Fachgruppe Physik

Zur Situation des Faches Physik:

Die Entwicklung der Abiturientenzahlen in Physik kann als Indikator für den Stellenwert von Physik am Gymnasium angesehen werden.
Legten im G9 2011 16,8% eines Jahrgangs eine Abiturprüfung in Physik ab, so sank diese Zahl im G8 2011 auf 11.1% und 2012 auf 9,9%.

Die Zeit für Physik ist im achtjährigen Gymnasium zu knapp um dieselbe Qualität, wie im Grundkurs des G9 zu erreichen. Physik in der 7. Klasse kann Physik in der 13. Klasse nicht ersetzen.
Wir entlassen Schüler/innen an die Hochschulen, die zwar ein weiter gestreutes aber meist deutlich oberflächlicheres Physikwissen besitzen als Schüler/innen im G9 nach der 12. Jahrgangsstufe.

Der Mangel an Lehrkräften in Physik ist noch nicht befriedigend behoben.

Betrachtet man die Entwicklung der Stundenzahl der Naturwissenschaften [28 KB] und insbesondere des Fachs Physik in der Oberstufe im Laufe der Jahre, so erkennt man offensichtlich Gefahren für die Naturwissenschaften [36 KB] am Bayerischen Gymnasium in der Zukunft.

 


Fachgruppe für Physik

Aktuelle Fortbileundangebote

Stellungnahme zur Stundentafelgestaltung für die Oberstufe (Dezember 2006)

In einer gemeinsamen Stellungnahme zur Stundentafelgestaltung für die Oberstufe [162 KB] des achtjährigen Gymnasiums unterstützen naturwissenschaftliche Fachverbände unser Anliegen der Stärkung der Naturwissenschaften in der Oberstufe des Gymnasiums.

Zu den Unterzeichnern gehören:

Tätigkeitsbericht 2005/06

Der Kabinettsbeschluss vom 25. 4. 2006 der Bayerischen Staatsregierung hat die Arbeit für die Fachgruppe Physik in diesem Schuljahr maßgeblich bestimmt.

Die Entscheidung nur noch eine von drei Naturwissenschaften als Wahlpflichtfach zu fordern wird die Stundenzahl der Naturwissenschaften [28 KB] in der neuen 11. und 12. Jahrgangsstufe auf ein Rekordtief reduzieren. Dadurch, dass keine genauen Informationen bzw. Stundentabellen an die Öffentlichkeit dringen, reagieren auch Fachleute erst bei näherer Kenntnis der Details bestürzt. Zusammen mit den Fachgruppen Chemie und Biologie habe ich ein Protestschreiben [35 KB] formuliert und verbreitet.

Im Folgenden werden die größten Gefahren für die Naturwissenschaften im neuen achtjährigen Gymnasium dargestellt:

  • Die Politik spricht von einer Stärkung der Naturwissenschaften, weil Physik schon in der 7. Jgst. beginnt und Informatik in der 6. und 7. Klasse hinzugekommen ist. Physik in der 7. Jahrgangsstufe könnte – rein zeitlich - allenfalls eine Ausgleich für den in der 11. Klasse wegfallenden Unterricht sein, aber das wesentlich geringere Abstraktionsvermögen der Kinder in der 7. Jahr-gangsstufe im Vergleich zur 8. Jahrgangsstufe läßt nur eher spielerische Zugänge zur Physik zu. Das ist sicherlich ein Gewinn, aber kein Ausgleich für ein Jahr in der Oberstufe.
  • Informatik ist keine Naturwissenschaft und kann auch keine Naturwissen-schaft ersetzen.
  • Politiker erwarten eine Motivation für Naturwissenschaften in der Ober-stufe durch den früher beginnenden Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden häufig nach ihren Erfahrungen mit den Fächern in dem Jahr, in dem sie die Wahl treffen müssen, das wäre also im G8 die 10. Jahrgangsstufe.
  • Nach dem Kabinettsbeschluss vom 25. 4. 06 muss nur eine Naturwissen-schaft in den Jahrgangsstufen 11 und 12 verpflichtend gewählt werden. Bei Wahl nur einer Naturwissenschaft wird Biologie der Favorit werden. Es ist ein frommer Wunsch zu glauben, dass Schülerinnen und Schüler freiwillig eine als schwieriger geltende Naturwissenschaft wie Physik oder Chemie zusätzlich wählen! Dieses Fach geht in den Abiturdurchschnitt ein, der mit den vorgegebenen Pflichtfächern ohnehin schon eine höhere Anstrengung abverlangt, als bisher. Auch zu Beginn der Kollegstufe war nur eine Naturwissenschaft verpflichtend, weitere waren frei wählbar. Das wurde aufgrund der Wahlverhaltens der Schülerinnen und Schüler geändert. Wir sollten aus Geschichte lernen und eine zweite Naturwissenschaft verpflichtend fordern.
  • Es gibt keinen mathematischen Schwerpunkt mehr in der Mittelstufe, damit haben Schülerinnen und Schüler von allen Schulzweigen gleich schlechte mathematische Grundlagen für Physik in der Oberstufe. Alle Gymnasialzweige haben ein Basisangebot an Mathematik in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 , das dem im sprachlichen neunjährigen Gymnasium entspricht. Es wird daher schwieriger,– wenn nicht unmöglich werden, Spitzenbegabungen in Physik zu fördern.
  • Beschlossen sind D, M, FS + Ges. Wiss. als verpflichtende Abiturfächer + ein frei wählbares Abiturfach. Benachteiligt sind die naturwissenschaftlich begabten Schülerinnen und Schüler, die bisher nur je ein Fach aus dem sprachlichen Bereich, und dem gesellschafts-wissenschaftlichen Bereich wählen mussten. Anstelle einer Wahl aus dem naturwissenschaftlichen Bereich ist das verpflichtende Abiturfach Mathematik getreten, das zwar eine wichtige Grundlage für die Naturwissenschaften darstellt, aber selbst keine Naturwissenschaft ist. Das vierte Fach war frei, konnte also eine erste oder sogar zweite Naturwissenschaft sein.
  • Auch hier gilt: Das freie Fach geht in den Abiturdurchschnitt ein. Ein guter Notendurchschnitt ist mit den vorgegebenen Pflichtfächern ohnehin schon schwerer zu erreichen ist, als bisher. Eine Wahl, die sich allein an diesem Kriterium orientiert, ist in vielen Fällen zu erwarten. Auch hier ist eine Abwahl der als schwierig gelten Fächer Physik und Chemie zu erwarten.die
  • Informatik als Oberstufenfach bildet im Aushandeln der Wochenstunden-zahlen eine neue zusätzliche Konkurrenz zu den Naturwissenschaften. Informatik kann keine Naturwissenschaft ersetzen, es kann allenfalls zusätzlich gefordert werden. Z. B. 4 Jahresleistungen für 3 Naturwissen-schaften und Informatik würde die bisherige Regelung in der Kollegstufe aufgreifen: 3 Jahresleistungen für 3 Naturwissenschaften.
  • Mögliche Lösung: gymnasiale Profile in der Oberstufe (Schwerpunkt Naturwissenschaften, Schwerpunkt Sprachen, musischer Schwerpunkt). Wenn man die Wochenstundenzahl für die Schülerinnen und Schüler nicht erhöhen möchte, muss in den individuellen Profilbereich (8 Profilstunden und 6 Seminarstunden = 14 Wochenstunden) stärker eingegriffen werden.
  • Eine Warnung zum Schluss: Science = Tod der Physik! Auch Chemiker und Biologen bestreiten nicht den Grundlagencharakter des Faches Physik. Aktuelle Untersuchungen in England zeigen, dass 37% weniger Schüler und Schülerinnen den A-Level in Physik ablegen, als vor 15 Jahren, und das obwohl immer mehr Schülerinnen und Schüler ein bisschen Physik als Teil des naturwissenschaftlichen Unterrichts mitbekommen. Seit 1983 ist die Zahl der Physiklehrer in den Naturwissenschaften von 33% auf 12,5 % zurückgegangen. Auch in Bayern wird „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ in der 5. Klasse bereits jetzt kaum mehr von Physiklehrern unterrichtet; dort wie hier werden verstärkt Quereinsteiger geworben um Engpässe in der Lehrerversorgung zu abzufangen. Der Präsident der Royal Society, Sir Martin Rees fordert: „Es ist wichtig, dass wir mehr ausgebildete Physiklehrer in unsere Klassenzimmer bekommen, Lehrer, die enthusiastisch sind und gutes Fachwissen haben, um den Kreislauf des Verfalls zu durchbrechen.“ (DPG-Journal; Oktober 2006). Bereits im März habe ich mit den Landesfachgruppenleitern für Chemie, Herrn Dr. Bartl und Biologie, Herrn Neigert Zusammenarbeit vereinbart. Wir formulierten ein gemeinsames Protestschreiben, teilten uns die Arbeit der Verteilung und besuchten verschiedene Ansprechpartner gemeinsam um für eine höhere Stundenzahl der Naturwissenschaften in der Oberstufe zu werben. Wir sprachen mit unseren Referenten im KM, hatten ein ausführliches Treffen mit einem Abgeordneten im Landtag, zu dem KM Schneider kurz hinzukam. Wir trugen unsere Besorgnis den Vorsitzenden der LEV und Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten vor, verteilten unsere Schreiben an die Fachverbände und die Landtagsabgeordneten in den entsprechenden Ausschüssen. Ein ehemaliges Mitglied des Physik-Didaktik-Arbeitskreises, mailte an 170 Landtagsabgeordnete! Wir fanden vielfach offene Ohren. Prof. Huber vom ZLL der TUM hat uns ganz klar Unterstützung zugesagt. Die Aktivitäten zu diesem Problem werden noch bis Januar/Februar weiteren Einsatz fordern.-Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen bitte ich um argumentative Unterstützung in der Öffentlichkeit. Die Berichte der Fachgruppen Biologie und Chemie darf ich Ihnen ebenfalls zur Lektüre empfehlen.