungen im Fokus. Aktivierende Methoden wurden von den Teilnehmern selbst erprobt. Im Kontext des LehrplanPLUS wurden diese auf Beispielinhalte angewandt.

Workshop 2 – Wirtschaftsethik erforschen.
Fallbeispiel Handy – mehrperspektivischer Diskurs für verantwortungsvolle Ökonomie

Der interaktive Ansatz für den Unterricht wurde theoretisch und praktisch vorgestellt. Exemplarisch erkundeten die Teilnehmer, was das Smartphone für Möglichkeiten und Gefahren biete. Wirtschaftsethische Fragestellungen aus dem forschenden Lernen wurden dabei besonders thematisiert; der Produktionsprozess und die Nutzung standen aus unterschiedlichen Perspektiven und damit Interessenlagen im Fokus. Eine kritische Würdigung rundete den Workshop ab.

Forum 3 – Moderne Zahlungsformen – wie Smartphone & Co. unser Zahlverhalten verändern

Klassische Bezahlung werde durch die zunehmenden Internetbezahlformen mehr und mehr abgelöst, stellte Rita Pantele von der Deutschen Bundesbank, München fest. Papierhafte Überweisungen würden von Banking-Apps verdrängt. Veränderungen ergäben sich jedoch auch durch neue Techniken; Zahlungsvorgänge am point-of-sale werden komfortabler.

Neue Formen, wie PayPal, paydirect, NFC-Technik, erzeugen für die Beteiligten nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken, die es zu bedenken gelte.

Die Problematik virtueller Währungen, ihre Verwendungsmöglichkeit und die zugrunde liegende Technologie ergaben mannigfaltige Diskussionsbeiträge.

Forum 4 – Sicherheit in der digitalen Welt – Cyber Security in Recht und Praxis

Die Bedrohungslage durch Cyberkriminalität sei hoch, wobei die Angreifer zunehmend professionalisiert seien, so führte Arno Bernhardt von Airbus aus. Nach der Definition einiger Begrifflichkeiten ging er auf Cyberangriffe ein. Von Ransomware, Social Engineering bis Hardware Manipulationen gibt es ein großes Spektrum an Bedrohungen, die Unternehmen und Kunden beträfen. Hierbei seien unterschiedliche Angreifer-Typen zu unterscheiden; Cyber-Aktivisten, Cyber-Kriminelle, Industriespione, Nachrichtendienste, Cyber-Terroristen, um nur einige zu nennen. Ein Cyberangriff folge einem strengen Muster: Initiierung, Vorbereitung und Durchführung seien die Phasen. An aktuellen Beispielen wurden die Auswirkungen verdeutlicht (z.B. Krankenhaus lahmlegen, Stromausfall erzeugen, Auto hacken ). Daher würden Virenschutz und Firewall, Datensicherung, IT-Grundschutz sowie ISO 27001 (Sicherheitsmanagement) neben physischem Schutz immer bedeutsamer.

Das IT-SIG (IT-Sicherheitsgesetz) habe 2015 signifikante Verbesserungen der IT-Sicherheit in Deutschland bewirkt. Dennoch seien einige Paragraphen sehr allgemein formuliert und daher auslegungsbedürftig, was im Verordnungsweg vorgenommen werde. Die EU-Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit bedinge eine Anpassung des IT-SIG 2017. Zusätzliche rechtliche Aspekte aus dem deutschen Straf- und Privatrecht wurden an Beispielen erläutert. Zum Schluss stellte der Referent die These auf, dass ohne ausreichende IT-Sicherheit die Digitalisierung scheitern werde.

Forum 5 – Die Jugendkultur der Generation Z – was bringen die digitalen Natives mit?

Ulrich Tausend, medienpädagogischer Referent, JFF, ergänzte den Titel um „und was machen wir daraus?“

Ein kurzer Test mit den Teilnehmern zeigte, dass diese ebenso wie die Jugend sehr stark in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Die Generation Z, alle nach 1995 Geborenen, seien mit Computer, Handy, Smartphone oder Tablet aufgewachsen, zeige Interesse an neuen Dingen. Ihr Wunsch nach Zugehörigkeit veranlasse sie, persönliche Daten preiszugeben, und eröffneten Spielräume für Datenmissbrauch. Die Suche nach selbstbestimmten Freiräumen bedinge eigene Themensetzungen und Ausdrucksformen sowie Regeln durch mediale Inszenierungsformen. Junge Menschen hätten den Wunsch, sich zu artikulieren und zur Geltung zu bringen, und stießen dabei auf ein multimediales Schlaraffenland mit unklaren Regeln und Grenzen. Nutzen bringe der Unterricht durch digitale Spiele mit ökonomischen Ansatzpunkten.

Forum 6 – Big Data im Freistaat Bayern – Chancen und Herausforderungen

Erhobene Daten sind vielfältig und unstrukturiert, sie auswertbar zu gestalten, sei die Aufgabe von Big Data. Christine Völzow vom vbw führte aus, wie dies geschehe. Ebenso ging sie auf die Möglichkeiten zum Nutzen aller, aber auch auf Datenschutzaspekte und rechtliche Grenzen, ein. Die wirtschaftliche Nutzung der Daten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen seien eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft.

Forum 7 – Analyse und Verbesserung von Geschäftsprozessen

Eine inhaltlich abgeschlossene, zeitliche, sachlogische Abfolge von Aktivitäten bilde einen Prozess. Um im Zeitablauf die Leistungsfähigkeit von Organisationen zu erhalten bzw. zu verbessern, sei eine ständige Bereitschaft zu Innovation und Reorganisation notwendig, betonte Prof. Dr. Franz Lehner von der Universität Passau. Prozessmanagement unterstütze dieses Ziel. Es könne aufgabenorientiert in Prozessabgrenzung, Prozessmodellierung und Prozessführung unterteilt werden. Der Prozessmodellierung komme besondere Bedeutung zu, da sie die Basis für die Analyse und Bewertung bilde. Der Schwerpunkt liege auf der Modellqualität, der qualitativen Analyse, der rechnerischen Analyse sowie dem Werkzeugeinsatz zur Simulation von Prozessen.

Forum 8 – Logistik und Tracking in der Praxis

Hening Fabian Habedank, Leiter Handling München, Lufthansa Cargo AG, zeigte am Beispiel der Luftfracht auf, was Tracking ist: das Nachbilden eines physiologischen oder ökonomischen Prozesses. Das beobachtete Objekt kann somit in seiner Bewegung und seinem Zustand nachverfolgt werden. Die Technologie, die dies ermöglicht, wurde ebenso thematisiert wie die effektive Einbettung des Tracking in die Logistikkette, was zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen könne.

Forum 9 – Industrie 4.0 – Digitalisierung in der Fertigungsindustrie

Der Leiter der Business Excellence Siemens Amberg erläuterte, dass das „schwarze Kästchen“ aus dem Amberger Werk als Steuerelement in vielen Produkten zu finden sei. Digitalisierung in der Produktion gehe jedoch weit darüber hinaus und verändere alles, u.a. die Produktlebenszyklen und die Prozesse. Ziel sei, Produkte schneller zu entwickeln, Flexibilität und Qualität zu erhöhen, Effizienz zu steigern. Am Beispiel des 3-D-Druckers könne aufgezeigt werden, dass Werke unabhängiger werden, Zulieferketten gesprengt werden könnten. Ein digitalisierter Fertigungsbetrieb könne die reale Welt mit der digitalen verbinden, Produkte und Prozesse digital abbilden, wodurch dieser teilweise ressourcenschonender werde.

Forum 10 – Berufslandschaft im Wandel – wie beeinflusst die Digitalisierung die Ausbildung?

Über tausend Auszubildende hätten bei ZF Passau schon eine Ausbildung durchlaufen, erklärte der Leiter der Berufsausbildung des Unternehmens. Die Veränderung der Produktion bis hin zur Industrie 4.0 im Kontext zum Internet der Dinge wirken sich auf die Berufsbilder aus. Am Beispiel Werkerassistenz in der Montage wurde dies verdeutlicht. Die Anforderung an die Arbeitnehmer habe sich erhöht. Die Ausbildung neuer Berufe setze sich fort, ebenso die Einbeziehung neuer Inhalte und Methoden in bestehende Ausbildungspläne. Dadurch werde ebenso die Weiterqualifikation der Ausbilder notwendig. Bei der Rekrutierung neuer Auszubildender habe sich insbesondere das Bewerbungsverfahren verändert. So werde bei ZF nur eine Internetbewerbung akzeptiert. Der Einstellungstest filtere Kandidaten für ein Vorstellungsgespräch heraus. Bei diesem gibt es ein standardisiertes Bewertungsverfahren und die Würdigung des persönlichen Eindrucks der Personalverantwortlichen. Die medizinische Untersuchung sei unternehmensspezifisch. Der Ausbildungsprozess schließe die neu eingesetzten Techniken und digitale Medien mit ein.

Verbraucherschutz in der digitalen Welt

Der Experte in Verbraucherschutzrecht RA Markus Saller begeisterte mit seinen anschaulichen Ausführungen. Als Beispiel für das Aufeinandertreffen analoger und digitaler Welt wählte er den Öffnungsmechanismus einer Tür. Dies könne auf alle Lebensbereiche übertragen werden, daher müsse man Regeln schaffen. Das Verbraucherrecht mit den Regelungen zum Elektronischen Geschäftsverkehr, dem Telekommunikationsrecht, dem AGB-Recht etc., das Wettbewerbsrecht und das Datenschutzrecht reichten hierzu nicht aus. Das vom Bundesverfassungsgericht 1983 zugestandene Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das dem Bürger ein Abwehrrecht gegenüber dem Staat garantiere, mache eine Regulierung auf staatlicher und privatwirtschaftlicher Seite erforderlich.

Anhand der bereits bestehenden Herausforderungen – Datensammlungen, Informationsverknüpfungen, Biometrie, zielgerichteter Werbung, Überwachungskameras, Vorratsdatenspeicherung usw. – zeigte der Referent den Handlungsbedarf auf. Einem elektronischen Vermessen, einem Scoring, der digitalen Diskriminierung z.B. bei Versicherungsprodukten müsse Einhalt geboten werden. Ebenso sei eine individuelle Preissetzung, die sich an Daten aus dem bisherigen Verhalten ableiten lasse, eine bedenkliche Entwicklung. Bekannte Lock-in Effekte seien insb. im Gesundheitswesen sehr heikel. Weitere Entwicklungen mit z.B. digitaler Mobilität ermöglichen Datensammlungen über das Kfz. Nicht nur GPS-Daten, sondern auch Reifendruck, Beschleunigungs- und Bremsverhalten, Gurtstraffung usw. ließen Rückschlüsse auf das individuelle Verhalten des Fahrers zu. Persönliche Daten seien hier nur unzureichend geschützt. Daher sei Datenschutz als Vertrauensschutz und technologischer Datenschutz notwendig. Die EU-Datenschutzgrundverordnung, die 2018 in Kraft trete, bilde einen guten Ansatz, verwirkliche sie u.a. das Marktortprinzip, das Recht auf Vergessen (vollständiges Löschen im Netz) und den Herausgabeanspruch der Daten in maschinenlesbarer Art. Dennoch müssten weitere Regelungen erfolgen, um das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung durchsetzen zu können.

Die Organisation der Fortbildungsveranstaltung lag bei Frau Schneider-Salvi und ihrem Team in besten Händen, wofür sich im Namen des Wirtschaftsphilologenverbands dessen stellvertretender Vorsitzende Nikolas Gäbel mit einem kleinen Präsent bedankte. Mit vielen Informationen und Anregungen für den Unterricht konnten die Teilnehmer nach zwei sehr interessanten Tagen die Heimreise antreten.

Viele Power-Point-Präsentationen der einzelnen Workshops und Foren stehen auf den Internetseiten der Schulewirtschaft Akademie ab Ende Oktober bereit.

Ulrike Drescher

Fotos: Christoph Traub

WAS BAYERN MORGEN BRAUCHT

Vorsprung Bayern – Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft

Am Freitag, 27. November 2015 hatte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) in den Energiepark Hirschaid eingeladen, um die im Sommer veröffentlichte Studie „Bayerns Zukunftstechnologien“ in Oberfranken vorzustellen und die Handlungsempfehlungen des Zukunftsrats, den vbw Präsident Alfred Gaffal gegründet hatte, zu diskutieren. Der Zukunftsrat beabsichtigt insb., dass der bayerische Mittelstand in Zukunft in größerem Umfang von der Forschung unserer Universitäten und Forschungsinstitute profitiere. Dies betonte er in seiner Begrüßung ausdrücklich.
Um auf fundierte Ergebnisse zurückgreifen zu können, hatte die Prognos AG, Basel, im Auftrag des vbw Zukunftsrates eine Studie zu „Bayerns Zukunftstechnologien“ erstellt. Dr. Almut Kirchner, Principal der Prognos AG, stellte die Ergebnisse der Analyse der bisherigen Erfolgsgrundlagen und der für Bayern relevanten Schlüsseltechnologien für die nächsten fünf bis zehn Jahre vor.

Analyse der momentanen Lage

Die deutsche Wirtschaft, die intensiv in den Globalisierungsprozess der letzten Jahre involviert sei, verzeichne relativ hohe Wachstumsraten, die Beschäftigungslage sei gut, wobei Bayern einen Großteil zu dieser Situation beitrage. Für die Bayerische Industrie stelle der Maschinenbau und die Kraftfahrzeugbranche bei der Produktion, beim Export sowie der Forschung und Entwicklung die wichtigste Branche dar; dabei sei die Maschinentechnologie Bayerns Stärke. Dieser Bereich liege über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Als weitere Schlüsselbranchen gemessen am Exportaufkommen seien die Chemische Industrie, die Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik, aber auch der Bereich der Geräte zur Elektrizitätserzeugung zu nennen.
Branchen, in denen die Aufwendungen für Forschung stark gestiegen seien, verzeichnen eine starke Ausweitung der Produktion, z.B. im Fahrzeugbau oder der Medizintechnik. Daher sei Bayern darauf angewiesen, weitere Anstrengungen für F + E zu tätigen, wolle man in wichtigen Technologiebereichen auch in Zukunft zu den globalen Technologieführern zählen.
Gerade die „Klumpenbildung“, d.h. die starke Stellung und damit Abhängigkeit von Fahrzeug- und Maschinenbau, berge Gefahren; bei einem Abschwung in dieser Branche gebe es gravierende Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft.

Blick nach vorn

Bedingt durch den weiteren Globalisierungsprozess werden Wertschöpfungsketten internationalisiert. Der Welthandel wachse dynamisch, wobei der Entwicklung in den Schwellenländern eine besondere Bedeutung zukomme.
Ferner stelle der Klimawandel und die Ressourcenfrage die Industrie vor neue Herausforderungen, z.B., wie sichere man Industrieanlagen vor Extremwetterereignissen oder welche Nutzpflanzen können bisherige Rohstoffe ersetzen. Ebenso müsse die demografische Entwicklung zu anderen Formen der Arbeit führen. Zur Fachkräftesicherung könne neben der Zuwanderung auch die Möglichkeit der digitalen wohnsitzunabhängigen Beschäftigung beitragen.
Schlüsseltechnologien seien für Bayern die Luft- und Raumfahrt, die Energietechnologie, der intelligente Verkehr und die zukünftige Mobilität, industrielle Produktionstechnologien sowie das Gesundheitswesen und die Medizintechnik, die mit neuen Formen der Wertschöpfung und Veränderungen der Organisation, insb. mit Informationstechnologie und Digitalisierung, weiterzuentwickeln seien. Nanotechnologie, Werkstoffe und Materialien, Biotechnologie wirken in diese ebenso ein wie in die Ernährung und die Lebensmitteltechnik.
Insgesamt entstehe ein Beziehungsgeflecht zwischen Bildungsanforderungen (Qualifikation und Qualität), gesellschaftliche Organisation und Veränderungsprozesse, systematische Aspekte und Infrastruktur sowie Wirtschaftsorganisation/Geschäftsmodelle, Elemente, die die Zukunft und den Wertewandel bestimmen.

Handlungsempfehlungen des Zukunftsrates

Um Bayern zukunftssicher zu gestalten, gelte es, folgende Empfehlungen mit Verve zu realisieren:
- Unternehmerische Eigenverantwortung stärken, d.h. technologie- und branchenübergreifende Produktentwicklung sowie Kooperationen fördern, mit Forschungseinrichtungen vernetzen, Technologiebegeisterung in der Gesellschaft wecken, Digitalisierung vorantreiben
- Rahmenbedingungen für Innovationen verbessern, d.h. Bildung für die Gesellschaft 4.0 gewährleisten, ein modernes Arbeitsrecht gestalten, ein tragfähiges, bezahlbares Energiekonzept einsetzen
- Grenzen zwischen Branchen und Technologien überwinden, d.h. Vernetzung von Mittelstandsbetrieben und Forschungseinrichtungen, Studierenden und Unternehmen, Wertschöpfungsketten in neuen Clustern.
hierzu müsse die Digitalisierung als Treiberin begriffen werden, weshalb Lehrinhalte zu IT in Schulen, Hochschulen, dualen Ausbildungen und Weiterbildungen zu intensivieren seien.
- Wachstum in ganz Bayern fördern; Unternehmensgründung müsse in Bayern attraktiv werden, geistiges Eigentum einen höheren Schutz genießen; Sonderförderprogramme für besondere F + E Vorhaben sollten aufgelegt werden.
- Technologieförderung auf dem Prüfstand; ein modulares Evaluationssystem könne helfen, die Arbeitsempfehlungen auf dem neuesten Stand zu halten.

Diskussionsrunde zu den Handlungsempfehlungen

Staatsministerin M. Huml, Präsident A. Gaffal, Prof. Dr. Th. Hamacher, Dr. A. Kirchner, IHK-Präsident H. Trunk und Prof. Dr. M. Zäh diskutieren die Ergebnisse der Studie und der Handlungsempfehlungen unter verschiedenen Blickwinkeln. Der Nutzen von IT für das Gesundheitswesen, die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Beschäftigungslage, die Anforderungen an die Beschäftigten, das Wertesystem in der Gesellschaft 4.0 waren nur einige Themen. Die Sicherheit bei der fortschreitenden Digitalisierung werde als große Herausforderung gesehen. Außerdem müsse die Flüchtlingsproblematik möglichst rasch gelöst werden, beinhalte sie doch Chancen und Risiken für die Gesellschaft und die Wirtschaft.

Fazit des Zukunftsrats

„Wirtschaftlicher Erfolg hat eine Schlüsselstellung in der gesellschaftlichen Entwicklung Bayerns. Die größten Herausforderungen der Zukunft – Gesundheit und Ernährung, Energie, Mobilität, Verkehr, Infrastruktur, natürliche Ressourcen, Klima und Umwelt, Information und Kommunikation – sind an technologische Kompetenzen und wirtschaftliche Wertschöpfungsketten gebunden, die umso besser zur Wirkung kommen, je stärker die Bevölkerung im Sinne einer aktiven, innovationsfreundlichen Bürgergesellschaft integriert ist.
Wird die Digitalisierung als verbindender Lösungsansatz für die Bewältigung dieser Zukunftsaufgaben begriffen und landesweit verankert, dann wird Bayern auch in Zukunft europäischer Premiumstandort sein.“ (vbw, Was Bayern morgen braucht, München 2015)

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter www.vbw-zukunftsrat.de

Ulrike Drescher