Informationsschreiben zum Stand der Lehrplankritik

(22. April 2008)

Liebe Kolleginnen und Kollegen im bpv,

die Bemühungen der Fachgruppe Kunst im bpv um einen angemessenen Lehrplan gehen weiter.

Wir müssen allerdings feststellen, dass das gute Gesprächsergebnis, das sich bei dem Treffen der Fachgruppe im ISB mit Herrn Dr. Thum und Herrn Dr. Wagner abzeichnete, nicht wie vorgesehen umgesetzt wird.

  • So stellte Herr Dr. Thum ganz der Sachlage angemessen in Aussicht: eine Woche oder einige Tage intensiver Diskussion über den Lehrplan und welcher Kreis daran sinnvoller Weise teilnehmen sollte. Dabei müssten alle Argumente (der Fachdidaktik, der Kunstpädagogik, der Kunstgeschichte, der Kunsttheorie und -praxis) auf den Tisch und gegebenenfalls die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen werden. Vorher sollte noch eine Befragung der Kunstlehrkräfte durch das ISB stattfinden.
  • Jetzt reduzieren im KM Herr Weidenhiller und Herr Dr. Wenrich die Tagung auf gerade einmal fünf Stunden mit stark eingeschränktem Teilnehmerkreis und, wie es scheint, enger Gesprächsführung. Die Fachgruppe Kunst soll von fünf auf drei Teilnehmer reduziert werden. Die Tagung wird am 30. April 2008 im KM mit der Lehrplankommission, dem ISB, der GEW, dem BDK und einem Vertreter der Fachdidaktik stattfinden

An der Mitgliederversammlung 2008 des BDK in München am 17. April haben Manfred Leeb und ich teilgenommen. Der Antrag eines BDK-Mitglieds, dass der BDK sich für eine Überarbeitung des Lehrplans einsetzen solle, wurde abgelehnt. Ein spontaner Gegen­antrag von Herrn Dr. Wagner, dass der BDK den Lehrplan verteidigen möge, wurde angenommen. Die kritischen Bedenken zum Lehrplan und die Ideen zur Verbesserung, wie sie im Internetforum des BDK von Kolleginnen und Kollegen formuliert wurden, waren bei der Mitgliederversammlung des BDK kein Thema. Der Behauptung von Herrn Dr. Wagner, dass der Lehrplan gut und richtig sei, wurde mehrheitlich nicht widersprochen. Dem Vorschlag, eine Expertenrunde einzuberufen, die möglichst bald damit beginnen soll, die Umsetzbarkeit des Lehrplanes Kunst für die Oberstufe zu erproben und zu prüfen, wurde stattgegeben. Ich musste aus der Mitgliederversammlung den Eindruck mitnehmen, dass der BDK nach Möglichkeiten sucht, sich mit dem Lehrplan zu arrangieren.

Die Fachgruppe im bpv hält jedoch eine Korrektur der Fehlschätzungen des Lehrplans zum jetzigen Zeitpunkt für die bessere Lösung. Für uns zählt die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort an den Schulen. Außerdem ist der Lehrplan entscheidend für den Stellenwert des Faches Kunst am Gymnasium und die Grundlage für Beurteilungen.

Die Frage „Was muss den Schülern vermittelt werden?“ ist noch nicht stimmig geklärt.

Der Lehrplan in der Oberstufe verweigert sich den Entwicklungen und Zusammenhängen. Er zwingt die Lehrkraft viele einzelne Künstlernamen unter bestimmten Aspekten abzuhandeln. Den Zeitraum nach 1930 nicht zum Schwerpunkt in der Oberstufe zu machen ist ein großes Versäumnis. Der Hinweis, man könnte durchaus einzelne Bezüge zur Zeit nach 1930 herstellen, missachtet die begrenzte Stundenausstattung und verschweigt, dass das Abitur sich eigentlich nur auf das beziehen kann, was Schwarz auf Weiß im Lehrplan gefordert ist: die ausgewählten Künstler der sogenannten „Sattelepoche“.

Wir halten weiterhin die Kritikpunkte der Kolleginnen und Kollegen für berechtigt:

  • Der Lehrplan wird insgesamt zu einer gesteigerten Belastung für die Schüler, weil die gesamte Kunstgeschichte von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe abgehandelt sein muss.
  • Der Lehrplan ist nicht nachhaltig, weil er vor allem in der Oberstufe beständig kontrapunktisch einen Perspektivwechsel an sehr spezifischen Einzelphänomenen vollzieht.
  • Der Lehrplan ist nicht aktuell und zukunftsweisend, weil er eine unverhältnismäßige Schwerpunktsetzung von 1850 bis 1930 festschreibt.
  • Der Lehrplan berücksichtigt die praktische bildnerische Tätigkeit nicht ausreichend, weil die theoretischen Anteile überwiegen und zu wenig Zeit für die künstlerische Praxis bleibt.
  • Der Lehrplan bietet keine kunstpädagogischen Spielräume, weil bezüglich Stoffabfolge, Stoffumfang und Auswahl der Inhalte keine Alternativen möglich sind.

Wir werden uns am 30. April 2008 bei der Tagung zum Lehrplan, als einen ersten Schritt in die richtige Richtung, für eine Umstrukturierung nach Entwicklungslinien und Sinnzusammenhängen einsetzen. Wie zum Beispiel:

  • 7.Jgst. Beginn der Neuzeit: Gotik, Romanik, Renaissance;
  • 8.Jgst. Zeit des Umbruchs: Barock/Klassizismus;
  • 9.Jgst. Gestaltungstendenzen im 19.Jahrhundert: Romantik, Realismus, Impressionismus;
  • 10.Jgst. Wegbereiter der Moderne: Cézanne, van Gogh, Seurat;
  • 11/12.Jgst. 20. und 21. Jahrhundert: Kommunikation/Medien (von der Propaganda zur interaktiven Kunst), Abstraktion (Malerei zwischen konstruktivistisch-abstrakter und spontan-expressiver Gestaltung), Objekt (die Verwandlung des Banalen in Kunst), Architektur/Design (vom Jugendstil zur Postmoderne).

Wir bitten Sie auf unsere Webseite zu gehen http://bpvweb01.philologenverband.com/ueber-uns/fachgruppen/kunsterziehung/index.html und uns weitere Anregungen mitzuteilen unter: kunst@bpv.de .

Vielen Dank für die bisherige freundliche Unterstützung und die zahlreichen Rückmeldungen.
Mit kollegialen Grüßen
Helmut Sacha

Anlage: Bericht über die Jahresmitgliederversammlung 2008 des BDK Bayern [24 KB]