Klassische Sprachen


Stellungnahme der Landesfachgruppe zum Fachlehrplan Klassische Sprachen im neuen LehrplanPLUS


Caesar und Augustus

Zu diesem Thema fanden sich am 16. Oktober 2014 gut 120 Lateinkolleginnen und -kollegen im Melanchthon-Gymnasium Nürnberg zu ihrem traditionellen Aussprache- und Fortbildungsnachmittag ein, den die mittelfränkische Bezirksfachgruppe Klassische Sprachen jedes Jahr im Oktober in Kooperation mit dem IPSN und der RLFB veranstaltet. Daher wurde sie auch von der Leiterin der RLFB beim Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken, Frau Katharina Seuring-Schönecker mit einer Laudatio auf Dr. Hermann Lind eröffnet, der nicht nur die Fachgruppe Klassische Sprachen seit 1997 engagiert betreut, sondern auch Jahr für Jahr ein hochkarätiges Fortbildungsprogramm auf die Beine stellt. Namhafte Fachwissenschaftler und erfahrene Praktiker aus den Gymnasien kommen dabei ebenso zu Wort wie junge Kollegen, die die Fächer Griechisch und Latein mit neuen Ideen bereichern.

Gallia est omnis divisa in partes tres … - Caesar als Erzähl-Stratege

Diesmal konnte für die Tagung Prof. Dr. Markus Schauer (Universität Bamberg) gewonnen werden. Er stellte den fast zu den geflügelten Worten zählenden Beginn von Caesars „Gallischem Krieg“ ins Zentrum: Ganz Gallien ist geteilt in drei Teile, deren ersten die Belger, den zweiten die Aquitaner und den dritten die Kelten (Gallier) bewohnen … . Dabei geht es um mehr als um ein bisschen Geographie für das römische Lesepublikum. Denn ein Gallien mit drei Teilen gab es in dieser Form vor Caesar gar nicht; Gallien ist letztlich das Produkt von Caesars Eroberungen (58 – 51 v. Chr.), der mit seinem Krieg und seinem Bericht darüber die Landkarte Westeuropas neu geschrieben hat. Bereits der erste Satz dient der Selbstdarstellung Caesars als des großen Entdeckers und Eroberers von „ganz Gallien“, um ein markantes Contra zu Pompeius, dem großen Asien-Feldherrn und Caesar-Gegner im Bürgerkrieg, zu setzen.

Mars und Pax – Krieg und Frieden bei Augustus

Im Jahre 9 v. Chr. weihte Caesars Erbe Oktavian Augustus in Rom die „Ara Pacis“, den Altar des Friedens ein. Wer meint, dass sich Augustus damit nach den großen Eroberungs- und Bürgerkriegen Roms ausschließlich als Friedenskaiser profilieren wollte, wurde von Dr. Michael Lobe (Melanchthon-Gymnasium Nürnberg) mit neueren Forschungsergebnissen zu Augustus und dessen Architektur konfrontiert. Das Bildprogramm dieses „Friedensaltares“ ist die Dialektik von Krieg und Frieden – ein Programm, das sich von den mythischen Anfängen (Mars und Venus) her und seit den sagenhaften Königen Romulus und Numa Pompilius durch Roms Geschichte zieht. Beide Rollenangebote, das eines kriegerischen Romulus und das eines Friedenskönigs Numa Pompilius, wollte Oktavian Augustus nutzen – und im Reliefschmuck seines Friedensaltares dargestellt wissen.

Neben den Vorträgen und den Informationen zur Verbands- und Fachgruppenarbeit kam es auch zu intensiven Begegnungen, zum engagierten Meinungs- und Erfahrungsaustausch untereinander – sowohl in der Pause als auch vor und nach der Veranstaltung. Die Fachschaft Klassische Sprachen am Melanchthon-Gymnasium hatte mit Gebäck, Kaffee und anderen Getränken das entsprechende Ambiente für dieses Treffen der mittelfränkischen Latein- und Griechischlehrer geschaffen. Dass sich diese Tagung seit sehr vielen Jahren hoher Teilnehmerzahlen und einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut, mögen ihre Organisatoren als Dank und Anerkennung verstehen.


Günther Hoffmann