Fachgruppe Geographie


Stellungnahme der Landesfachgruppe zum Fachlehrplan Geographie im neuen LehrplanPLUS

JUGEND FORSCHT 2017

Eine große Bühne für die Jungforscher: Alle Fünft- bis Erstplazierten auf einen Blick beim Finale

Bayerische Teilnehmer bei Jugend forscht 2017 sehr erfolgreich

Bundesfinale des Wettbewerbs in Erlangen – Chemie-Team aus Krumbach erhält Preis der Bundeskanzlerin

Die Erfolgsserie in diesem bekanntesten Schülerwettbewerb Deutschlands hält weiter an: Mit zwei Bundessiegen und weiteren guten Platzierungen gehört Bayern weiterhin zu den äußerst erfolgreichen Bundesländern. Im 52. Jahr seines Bestehens konnte der Wettbewerb wieder eine sehr hohe Beteiligung mit 12.226 Anmeldungen verkünden. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Mädchenanteil mit 4.740 Jungforscherinnen auf die Rekordmarke von 38,8 Prozent erhöhte. „Unser Wettbewerb,“ so Dr. Sven Baszio, der Geschäftsführer von Jugend forscht, „ist eine Marke, wenn es um individuelle Förderung und kreatives, forschendes Lernen geht. Den aktuellen PISA-Ergebnissen zum Trotz motiviert dieser Ansatz offenbar immer mehr Mädchen, sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zu begeistern und bei Jugend forscht mitzumachen. Unser Ziel ist es, künftig möglichst vielen jungen Talenten über die Teilnahme am Wettbewerb hinaus zu vermitteln, welche vielfältigen Chancen und Perspektiven ihnen der MINT-Bereich in Ausbildung, Studium und Beruf bietet.“

Über die Regional- und Landeswettbewerbe hatten sich die Besten für das Bundesfinale in Erlangen qualifiziert. 178 Jungforscher und -forscherinnen mit insgesamt 107 Projekten wollten die Bundessieger in den jeweiligen Fachsparten ermitteln. Das diesjährige Bundespatenunternehmen, die Siemens AG, sorgte dabei für eine optimale Betreuung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In ihrer Ansprache bei der Abschlussveranstaltung dankte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, insbesondere den Betreuungslehrerinnen und –lehrern für ihre engagierte Hilfe weit über das normale Unterrichtsprogramm hinaus.

Der Eingang zum Wettbewerbsort, der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen

Die Preisträger

Wer sich im Internet ein Video anschauen möchte, muss dieses nicht zwangsläufig herunterladen, denn der Film lässt sich auch „streamen“, also in einem stetigen Fluss kleiner Datenpakete übertragen. Dieses Verfahren wird u.a. auch für Livesendungen im Netz genutzt. Mit der Thematik „Entwickeln einer VR-App für Videoübertragung in Echtzeit“ schuf Konstantin Geier (Ignaz-Günther Gymnasium Rosenheim) für das Streaming eine andere Anwendung: die Fernsteuerung eines Roboters aus sicherer Entfernung. Von fundamentaler Bedeutung ist es dabei, dass die Bildübertragung ruckfrei und möglichst in Echtzeit erfolgt. Nur so hat derjenige, der den Roboter steuert, die Möglichkeit, schnell genug zu reagieren. Der Clou der Arbeit ist, dass der Jungforscher es geschafft hat, die Videodaten schnell und zuverlässig auf eine 3-D-Videobrille zu übertragen. Damit ist der Nutzer mitten drin im Geschehen und kann in der virtuellen Realität agieren. Für diese Leistung erhielt Konstantin Geier den 3. Platz im Fachbereich Mathematik/Informatik zuerkannt.

Über einen 2. Platz im Fachbereich Arbeitswelt konnten sich Christoph Hecker, Jakob Götz und Florian Otto (Pfleiderer GmbH Neumarkt) mit ihrer Arbeit „Absturzsicherung Fahrsilo“ freuen. Sie hatte die Tatsache nachdenklich gestimmt, dass offene Siloanlagen (z.B. für Tierfutter) aus einzelnen, nur durch Mauern getrennte Parzellen bestehen. Da auf diesen nur selten Geländer angebracht sind, kann es beim Abdecken der Silage zu schweren Arbeitsunfällen kommen. Aus diesem Grunde entwickelten sie ein spezielles Sicherungsgeländer, denn aktuell genutzte Modelle sind nicht nur unsicher, sondern auch teuer und sie stören den Befüllvorgang. Das von den Jungforschern entwickelte Modell wird mittig auf die Mauern geschraubt. Es verfügt über eine breite Trittfläche, die zunächst senkrecht steht und in Verbindung mit dem Geländer wahlweise zu beiden Seiten über den Silage-Bereich geklappt werden kann. Ähnlich wie die Lehne eines Klappstuhls bleibt das Geländer dabei dank eines Parallelführungssystems stets senkrecht.

Sternforschung hat Johannes Klatt (Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg) betrieben in seiner Arbeit „Analyse der Schwankungen der Fe-K-Alpha-Linie im System Cygnus X-1“. Cygnus X-1 ist ein System im Weltraum, das aus zwei Sternen besteht und Röntgenstrahlen aussendet. Aus astronomischen Messreihen ist bekannt, dass die von Ferne beobachtbare Wasserstoffkonzentration dieses Sternensystems unregelmäßigen Schwankungen unterliegt. Diese Beobachtung wurde von dem Jungforscher überprüft auf der Grundlage eines Datensatzes des RXTE-Satelliten aus dem Jahre 2007, denn dieser künstliche Himmelskörper ist auf Röntgenquellen spezialisiert. Damit war es Johannes Klatt möglich, die Beobachtung zu belegen. Durch statistische Analysen gelang ihm darüber hinaus der Nachweis, dass hohe Wasserstoffwerte des Doppelsterns mit einer niedrigeren Abgabe von Röntgenstrahlen durch Eisenatome einhergehen. Ein ähnlicher Effekt ist bereits vom Neutronenstern Hercules X-1 bekannt. Für diese Arbeit wurde der Jungforscher mit dem 2. Preis im Bereich Geo- und Raumwissenschaften ausgezeichnet.

Christoph Hecker, Jakob Götz und Florian Otto (2. Platz Arbeitswelt) erhalten ihre Urkunden aus der Hand von Staatsminister Joachim Herrmann

Die Bundessieger

Sie heißen Segway oder Hoverboard, jene selbstbalancierenden Elektrogefährte, auf denen man stehend durch die Gegend rollen kann. Sie besitzen eine ausgefeilte Steuerungselektronik, die das Gerät stets im Gleichgewicht hält. Doch für Luca Fäth (Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg) waren diese Vehikel viel zu teuer. Konsequenterweise konstruierte er sich sein eigenes Gefährt: ein Einrad, das sich von selbst im Gleichgewicht hält. Ein Holzgehäuse mitsamt Sitz und Griffen beherbergt den Akku und auch den Elektromotor, der über einen Riemen das Rad eines Motorrollers antreibt. Ein kombinierter Beschleunigungs- und Lagesensor sorgt zusammen mit einem Minicomputer für die notwendige Balance. Zwar benötigt man ein wenig Übung, bis man mit dem motorisierten Einrad fahren kann, doch das Gleichgewicht halten kann man damit sehr zuverlässig. Für seine Arbeit „Self-balancing Unicycle“ wurde Luca Fäth zum Bundessieger im Bereich Technik. Besonders überzeugte die Jury die engagierte und konsequente Umsetzung seiner Idee in eine professionelle technische Lösung.

Johannes Greiner und Stephan Wagner (Simpert-Kraemer-Gymnasium Krumbach) war bekannt, dass bestimmte Metallsalze stabile Kristalle und beeindruckende ringförmige Strukturen ausbilden können. Deshalb haben sie untersucht, wie diese sogenannten Liesegangschen Ringe in Gelatinegel entstehen. Bei ihren Experimenten variierten sie Temperatur, Gelatinegehalt, Metallionen und Lösemittel und stellten dabei fest, dass vor allem die Abstände der Ringe von Temperatur und Ionenkonzentration abhängig sind. Bei ihren Versuchen wurde darüber hinaus die gängige Annahme bestätigt, dass die Ringe immer dann besonders scharf und klar sind, wenn keine Kristalle sich zu größeren zusammenlagern. Für ihre Experimente wählten die Jungforscher ungiftige Metallsalze, wodurch die Ringbildung auch im Schulunterricht nachvollzogen werden kann. Für ihre Arbeit „Untersuchung am Phänomen der Liesegangschen Ringe in Gelatinegel“ erhielten die beiden Jungforscher die besondere Auszeichnung des Preises der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit. Besonders beeindruckt zeigte sich die Fachjury Chemie von den umfangreichen Messreihen sowie von der äußerst sorgfältigen Aufarbeitung und Auswertung der erhaltenen Daten. Aufgrund ihrer Erkenntnisse sind die Jungforscher in der Lage, weitere komplexe Muster gezielt zu erzeugen.

Johannes Klatt belegte den 2. Platz in Geo- und Raumwissenschaften; hier ist er an seinem Ausstellungsstand

Jugend forscht Schule 2017

Zum großartigen bayerischen Erfolg bei dieser Wettbewerbsrunde trug auch die Auszeichnung des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Aschaffenburg bei, das den Titel „Jugend forscht Schule 2017“ mit dem Preis der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekam. Die Schule hatte die Jury mit einem leistungsorientierten MINT-Förderkonzept ab der Jahrgangsstufe 5 überzeugt. Dieses basiert auf empirisch abgesicherten Studien zum schulischen Lernerfolg. Die mehr als 1.300 Schülerinnen und Schüler werden schrittweise an das forschende Lernen herangeführt. Sprachsensibles Experimentieren, Talentschmieden und eine Wissenschaftsmesse begeistern eine heterogene Schülerschaft für die MINT-Fächer. Breitenförderung wird genutzt, um Talente zu finden und diese zu Spitzenleistungen zu führen, wie auch die diesjährigen Ergebnisse gezeigt haben. „Das Förderkonzept des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums hat bereits innerhalb weniger Jahre beeindruckende Erfolge erzielt und erscheint daher hervorragend übertragbar auf viele andere Schulen in Deutschland,“ so die Meinung der Jury.

Konstantin Geier (3. Platz Mathematik/Informatik) bei der Siegerehrung mit Ranga Yogeshwar (l.) und dem Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik (r:)

Zukunftsperspektive

Der Vorsitzende des bpv, Michael Schwägerl, freut sich über diese Ergebnisse des Bundesentscheids in Erlangen und gratuliert den Preisträgern zu ihren hervorragenden Platzierungen. Er verbindet damit auch die Hoffnung auf ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden in den Folgejahren. Anmeldungen zur Wettbewerbsrunde Jugend forscht 2017/18 (oder zu Schüler experimentieren) sind ab sofort möglich. Letzter Anmeldetermin ist der 30. November 2017; die Wettbewerbsarbeiten müssen dann spätestens Anfang Januar 2018 eingereicht werden. Nähere Informationen zum Bundesfinale 2017 und zur neuen Wettbewerbsrunde 2017/18 sind zu erhalten bei Stiftung Jugend forscht e.V., Baumwall 5, 20459 Hamburg, Tel. 040/374709-0, Mailanschrift info@jugend-forscht.de oder unter www.jugend-forscht.de.


Volker Huntemann


GYMNASIALER GEOGRAPHIEUNTERRICHT

Die Landesfachgruppe Geographie im bpv bei der Jahrestagung in Hallstadt (v.l.n.r.): Johannes Göller (Schwaben), Benjamin Schallenberger (neu, München), Bettina Stadler (verabschiedet, München), Max Schmidt (Vorsitzender des bpv), Uschi Zitzelsberger (Vorsitzende LV Bayern, VDSG), Dr. Konrad Wieland (Kassenwart), Jochen Frickel (Oberfranken), Volker Huntemann (Mittelfranken + Vorsitzender der Landesfachgruppe). Nicht im Bild: Felix Weinrich (Unterfranken), Christoph Matz (Oberpfalz), Bernhard Frey (Oberbayern), Birgit Englmeier (Niederbayern).

Gymnasialer Geographieunterricht: Große Resonanz bei den Schülern- wenig Unterstützung durch die Bildungspolitik

Jahrestagung der Bezirksfachgruppenleiter in Hallstadt – Aktuelle Informationen aus dem Kultusministerium durch Ltd. MR Präbst

Die Jahrestagung der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) fand in diesem Jahr im oberfränkischen Hallstadt statt. Der Landesvorsitzende, StD Volker Huntemann, konnte hierzu neben den Bezirksfachgruppenleitern u.a. auch Ltd MR Adolf Präbst aus dem Kultusministerium, den 1. Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbands (bpv), StD Max Schmidt, sowie den Bezirksvorsitzenden für Oberfranken, StD Peter Drescher, herzlich begrüßen. Dieser betonte in seinem Grußwort, dass die Fächervielfalt zur Qualität des bayerischen Gymnasiums einen wichtigen Beitrag leistet. Die derzeitige Situation in der MittelstufePlus, dass Fächer in einzelnen Jahrgangsstufen pausieren müssen, sei nicht hinnehmbar. Es darf keine zwei Klassen von Fächern geben. Der Referent bedauerte, dass in der derzeitigen Diskussion pädagogische Argumente keine Rolle spielen; vielmehr gebe es nur noch eine Dominanz der Politik. Er forderte die Anwesenden auf, weiterhin mit der Behandlung der durchwegs aktuellen Themen der Geographie einen Beitrag zur Verdeutlichung des hohen Stellenwerts dieses Faches zu leisten.

Der bpv-Bezirksvorsitzende von Oberfranken, StD Peter Drescher, bei seinen Grußworten.

Wie schon seit vielen Jahren konnte der Landesvorsitzende der Fachgruppe feststellen, dass sich die Geographie im zurückliegenden Schuljahr in der Oberstufe einer großen Bliebtheit erfreuen kann, sowohl bei den Belungszahlen der Kurse als auch beim Wahlverhalten in der Abiturprüfung. Aus diesem Grunde ist es ihm unverständlich, dass ein Fach, dass die Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Aspekte des Lebens in einer globalisierten Welt vorbereitet, in den Jahrgangsstufen 6 und 9 nicht in den Stundentafeln erscheint. Diese Situation wurde bei der Einführung der MittelstufePlus noch weiter verschlechtert; es kam eine dritte Lücke in der Jahrgangsstufe 9+ hinzu. Die vom künftigen LehrplanPlus geforderte durchgängige Vermittlung von Kompetenzen ist bei dieser Anzahl von Jahrgangsstufenlöchern kaum mehr möglich. Der Referent konnte eindeutig feststellen, dass es kein anderes Unterrichtsfach gibt, das eine solche Benachteiligung hinnehmen muss. Wenn nun ein Plusjahr wieder eingeführt ist, dann sollte die Geographie die zwei eingekürzten Unterrichtsstunden wieder zurückerhalten z.B. zur verstärkten Durchführung von fächerübergreifender Projektarbeit. „Wir erwarten, dass eine vorausschauende Bildungspolitik dem Selbstverständnis des Fach Geographie als einer Brücke zwischen Nautr- und Geisteswissenschaften Rechnung trägt!“

Mit Blick auf das Fach Natur und Technik bedauerte er, dass die Geographie nur sporadisch, teilweise auch gar nicht berücksichtigt wird. Aus diesem Grunde wies er erneut darauf hin, dass beim Schwerpunktthema „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ der Einsatz von Lehrkräften mit der Fakultas Geographie ausdrücklich vorgesehen ist, denn dort ist eine Vielzahl von echten geographischen Inhalten verankert. In diesem Zusammenhang sei ausdrücklich auf den Punkt „Einsatz von Studienreferendarinnen und Studienreferendaren in Natur und Technik“ im KontaktbriefPlus 2014 aus dem ISB hingewiesen.

Zum Tagesordnungspunkt „Aktuelle Entwicklungen am Gymnasium“ konnte StD Volker Huntemann den Ltd MR Adolf Präbst (Kultusministerium) begrüßen. Zur Einstellungssituation stellte er fest, dass diese nach wie vor sehr ungünstig ist. Eine Entspannung wird sich erst in ein paar Jahren einstellen.

Das Thema der Weiterentwicklung des Gymnasiums stand eindeutig im Mittelpunkt der Ausführungen des Referenten. Er erläuterte, dass Ausgangspunkt der derzeitigen Diskussionen über die Lernzeit am Gymnasium die Mittelstufe Plus ist. In der Pilotphase mit 47 Gymnasien hat sich dieses Modell als in der Breite nicht organisierbar herausgestellt. Deshalb hat das Kabinett im vergangenen Juni das Ministerium beauftragt, noch einmal mit den Vertretern der Gymnasien in einen Dialog über die Weiterentwicklung des Gymnasiums einzutreten. Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, wie die Lernzeit des Gymnasiums, das grundständig achtjährig bleibt, differenziert bzw. individuell verlängert werden kann (z.B. in Form eines zusätzlichen Schuljahres oder auch in Form einer flexibleren Ganztagskonstruktion).

Folgender Zeitplan ist dafür vorgesehen:

- ab September 2016 bis Ende 2016/Anfang 2017: Das Ministerium befindet sich in einem nochmaligen Dialogprozess mit allen Beteiligten.
- Anfang 2017: Nach Auswertung aller Ergebnisse des Dialogs durch das Ministerium erfolgt ein Vorschlag des Ministeriums an das Kabinett. Dieses fasst daraufhin einen Beschluss, auf dessen Grundlage dann die Rahmenbedingungen (wie evtl. BayEUG- oder GSO-Änderungen) erarbeitet werden. Die Gestaltung des Entscheidungsprozesses an den Schulen und die Stundentafeln werden wichtige Bestandteile dieses Konzepts sein.
- Ende des Schuljahres 2016/17 werden, wenn der Bayerische Landtag dem Konzept zustimmt, die gesetzlichen Änderungen, die ggf. für das neue Lernzeitmodell notwendig sind, vorliegen. Damit bekommen die Schulen Planungssicherheit.
- Schuljahr 2017/18: Die Schulen können entscheiden, ob sie beim bisherigen G8 bleiben oder ob sie beim Ministerium den Antrag auf eine verlängerte Lernzeit stellen möchten. Für große Schulen können auch beide Formen möglich sein, soweit dieses organisatorisch zu bewerkstelligen ist. Die Schulen können sich aber auch erst später entscheiden.
- Schuljahr 2018/19: Die ersten Schulen beginnen ggf. mit der Einführung der verlängerten Lernzeit.
Der Referent betonte, dass er hier nur den aktuellen Diskussionsstand beschreibt. Die Entscheidung über die Lernzeit am Gymnasium fällt am Ende im Bayerischen Landtag.

Ein Eckpunkt, der von allen Beteiligten als unverrückbar angesehen wird, ist die Wahrung der Einheit des Gymnasiums. Davon ausgehend müssen, auch aus Gründen der Chancengleichheit, Oberstufe und Abiturprüfung an allen Gymnasien unabhängig von der Lernzeit identisch sein. Auch die Jahrgangsstufe 5 soll in ihrer Form unangetastet bleiben; die Streckung würde somit in den Jahrgangsstufen 6 – 10 erfolgen. Der Mittlere Schulabschluss wird stets nach Jahrgangsstufe 10 erreicht (auch im gestreckten 8jährigen Gymnasium). Damit wird die Einheit des Gymnasiums gewahrt.

Im Anschluss an dieses Referat erfolgte eine intensive Diskussion über zahlreiche Einzelaspekte. Zu den konkreten Auswirkungen des derzeit favorisierten Modells auf den Unterricht stellte der Referent fest, dass der neue Lehrplan auch für die gestreckte Form des Gymnasiums gelten wird, da die Schülerinnen und Schüler dort dasselbe Abitur ablegen werden wie am grundständigen Gymnasium in der achtjährigen Form. Eine Auffüllung durch neue Inhalte würde außerdem dem Ziel der Entlastung der Schülerinnen und Schüler durch Lernzeitstreckung widersprechen. Daran wird sich auch die Stundentafel orientieren müssen. Es ist daher zu erwarten, dass in der Unter- und Mittelstufe des gestreckten Gymnasiums entweder kein oder zumindest deutlich weniger Nachmittagsunterricht erfolgen wird. Es ist aber zu früh, darüber zu spekulieren, zu welchen Verschiebungen dies bei einzelnen Fächern führen könnte und welche Fächer durch ein zusätzliches Schuljahr besonders profitieren sollten. Zunächst bleibt die Grundsatzentscheidung über die Lernzeit am Gymnasium abzuwarten, denn es gibt zurzeit noch mehrere Modelle, die zur Diskussion stehen.

Der Landesvorsitzende der Fachgruppe dankte Ltd. MR Adolf Präbst für seine fundiert vorgetragenen Ausführungen. Bezüglich einer möglicherweise bevorstehenden weiteren Stundentafelstreckung – und damit einer weiteren Aushöhlung - für das Fach Geographie meldete er im weiteren Verlauf der Tagung stärkste Bedenken und Widerstand an.

In seinem Tätigkeitsbericht erwähnte der Landesvorsitzende der Fachgruppe Geographie im bpv einen intensiven Gedankenaustausch mit Vertretern aus dem Landtag und dem Ministerium sowie aus Institutionen und befreundeten Verbänden. Im zurückliegenden Jahr wurden in den einzelnen Regierungsbezirken wieder diverse Fortbildungsveranstaltungen angeboten, so z.B. die Exkursion „Der Steinbruch Gräfenberg – ein Fenster in die Schichtenlagerung der Fränkischen Alb“ (Mittelfranken), die wegen der großen Nachfrage im Jahr 2017 wiederholt werden wird. Erwähnung verdient auch die unterfränkische Herbstexkursion ins Berchtesgadener Land in Kooperation mit der Geographischen Gesellschaft Würzburg. Mit weiteren regionalen Universitäten (z.B. Erlangen, Bayreuth, Regensburg, München, Passau) wurde intensiv zusammengearbeitet. Beispielhaft dafür ist die alljährlich Anfang Oktober stattfindende „Ideenbörse Geographie“ (FG Geographie Mittelfranken / Geographisches Institut der Universität Erlangen). Zudem wurde in den einzelnen Bezirken ein reger Gedanken- und Ideenaustausch vor Ort mit den Kolleg(inn)en (z.B. Geographie-Stammtische in der Oberpfalz) gepflegt.

Der bpv-Vorsitzende, StD Max Schmidt, bei seinen Anmerkungen zur bildungspolitischen Situation.


Der Morgen des nächsten Tages begann mit dem Vorsitzenden des bpv Max Schmidt und seinen Anmerkungen zur bildungspolitischen Situation. Er bezeichnete die derzeitige Situation am Gymnasium als nicht ideal. Aktuell ist nicht mehr als das gestreckte 8jährige Gymnasium durchsetzbar. Nichtsdestotrotz wird der Verband an der Wiedereinführung des 9jährigen Gymnasiums uneingeschränkt festhalten. „Wir sind auf einem guten Weg, aber auch auf einem schweren Weg,“ betonte er. Im Augenblick geht es darum, für diejenigen, die ein 9jähriges Gymnasium wollen, dieses möglich zu machen. Er betonte allerdings auch, dass bei einem gestreckten 8jährigen Gymnasiumk keine Schule allein nur mit den 30 zusätzlichen Wochenstunden pro Klasse auskommen wird. Aus diesem Grunde plädierte er dringend dafür, dass Elemente aus dem Flexijahr unbedingt erhalten bleiben müssen.

Unabhängig von der geplanten Einführung des gestreckten 8jährigen Gymnasiums setzte er sich für ein auf neun Jahren basierendes Gymnasialkonzept ein mit dem Ziel, „... die Inhalte im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler über alle Jahrgangsstufen hinweg zu entzerren und so ein vertiefendes, nachhaltiges Lernen und Üben zu ermöglichen.“ Auch vor dem Hintergrund einer sich verändernden Schülerschaft und gestiegener Übertrittsquoten wird dieses Anliegen immer wichtiger. „Daher sind für die Festlegung der Qualität gymnasialer Bildung und damit für die Schulzeitfrage nach meiner festen Überzeugung pädagogische und didaktische Überlegungen von ganz besonderer Bedeutung.“ Für eine neue Form des G9 regte er auch Überlegungen zur Neugestaltung der Oberstufe an. Mögliche Ideen sind z.B. eine Vorverlagerung einzelner Abiturprüfungen oder eine Zweigbindung auch in der Q-Phase, wodurch eine verstärkte Beschäftigung mit einem Schwerpunkt möglich wäre. Probleme sieht er u.a. bei einer weiterhin gegebenen Vierstündigkeit der Abiturfächer; für ihn wäre in dieser Hinsicht mit Blick auf die anderen Fächer auch eine Dreistündigkeit denkbar.

Für die Lehrerbildung regte Max Schmidt an, neue Elemente aufzunehmen. Ferner soll die Möglichkeit, die Lehrerausbildung am Ende des Referendariats mit dem Master-Titel abzuschließen, weiter verfolgt werden. Der Landesfachgruppe Geographie wünschte er für die nächsten Jahre viel Erfolg: „Die Bedeutung des Faches muss bei jeder sich bietenden Möglichkeit herausgestellt werden.“

Uschi Zitzelsberger, die Vorsitzende im LV Bayern des Verbands Deutscher Schulgeographen (VDSG) berichtet von der Arbeit des neugewählten Vorstands.


Im Anschluss daran konnte StD Volker Huntemann die neugewählte Vorsitzende des Verbands Deutscher Schulgeographen (VDSG), Landesverband Bayern, Uschi Zitzelsberger, begrüßen. Sie berichtete davon, dass der ebenfalls neugewählte Vorstand gleich in seiner 1. Sitzung ein neues verbandspolitisches Grundsatzpapier erarbeitet hat. Ziele sind dabei eine qualitativ und quantitativ bestmögliche Berücksichtigung der Geographie sowie das Erreichen einer gesellschaftlichen Anerkennung des hohen Stellenwerts des Faches. Sie wies ebenso auf die neugestaltete Homepage der bayerischen Schulgeographen hin: http://www.bayerische-schulgeographen.de . Bei den bevorstehenden Veranstaltungen nannte sie u.a. den Deutschen Kongress für Geographie in Tübingen (01. - 05.10.2017; voraussichtlich am 02.10.2017 mit dem Tag der Schulgeographie) und den Landesschulgeographentag in Bayreuth (08. - 10.03.2018). Das Sprachrohr Ihres Verbands ist die Zeitschrift „Der Bayerische Schulgeograph“, der zweimal jährlich erscheint. Uschi Zitzelsberger bedankte sich bei der Fachgruppe Geographie für die bisherige gute Zusammenarbeit und brachte den Wunsch zum Ausdruck, diese Kooperation noch weiter zu intensivieren, um gemeinsam die Bedeutung der Geographie hervorzuheben.

Als Schwerpunkt des Arbeitsprogramms 2016/17 der Landesfachgruppe wurde u.a. erneut für ndie Bekanntmachung und Unterstützung von Wettbewerben mit geographischen Inhalten gestimmt. Hierzu gehören in besonderem Maße „Jugend forscht“ / „Schüler experimentieren“, der BundesUmweltWettbewerb“ und „Diercke Wissen“. Ferner wird auch eine intensive Berücksichtigung der Arbeit mit den digitalen Medien angestrebt.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages verabschiedete der Landesfachgruppenleiter die bisherige Bezirksfachgruppenleiterin von München, StR' Bettina Stadler, die nach 8 Jahren ihr Amt an StR Benjamin Schallenberger (Gymnasium Neubiberg) weitergibt. StD Volker Huntemann dankte der ausscheidenden Kollegin für die lange und sehr gute Zusammenarbeit (davon auch einige Jahre als stellvertretende Landesvorsitzende) und begrüßte gleichzeitig den neuen Bezirksfachgruppenleiter im Gremium und wünschte ihm viel Erfolg bei der Arbeit im Verband.

Volker Huntemann

IDEENBÖRSE GEOGRAPHIE AN DER UNIVERSITÄT ERLANGEN

Blick in den Hörsaal bei der Begrüßungsansprache.

Aktuelle geographische Themen und Trends intensiv behandelt

Lehrerfortbildung Ideenbörse Geographie an der Universität Erlangen –
Anregungen aus der Schulpraxis und der wissenschaftlichen Forschung

Bereits zum zwölften Mal fand die durch das Geographische Institut der Universität Erlangen-Nürnberg in Kooperation mit der Fachgruppe Geographie im Bayerischen Philologenverband (bpv) organisierte Fortbildungsveranstaltung „Ideenbörse Geographie“ für Gymnasium und Realschule in Erlangen statt. Weit mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen aus dem nordbayerischen Raum nutzten die Veranstaltung, um sich fachwissenschaftlich und fachdidaktisch neue Anregungen zu holen. Auch in diesem Jahr fand die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der „Alten Mathematik“ als Ausweichquartier statt.

Prof. Dr. Perdita Pohle bei der Begrüßungsansprache zur überregional bedeutenden Ideenbörse Geographie.

Informationen durch Prof. Dr. Perdita Pohle

In ihrer Begrüßungsansprache betonte Prof. Dr. Perdita Pohle (Universität Erlangen) die Wichtigkeit der engen Kooperation zwischen Hochschule und Schule: Die Schulen legen mit einem anspruchsvollen, innovativen Geographieunterricht den Grundstein für das Interesse an dem Unterrichtsfach. Entsprechend motivierte und qualifizierte Erstsemester erhält die Universität und kann diese dann nach Abschluss des Studiums als Lehrkräfte wieder zurück an die Schulen entlassen. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie die W- und P-Seminare als bedeutende Bindeglieder. In ihrem Bericht über die aktuellen Themen am Geographischen Institut erwähnte sie besonders die weitere Internationalisierung von Forschung und Lehre sowie die Bemühungen um weitere Bewilligungen von internationalen Studien- und Ausbildungspartnerschaften. Zudem stellte sie den Teilnehmern Prof. Dr. Jan Christoph Schubert, den neuen Inhaber des Lehrstuhls für die Didaktik der Geographie, vor.

Zur räumlichen Situation informierte sie darüber, dass die Räumlichkeiten des Instituts sich weiterhin in Tennenlohe (Wetterkreuz 15) befinden und dieses auch noch ein paar Jahre andauern wird. Mit großer Sorge verfolgt sie den derzeitigen Einbruch der Studierendenzahlen für das Lehramt an Gymnasien auf Grund der herrschenden geringen Einstellungschancen; die Entwicklung der Studierendenzahlen in den anderen Ausbildungsrichtungen bezeichnete sie als normal. „Alle sind aufgefordert, das positive Image der Geographie weiter voranzutreiben,“ forderte die Referentin. Auch in diesem Jahr wies sie wieder ausdrücklich darauf hin, dass am Institut großer Wert gelegt wird auf eine intensive und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Lehrkräften an den Schulen. Dabei ergeben sich folgende Angebote:

- Kooperationen bei der Durchführung von W- und P-Seminaren
- Durchführung von Bibliotheksführungen zur Einführung in die Recherchearbeit
- Besuch von einzelnen Vorlesungen durch Schulklassen/Kursgruppen
- Besuch von Einzelveranstaltungen aus der Vortragsreihe der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (FGG) durch Schulklassen/Kursgruppen
Für die beiden letztgenannten Angebote ist eine vorherige Anmeldung über das Sekretariat des Instituts unter 09131/8522633 unbedingt erforderlich.

Am Schluss ihrer Ausführungen wies sie noch auf die Schriftenreihe Erlanger Skripte zum Geographie-Studium (ESGEO) hin:

- ESGEO 1: Wissenschaftliches Arbeiten: Recherchieren, Produzieren, Präsentieren.
- ESGEO 2: Exkursionsdidaktik (Vorarversion als PDF verfügbar, das gedruckte Heft erscheint in Kürze)
- ESGEO 4: Kulturgeographisches Geländepraktikum.
ESGEO 1 und 4 sind sowohl als PDF verfügbar oder können zum Preis von € 3,00 beim Institut erworben werden.

In den zurückliegenden Jahren war die Veranstaltung stets so strukturiert, dass je fünf Fachvertreter der Universität ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellten, während fünf Schulpraktiker Anregungen zu erfolgreich erprobten Unterrichtsprojekten gaben. Nach der Tagungspause wiederholten sich die 45minütigen Workshops, so dass zwei weitere Themenbereiche besucht werden konnten. Aus aktuellem Anlass war der Themenblock „Umbrüche in Nahost – Flucht nach Europa: Herausforderungen für den Geographieunterricht“ eingefügt worden. Er bestand aus vier aufeinanderfolgenden, sich nicht wiederholenden Workshops. Die Zeitstruktur war so angepasst worden, dass aber auch andere parallel stattfindende Workshops besucht werden konnten.

Prof. Dr. Georg Glasze bei seinen Ausführungen zu den aktuellen Umbrüchen im Nahen Osten.


Themenblock „Umbrüche in Nahost – Flucht nach Europa ...“

Im Workshop 1a behandelten Prof. Dr. Georg Glasze und Dr. Thomas Schmitt (beide Universität Erlangen) das Thema „Eine kultur- und politisch-geographische Perspektive auf die aktuellen Umbrüche im Nahen Osten“.

„Migration, Integration und kulturelle Differenz – Herausforderungen der Vermittlung im Geographieunterricht“ war der Titel des von Jan Winkler (Universität Erlangen) geleiteten Workshops 1b.

Dr. Jörn Thielmann vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa setzte sich in seinem Workshop1c mit den unterschiedlichen Aspekten des Themas „Islam in Deutschland“ auseinander.

Der von Dr. Stefan Applis (Universität Erlangen) geleitete Workshop 1d „Ethische Herausforderungen der Flüchtlingskrise für den Geographieunterrricht“ ging von der Tatsache aus, dass das Thema Migration schon seit vielen Monaten weite Teile der Öffentlichkeit beschäftigt. Täglich wird darüber auf verschiedenen medialen Kanälen berichtet und die oft heftigen Auseinandersetzungen darüber sind von starken Wertvorstellungen zu Einwanderung, Fremdheit, Nationalität usw. geprägt. Fragen zur Migration sind doppelt komplexe Fragestellungen, die – sobald man von der Beschreibung zur Beurteilung gelangen möchte – einen analytischen und einen ethischen Rahmen benötigen. Für Geographielehrkräfte sind entsprechend die mit der Behandlung dieses aktuellen Themenfeldes verbundenen Herausforderungen hoch – und das nicht nur im Hinblick auf den fachlichen Rahmen, sondern auch daraufhin, was die Auseinandersetzung mit den moralischen Einstellungen der Schülerinnen und Schüler angeht. Der Workshop reflektierte die ethisch-moralischen Implikationen des Themenfeldes und gab einen Ausblick auf Möglichkeiten der unterrichtlichen Auseinandersetzung.

StR Alexander Wiebel berichtet über sein P-Seminar zum bilingualen Unterricht in Geographie.


Die weiteren Workshops der Ideenbörse 2016

Im Workshop „Das P-Seminar 'Bilingualer Geographieunterricht in der 10. Jahrgangsstufe'“ - Erfahrungen aus Planung und Durchführung“ wurde durch StR Alexander Wiebel ein Einblick in die Vorbereitung, Durchführung, Herausforderungen und Erfahrungen aus dem P-Seminar am Gymnasium Eckental aus dem Schuljahr 2012/14 gegeben. Die Teilnehmer traten nach der Präsentation in einen regen Austausch von Ideen, Erfahrungen und Anregungen zur Umsetzung von bilingualen Einheiten im Geographieunterricht. Dabei wurden nicht nur die Möglichkeiten in der Jahrgangsstufe 10 besprochen, sondern auch Vorschläge, wie ein solches P-Seminar Materialien für andere Klassenstufen generieren kann. Die Teilnehmer am Workshop nahmen am Ende eine Fülle von Ideen und Anregungen mit, die auch an Schulen ohne fest eingerichtetem bilingualen Unterricht umgesetzt werden können.

Prof. Dr. Jan Christoph Schubert war Leiter eines Workshops zum Thema Schülervorstellungen.


Prof. Dr. Jan Christoph Schubert (Universität Erlangen) leitete den Workshop 3 „Schülervorstellungen als Schlüssel zum Lernen – Lernvoraussetzungen zum Thema Wüste“. In seinen Ausführungen ging er davon aus, dass nach moderat konstruktivistischem Verständnis Lernen als ein aktiver Prozess des Lerners angesehen wird, bei dem es zur Entwicklung, Veränderung oder Reorganisation von Vorstellungen kommt. Vorstellungen sind dabei „subjektive gedankliche Konstrukte“, die als Lernvoraussetzungen Ausgangspunkte für Lernprozesse sind, zugleich aber auch potenzielle Lernhindernisse darstellen können. Daher kommt Schülervorstellungen eine Schlüsselposition im Lernprozess zu. Die Kenntnis der Alltagsvorstellungen, mit denen die Schüler in den Unterricht kommen und vor deren Hintergrund sie die unterrichtlichen Angebote interpretieren, ist von großer Bedeutung. Im Workshop wurden neben grundlegenden Aspekten zum Thema Schülervorstellungen exemplarisch Vorstellungen zum Themenbereich Wüste vorgestellt und Konsequenzen für den Geographieunterricht formuliert.

OStR Ludwig Stabl gab Anregungen zu Versuchen und zur Arbeit mit Modellen im Geographieunterricht.


Im Workshop 4 behandelte OStR Ludwig Stabl (Laurentius-Gymnasium Neuendettelsau) das Thema „Einfache Versuche aus NuT und Modelle für den Unterrichtsalltag im Fach Geographie“. Dabei bot er einen kleinen Querschnitt verblüffender Versuche mit einfachen Materialien aus dem Haushalt zur Gestalt der Erde, zu Atmosphäre, Luft, Luftdruck und Vulkanismus (als Einstiegsmöglichkeit in den Unterricht, zur Erarbeitung geographischer Phänomene, zum eigenständigen Probieren und Lernen durch die Schüler). Vorgestellt wurden außerdem einfache Modelle für handwerklich begabte Kolleginnen und Kollegen und kurze Unterrichtsgänge ins Freie zur Geologie sowie zu den Entfernungen im Sonnensystem.

StR' Monika Herwanger behandelt das Thema "Urbane Landwirtschaft"


Im von StR' Monika Herwanger geleiteten Workshop „Die Stadt neu denken – W-Seminar 'Urbane Landwirtschaft'“ wurde u.a. der Ablauf eines W-Seminars „Urbane Landwirtschaft“ am Dürer-Gymnasium in Nürnberg erläutert. Dabei wurde auch eingegangen auf die Einführung der Schüler/innen in die Thematik des „Urban Gardening“, wozu dann später eine Weitung des Blickes erfolgte: Vom Heimatraum zu „exotischen“ Raumbeispielen. Berichtet und diskutiert wurde ferner über weitere Aktivitäten im Rahmen des W-Seminars.

Dr. Klaus Geiselhart und Carola Wagenseil (beide Universität Erlangen) gingen in ihrem Workshop „Unterschiede zwischen universitärer und schulischer Kulturgeographie“ von der Annahme aus, dass es den Orient nicht gibt, sondern dass er ein Konstrukt ist. Dieses ist für die Wissenschaft keine neue Erkenntnis mehr und auch in der Schule soll diese Position vermittelt werden (gem. Lehrplan Plus, Jahrgangsstufe 8). Dies geht auf eine noch grundsätzlichere Haltung zurück, nämlich der Überzeugung, dass das, was wir wissen, nicht „wahr“ ist, sondern im Diskurs entsteht. Bei der Frage, wir wir das den Schülern vermitteln können, wurden im Workshop mehrere Möglichkeiten gezeigt, den „Orient als Konstrukt“ im Unterricht zu thematisieren. Als Schwerpunkt wurde eine didaktische Herangehensweise vorgestellt, die das Entstehen eines (Orient-)Diskurses für die Schüler und Schülerinnen erlebbar macht. Sie kann als Schlüssel zum Verständnis des schwierigen Themas dienen.

Im Workshop 7 mit dem Titel „Spielen im Geographieunterricht“ stellte StD Johan van Soeren (Christian-Ernst-Gymnasium Erlangen) am Anfang fest, dass es noch gar nicht so lange her ist, da wurde ein Thema wie dieses als „Kindergartenpädagogik“ diskreditiert. Doch diese Zeiten sind vorbei, denn heute steht „Spielen“ für einen handlungs- und kompetenzorientierten Unterricht, wobei vor allem die Kompetenz „sich räumlich orientieren“ geübt werden kann. Nach einer kurzen Vorstellung wichtiger Literatur zum Thema wurde je ein Beispiel aus Unter-, Mittel- und Oberstufe präsentiert und mit den Workshop-Teilnehmern besprochen. Anhand eines ausführlichen Gehefts wurden weitere Möglichkeiten des Spiel Einsatzes im Unterricht erörtert.

StD Volker Huntemann (Wolfgang-Borchert-Gymnasium Langenzenn) stellte im Workshop 8 das Thema „Arbeit mit einem Lehrbuch nach den neuen Lehrplänen“ vor. Im Schuljahr 2017/18 wird der LehrplanPlus in der Jahrgangsstufe 5 eingeführt werden. Neben einer zeitgemäßen Anpassung der geographischen Themen wird dabei besonders Wert gelegt auf eine Vielfalt der Arbeitsmethoden sowie ganz besonders auf die nachhaltige Vermittlung geographischer Kompetenzen. Dieser Aufgabe hatten sich die Autoren-Teams der führenden Verlage im Bereich geographischer Lehrbücher zu stellen. Unerwarteteterweise stand dem Referenten zum Zeitpunkt des Workshops nur das Prüfexemplar von „Unsere Erde Bayern 5“ (Cornelsen Verlag) zur Verfügung. Damit konnte im Workshop anhand von vier verschiedenen unterrichtlichen Themen gezeigt werden, wie die Erfordernisse des neuen Lehrplans unterrichtlich umgesetzt werden können, wobei die Nutzung der im Lehrwerk angebotenen Materialien und Aufgabenstellungen im Vordergrund stand.


„Die Auswirkungen des post-sowjetischen Transformationsprozesses auf das Weidemanagement und die Weideökologie in Zentralasien“ lautete das Thema im von Dr. Kim André Vanselow geleiteten Workshop 9. Er befasste sich mit dem Ende der Sowjetunion und dem damit verbundenen Zusammenbruch der planwirtschaftlichen Strukturen in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten Tadschikistan und Kirgisien. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen des anschließenden Transformationsprozesses auf die Hochgebirgsweiden im Pamir und Tienschan. Wie verlief der sozioökonomische und politische Umbau in den vergangenen 25 Jahren? Welche Auswirkungen hatte dieser auf den Lebensunterhalt der Menschen und auf den „Gesundheitszustand“ der Ökosysteme? Im Workshop wurden diese Fragen diskutiert und nach Antworten gesucht. Der Inhalt und das zur Verfügung gestellte Material können für Geo 8.2 (Leben und Wirtschaften in tropischen und arid-subtropischen Räumen), Geo 10.4 (Russland – Land im Umbruch) sowie Geo 11.2 (Ökosysteme und anthropogene Eingriffe) Verwendung finden.

In der Abschlussbesprechung wurde besonders lobend das Eingehen auf aktuelle Themen hervorgehoben. Dieses Verfahren soll bei Bedarf auch in den kommenden Jahren entsprechend gehandhabt werden. Ebenso Lob gab es für die große thematische Spannbreite zwischen universitären Forschungsergebnissen und schulpraktischer Umsetzung. Von einigen Teilnehmern wurde für zukünftige Veranstaltungen eine Berücksichtigung des Themas „urban farming“ gewünscht. Die nächste Ideenbörse ist für Freitag, 13. Oktober 2017 vorgesehen. Diesen Termin sollte man sich schon heute vormerken.

Ganz am Ende der Veranstaltung dankte StD Volker Huntemann (Fachgruppe Geographie im bpv) Frau Prof. Dr. Perdita Pohle und Frau Sabine Donner für die Informationen und ganz besonders für die umfangreichen Arbeiten bei der Vorbereitung und der Durchführung der Veranstaltung und überreichte beiden Organisatorinnen jeweils einen Blumenstrauß.


Volker Huntemann

BUNDESUMWELTWETTBEWERBS 2016

Gruppenfoto der Preisträger/innen der Haupt- und Sonderpreise im Innenhof des Umweltbundesamts in Dessau-Rößlau


Große Erfolge bayerischer Schüler im Bereich des Umweltschutzes
Haupt- und Sonderpreise beim BundesUmweltWettbewerbs 2016 vergeben – Abschlussfeier im Umweltbundesamt in Dessau-Rößlau

Das 26. Bundesfinale des BundesUmweltWettbewerbs (BUW) fand in diesem Jahr im passenden Ambiente des Umweltbundesamts in Dessau-Rößlau (Sachsen-Anhalt) statt. Das Ziel des Wettbewerbs ist die Förderung junger Talente im Umweltbereich. Hauptpreise werden vergeben für Arbeiten, die von der Jury als hervorragend bewertet wurden; sowohl Kreativität als auch Interdisziplinarität haben dabei einen hohen Stellenwert. Mit Sonderpreisen werden Projekte berücksichtigt, die sich u.a. durch eine besondere Leistung in einem Teilbereich bzw. einer Fachdisziplin auszeichnen. Förderpreise dienen der Projektfortführung und sollen zur nochmaligen Teilnahme am BUW ermutigen.

Das Wettbewerbsposter zum Thema "Faszination Flechten"

Die Haupt- und Sonderpreise wurden in diesem Jahr in Anwesenheit von Klaus Rehda (Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt) und Dr. Thomas Holzmann, dem Vizepräsidenten des Umweltbundesamts, überreicht. Beide betonten in ihren Grußworten den hohen Stellenwert des Engagements von Jugendlichen für die Themen des Umweltschutzes mit dem Ziel des nachhaltigen Handelns. Beide Festredner dankten den Betreuerinnen und Betreuern, deren Schulen, aber auch den beteiligten Unternehmen und Institutionen, für die umfangreiche Unterstützung. Alle im Rahmen des Bundesfinales ausgezeichneten Arbeiten wurden dem Wettbewerbsmotto „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ in hohem Maße gerecht.

Das Poster zum Sondeerpreis für "Rückgewinnung der Reinmetalle aus Computer- und Elektronikschrott

In der Kategorie BUW I (Altersgruppe der Zehn- bis Sechzehnjährigen) erhielt Felix Leon Braun (Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg) mit seiner Arbeit „Faszination Flechten – Ein Infoprojekt zum ökologischen Handeln“ den Hauptpreis zuerkannt. Mit seiner Projektarbeit hat sich der Jungforscher zum Ziel gesetzt, Interesse für Flechten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu wecken, denn die meisten von ihnen wissen nur sehr wenig über deren symbiotische Lebensweise und die besondere Rolle in der Natur. So will er das Wissen über Flechten zielgruppengerecht vermitteln und zu einem ökologisch nachhaltigen Umgang mit Flechtenbewuchs motivieren. Mit selbst entwickelten Aktionen, Spielen und Aufgaben soll entsprechendes Wissen vermittelt oder von interessierten Personen selbst erarbeitet werden. Hierzu hat Felix Leon einen Informations- und Aktionsstand „Flechten“ konzipiert und das dazugehörige Informations- und Arbeitsmaterial selbst erstellt. Mit seinem Stereomikroskop, einer kleinen Mikroskopkamera mit Laptop und einer Lichtlupe kann der Flechtenforscher eine unerwartete und oft faszinierende Sicht auf Flechten bieten. Spiele, Arbeitsaufträge und Quizbögen für verschiedene Altersstufen sollen helfen, Wissen über Flechten zu vertiefen. Die Jury stellt fest: „Die Arbeit bewegt sich in Herangehensweise, Struktur, Dokumentation, Diskussion, Begründung der Umweltrelevanz und Ableitung von Handlungsmöglichkeiten auf einem sehr hohen Niveau ...“

Die bayerische Landesbeauftragte für den Wettbewerb, OStR' Bonita Junge, gratuliert dem Preisträger Felix Leon Braun zu seinem Erfolg. Rechts von ihm der Sprecher der Jury BUW I Prof. Dr. Gunnar Friege (Universität Hannover)

Mit einem Sonderpreis beim BUW II (Siebzehn- bis Eindundzwanzigjährige) ging nach Mittelfranken: Alexander Gottschick (Ohm-Gymnasium Erlangen) erhielt ihn für seine Arbeit „Rückgewinnung der Reinmetalle aus Computer- und Elektronikschrott“. Wenn Smartphones, Mobiltelefone, Laptops oder Tablets defekt sind oder gegen andere Geräte ausgetauscht werden, fallen große Mengen an Elektronikschrott an. Die Entsorgung ist durchaus problematisch, da diese nicht fachgerecht recycelt werden. Ziel von Alexanders Arbeit war der Nachweis, dass man aus Computerschrott ohne aufwändige vorherige Zerlegung oder Sortierung einzelner Komponenten wertvolle Metalle zurückgewinnen kann. Der Gymnasiast erprobte den Trennungsgang an einer Central Processing Unit (CPU) aus einem alten Schulcomputer. Nach dem Einsatz von sechs CPU war er in der Lage, die Metalle Eisen, Kupfer, Nickel, Mangan und Gold in reiner Form aus dem Computerschrott zu isolieren. Alexander betont in seiner Projektarbeit, dass die Rückgewinnung der Reinmetalle durchaus von ökonomischen Interesse ist. Der Jury gefiel besonders das weit überdurchschnittliche Niveau der Arbeit und die hohe Umweltrelevanz.

Gemeinsames Foto der Preisträger/innen mit den Mitgliedern der Bundesjury und den jeweiligen Landesbeauftragten

Die Teilnahme am BundesUmweltWettbewerb ist möglich für Schülerinnen und Schüler aller allgemein- und berufsbildenden Schulen, Jugendgruppen sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Freiwilligendiensten wie dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD). Die Organisation des Wettbewerbs erfolgt vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel. Der Träger des Wettbewerbs ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Wettbewerbsrunde 2016/17 hat bereits begonnen. Einsendeschluss für die frei wählbaren Themen ist der 15. März 2017; die Anmeldung sollte sobald wie möglich erfolgen. Projektbeispiele, Anmeldung und Leitfaden des Wettbewerbs mit detaillierten Informationen sind erhältlich unter www.bundesumweltwettbewerb.de oder bei der bayerischen Landesbeauftragten für den BUW, OStR' Bonita Junge, Wolfgang-Borchert-Gymnasium, Sportplatzstr. 2, 90579 Langenzenn, Tel. 09101/904180, Mail: verwaltung@wbg-lgz.de .

Volker Huntemann

 

Die Landesfachgruppe Geographie im bpv bei der Jahrestagung 2016 in Hallstadt (v.l.n.r.):
Johannes Göller (Schwaben), Benjamin Schallenberger (neu, München), Bettina Stadler (verabschiedet, München), Max Schmidt (Vorsitzender des bpv), Uschi Zitzelsberger (Vorsitzende LV Bayern, VDSG), Dr. Konrad Wieland (Kassenwart), Jochen Frickel (Oberfranken), Volker Huntemann (Mittelfranken + Vorsitzender der Landesfachgruppe). Nicht im Bild: Felix Weinrich (Unterfranken), Christoph Matz (Oberpfalz), Bernhard Frey (Oberbayern), Birgit Englmeier (Niederbayern).

Die Fachgruppe Geographie vertritt alle Philologen mit der Fakultas für Geographie an den bayerischen Gymnasien, FOS / BOS, Fachhochschulen und Universitäten. Es ist die satzungsmäßige Aufgabe der Landesfachgruppe Geographie, innerhalb des Bayerischen Philologenverbands zu allen fachlichen Themen (inhaltlich/methodisch) Stellung zu nehmen.

Die Landesfachgruppe Geographie nimmt im Auftrag des Vorstands des Bayerischen Philologenverbands im Rahmen der Mitarbeit im Bildungsbeirat zu aktuellen Themen Stellung. Sie hält engen Kontakt bzw. arbeitet in enger Kooperation zusammen mit einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen und Institutionen (z.B. Kultusministerium, ISB, Akademie für Lehrerbildung und Personalführung, Pädagogische Institute, geographische Institute der bayerischen Universitäten). Hinzu kommen intensive Kontakte zu anderen Einrichtungen wie z.B. zu Geographischen Gesellschaften, zum Geo-Zentrum an der KTB in Windischeschenbach, zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und dem Rieskrater-Museum in Nördlingen.

Vertreter der Fachgruppe Geographie arbeiten eng mit dem Verband Deutscher Schulgeographen (VDSG), Landesverband Bayern zusammen. Der Landesvorsitzende ist Beisitzer im Verband Deutscher Schulgeographen, LV Bayern, und gleichzeitig als Fachreferent für außerverbandliche geographische Schülerwettbewerbe im Vorstand des Verbands Deutscher Schulgeographen vertreten. Eine parallele Mitgliedschaft wird empfohlen. www.bayerische-schulgeographen.de

Unser derzeitig vorrangiges Anliegen ist das Bemühen, die durch die Einführung der neuen Lehrpläne zum G 8 entstandenen Lücken in den Jahrgangsstufen 6 und 9 möglichst umgehend wieder zu schließen und so einen durchgehenden Geographie-unterricht in allen Jahrgangsstufen zu erreichen. Es geht nicht an, dass an bayerischen Gymnasien der Geographieunterricht amputiert wird, während er in anderen Bundesländern (z.B. Schleswig-Holstein) ohne Unterbrechung durchgängig unterrichtet werden kann. Vor allem die Unterbrechung in Jahrgangsstufe 6 stellt eine enorme Belastung dar, weil diese Situation für ein Fach in der Unterstufe schlichtweg eine lernpsychologische Katastrophe ist. Dieser Umstand wird um so dramatischer, wenn man bedenkt, dass diese Situation bei einer geschickten Umverteilung der Stunden durchaus vermeidbar gewesen wäre.

Es muss unser erklärtes Ziel bleiben, zumindest die entstandene Lücke in Jahrgangsstufe 6 baldmöglichst wieder zu schließen!

10 JAHRE DLR_SCHOOL_LAB OBERPFAFFENHOFEN

Schüler und Schülerinnen aus Langenzenn bearbeiten Satellitenbilder zum Thema "Naturgewalten"


Motto „Raus aus der Schule – rein ins Labor!“ - Spezielles Angebot: Seminar_Day

Der Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren wird schon seit Längerem als „MINT-Lücke“ bezeichnet. Derzeit fehlen über 100.000 derartige Fachleute, wobei der Mangel noch größer werden wird, denn bis zum Jahr 2020 wird mit einem Defizit von über 400.000 qualifizierten Kräften gerechnet. Der aus dieser Situation entstehende volkswirtschaftliche Schaden wird mit jährlich mehr als 1 Milliarde Euro beziffert. Als Konsequenz aus dieser Situation sind seit Anfang des Jahres 2000 zahlreiche Schul- oder Schülerlabore entstanden, deren erklärtes Ziel es ist, die Schülerinnen und Schüler für Themen der Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Die Frage „Was sind Schülerlabore?“ wird auf der Homepage des Bundesverbands der Schülerlabore LeLa e.V. (www.lernort-labor.de ) wie folgt beantwortet:

„Der Begriff „Schülerlabor“ (Synonym: „Lernlabor“, „Mitmachlabor“) bezeichnet einen Lernort, in dem Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen beim selbständigen Experimentieren und Forschen machen. Da sie im Allgemeinen keine Einrichtungen der Schulen sind, werden sie zu den außerschulischen Lernorten gezählt. Die oft vorhandene Anbindung an Forschungseinrichtungen oder Industriebetriebe macht die Schülerlabore zu sehr authentischen Lernorten, die den Schülerinnen und Schüler[n] auch Einblick in unterschiedliche Berufsfelder erlaubt. [...]“

Einige Teilnehmer an der Festverstaltung besuchen die arbeitenden Schüler und Schülerinnen im School_Lab (rechts: Mdgt Walter Gremm und MR Dieter Götzl aus dem KM)


Schwerpunkte des School_Lab

Im DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen, das im Jahr 2003 seinen Betrieb aufnahm, werden Schülerinnen und Schüler altersgerecht (ab Jahrgangsstufe 8) an ausgewählte Themen wie „Wetter und Klima“, „Infrarot- und Radarmesstechnik“, „Raketen und Satelliten“, „Umweltfernerkundung“ und „Tunnelbohrmaschine“ herangeführt. Unter fachkundiger Anleitung von Studentinnen und Studenten der Natur- und Ingenieurswissenschaften (hinter denen ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt -DLR- steht) experimentieren die Schülerinnen und Schüler eigenständig in echter Labor-Atmosphäre.

Bei den einzelnen Experimenten stellt das DLR den jungen Forschern dabei sein Know-how und viele Technologien zur Verfügung: Sensoren, Roboter, das Satellitenarchiv, einen Profi-Arbeitsplatz für Meteorologen und vieles andere mehr gemäß dem Motto: „Nur wer selber forscht, erlebt wie faszinierend die Welt der Wissenschaft und Forschung ist!“

Doch zurück zur Alltagssituation: Für das alltägliche Leben sind Erkenntnisse aus der Forschung und technische Innovationen von überragender Bedeutung. Aus diesem Grunde werden Umwelt und Atmosphäre überwacht und erforscht, neue Navigationssysteme werden entwickelt. Doch da sind die wichtigen Fragen: Wie sieht der Alltag der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus? Keine dieser Fragen bleibt beim Besuch des DLR_School_Lab offen, denn alles wird klar angesprochen.

Das W-Seminar "Naturgewalten und Katastrophenmanagement" im Eingangsbereich des DLR Empfangsgebäudes in Oberpfaffenhofen


Seminar_Day – schulischer Ast des DLR_School_Lab Oberpfaffenhofen

Nach der Einführung der beiden Seminarfächer in der neuen gymnasialen Oberstufe des Gymnasiums wurde das DLR_School_Lab vor eine neue Herausforderung gestellt: Da es sich sowieso schon schwerpunktmäßig der Oberstufe gewidmet hatte, mussten keine fundamentalen Änderungen vorgenommen werden, denn ein P- oder W-Seminar mit Leitfach Physik unterscheidet sich zwar einerseits maßgeblich von einem Leistungskurs in Physik, ist aber andererseits unter Umständen viel näher an den Forschungsinhalten des DLR orientiert. Aus diesem Grunde wurde speziell das Konzept des Seminar_Lab entwickelt. Seminare, die sich mit Themen des DLR beschäftigen, können bei einem Besuch im Seminar_Lab wichtige Anregungen für ihre Arbeiten erhalten. Dies kann sowohl durch Fachvorträge als auch durch die Durchführung von speziellen Experimenten im DLR_School_Lab erfolgen. Die Schülerinnen und Schüler haben in den studentischen Betreuern kompetente Ansprechpartner für Fragen zu ihren Seminarthemen. Zu Beginn des Seminars sollte ein Besuch als „Teaser“ oder fachlicher Input erfolgen. Ein weiterer Besuch (fortgeschrittenes Seminarstadium) ermöglicht Zwischenstandspräsentation vor einem ausgewählten Fachpublikum. Durch ein entsprechend qualifiziertes Feedback können die Schülerinnen und Schüler noch bestehende Schwächen in ihrer Seminararbeit rechtzeitig erkennen.

Arbeit am Flugsimulator: Auch ein Lehrer darf einmal abheben


Anlässlich des 10jährigen Bestehens des DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen fand eine Festveranstaltung statt, zu Dr. Dieter Hausamann, der Leiter des Schülerlabors, zahlreiche geladene Gäste begrüßen konnte. Nach einem Rückblick auf 10 Jahre DLR_School_Lab in Oberpfaffenhofen wurden u.a. auch „Bewegte Bilder“ aus diesem Zeitraum gezeigt. Danach erfolgte ein Vortrag zum Thema „Raumfahrt-Robotik in Oberpfaffenhofen“. Bei der freien Besichtigung aller Einrichtungen des DLR_School_Lab hatten die Festgäste die Möglichkeit, Schülerinnen und Schülern bei ihrer Arbeit an den einzelnen Experimenten über die Schulter zu schauen. Es handelte sich dabei um die Teilnehmer am W-Seminar „Naturgewalten und Katastrophenmanagement“ unter der Leitung von StD Volker Huntemann vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium aus dem mittelfränkischen Langenzenn. Einer der Festgäste war der Leiter der Gymnasialabteilung im Kultusministerium, Mdgt Walter Gremm. Er zeigte sich tief beeindruckt sowohl von den umfangreichen Möglichkeiten dieses außerschulischen Lernorts als auch von dem Engagement und der großen Begeisterung, mit der die anwesenden Schülerinnen und Schüler die ihnen in den einzelnen Modulen gestellten Aufgaben lösten. Abgerundet wurde der Festtag durch den Kolloquiumsvortrag „10 Jahre DSL-OP“.

Viele zusätzliche Informationen sind unter www.schollab.dlr → Oberpfaffenhofen erhältlich.

Volker Huntemann

INNERER BAYERISCHER WALD

Ulrich Hauner, Innerer Bayerischer Wald – Hoher Bogen, Lamer Winkel, Arber-Kaitersberg, Nationalpark und Dreisessel. Wanderungen in die Erdgeschichte (31). München 2015, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Paperback, 168 Seiten, € 25,00, ISBN: 978-3-89937-174-1.

Wer einmal dass Glück hatte, an einer der von Ulrich Hauner fundiert und äußerst sorgfältig vorbereiteten Exkursionen teilzunehmen, dem ist klar, dass er von dieser Publikation gleiches erwarten darf. Und in der Tat, dem ist auch so. Wegen des enormen inhaltlichen Umfangs musste die Publikation in zwei Bände aufgeteilt werden. Vor uns liegt nun der geographisch genau umrissene erste Band mit 233 (!) Farb- und 12 Schwarzweißabbildungen, 3 Tabellen, 15 geologischen Routenkarten sowie 1 topographischen und 1 geologischen Übersichtskarte. Ziele sind jedes Mal attraktive Schauplätze der Natur, die oft Blicke untertage gewähren und die sich beschäftigen mit den geologisch, glazialmorphologisch und mineralogisch sehenswerten Schlüsselstellen im Gelände, die erheblichen Wert für Wissenschaft und Forschung und Lehre sowie für die Natur- und Heimatkunde besitzen. Dem Autor ist es dabei gelungen, viele der durch das Bayerische Landesamt für Umwelt erfassten Geotope des Bayerischen Waldes in sein Exkursionsprogramm einzubinden.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass der Leser zunächst einmal mit dem Naturraum des Bayerischen Waldes und mit den Gesteinen des unmittelbaren Exkursionsgebiets vertraut gemacht werden soll. Sehr hilfreich sind bei letzterem Aspekt zahlreiche und qualitativ äußerst hochwertige Fotos von den wichtigsten raumprägenden Gesteinsarten. Damit wird es möglich, dass einem mit den räumlichen Verhältnissen nicht sehr intensiv vertrauten Benutzer die Exkursionen besser verständlich werden.

Insgesamt werden in dem geologischen Exkursionsführer 15 Routenvorschläge angeboten. Sie decken eine große Vielfalt an Themen ab und reichen von „Rund um den Hohen Bogen“ im Norden über „Bodenschätze im Silberberg und der mineralreichste Pegmatit im Bayerischen Wald“ bis hin zu einer längeren Tour „Vom Nationalpark zum Dreisessel“ im südlichsten Teil des Exkursionsgebietes. Allein fünf Wanderungen werden für das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald vorgeschlagen, der nahtlos jenseits der Landesgrenze in den Nationalpark Sumava übergeht. Doch geht es thematisch nicht nur um Bergbau und Gesteine, sondern es wird auch auf andere relevante Themen eingegangen, so z.B. „Auf den Spuren der Eiszeiten am Arber“, „Schachten, Filze und Moränen – eine Fahrradexkursion bei Frauenau“ sowie „Gletscherspuren am Rachel“. Die Texte zu allen Routen haben zahlreiche begleitende Abbildungen. Die geologischen Ausschnittkarten und Skizzen sind stets unmittelbar auf den jeweiligen Exkursionspunkt bezogen, so dass der Benutzer an Ort und Stelle die geologischen Fakten und die naturräumlichen Zusammenhänge bestens nachvollziehen kann.

Viele der angeschnittenen Exkursionsthemen können direkt oder indirekt im Geographieunterricht an den Schulen Berücksichtigung finden. Der Autor weist zurecht darauf hin, dass teure Exkursionsziele wie Kalifornien und die Anden getrost durch eine Fahrt um den Hohen Bogen ersetzt werden können, wenn Themen wie Plattenverschiebung, Schwächezonen in der Erdkruste oder Subduktion ozeanischer Kruste unter kontinentale Kruste im modernen Geographieunterricht behandelt werden sollen.

Die vorliegende Publikation bringt dem naturkundlich orientierten Leser als auch dem fachlich interessierten Wanderer besondere Exkursionsstrecken durch den Bayerischen Wald nahe. Sie sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein und wird zur Anschaffung sehr empfohlen. Bereits heute dürfen wir uns auf den Folgeband von Ulrich Hauner mit dem Titel „Bayerischer Wald vom Pfahl bis zur Donau“ freuen.

Volker Huntemann

Erste Begegnungen mit geographischen Themen

Scorza, Cecilia: Sonne, Mond & Sterne. Reihe: Projektarbeit mit Kindern. Ideen für die Kita-Praxis. 32 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2013. ISBN: 978-3-589-24789-9. € 9,95.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“

Projektarbeit ist ein wichtiges Element in der pädagogischen Arbeit aller Altersstufen, denn sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen vielfältige, ganzheitliche und äußerst nachhaltige Lern- und Bildungserfahrungen. Die Förderung von Know-how und Ideenreichtum ist das erklärte Ziel der
Reihe, wobei zunächst der Schwerpunkt auf der Kita-Praxis liegt. Doch auch im Grundschulbereich sollte bekannt sein, wie Projektthemen bereits vermittelt worden sein können und selbst im Anfangsunterricht an der Realschule und am Gymnsium (Geographie / Natur und Technik) sollte man wissen, welche unterschiedlichen Themen auf welche Weise bislang entwickelt worden sind.

Die Reihe „Projektarbeit mit Kindern“ gibt Lehrkräften alles an die Hand, was sie für die Arbeit mit Kindern benötigen: Tipps für spannende Aktivitäten aus allen Bildungsbereichen (man muss sich halt die geographisch relevanten Elemente herausfiltern), Bilder, Illustrationen und Hintergrundinformationen. Auch sind jeweils Materialien für die Hand der Kinder vorhanden. Aus diesem Grunde werden alle hier vorgestellten Publikationen dieser Reihe sehr zur Anschaffung empfohlen.

Das Heft „Sonne, Mond & Sterne“

Der Blick in den Himmel bietet viele Möglichkeiten für spannende Projekte und Aktionen entweder im normalen Verlauf des Unterrichts oder auch z.B. während eines Schullandheim-Aufenthalts. Beim Thema Mond wird u.a. der Frage nachgegangen, warum der Mond leuchtet oder wie Mondkrater entstehen. Unter der Rubrik „Die Sonne“ werden Anleitungen zum Herstellen einer Sonnenbeobachtungsbrille gegeben und im Experiment wird gezeigt, wie man Sonnenstrahlen „sammeln“ kann. Das Experiment zur Entstehung von Tag und Nacht und Beobachtungen zur Frage, wie die Jahreszeiten entstehen, sind Schwerpunkte zum Thema Erde. Nur indirekt geographisch, aber dennoch sehr spannend ist das Kapitel „Unterwegs im All“: Fragen zum Raketenantrieb werden im Experiment beantwortet, ein kleines Astronautentraining wird durchgeführt und Astronautennahrung wird zubereitet.

Das Buch vermittelt auf leicht verständliche Art komplexe Sachverhalte. Es stellt keine Schwierigkeit dar, die Spiele und Basteleien mit den Kindern durchzuführen. Eine Anschaffung des Buches wird wärmstens empfohlen.

Weitere empfehlenswerte Themenhefte aus dieser Reihe

Lux, Gerhard: Projektarbeit mit Kindern / Wetter. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornselsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN 978-3-589-24753-0. € 15,95.

Für Kinder sind alle Wetterphänomene faszinierend – ob Regenbogen, Schnee, Eis, Blitz und Donner oder Sonnenschein. Das Themenheft „Wetter“ bietet zahlreiche Anregungen, um gemeinsam mit den Kindern die Antworten auf die sie bewegenden Fragen zu finden. Unter der Überschrift „Warum gibt es eigentlich das Wetter?“ wird eingegangen auf das Wetter in den Jahreszeiten und es werden Experimente zur Kraft der Sonne vorgeschlagen. Das nächste Kapitel steht unter der Überschrift „Welches Wetter haben wir heute?“ und darin werden u.a. ein Einmachglas-Barometer gebastelt, die Größe von Regentropfen wird ermittelt und es wird der Frage nachgegangen, wie viel Wasser im Schnee steckt. Äußerst interessant ist auch das Kapitel „Wenn das Wetter Kapriolen schlägt“: Im Experiment wird ein Tornado in der Flasche erzeugt, verschiedene Experimente zum Regenbogen werden angeboten ebenso wie ein Experiment zur Nebelbildung. Dieses ist nur eine kleine Auswahl aus einer Vielzahl von Anregungen, die dieses Buch so wertvoll machen.

Bicker, Silke: Projektarbeit mit Kindern / Erde, Stein, Sand. Ideen für die Kita-Praxis. 64 Seiten, kartoniert. Cornelsen Schulbuchverlage Berlin 2012. ISBN978-3-589-24762-2. € 14,95.

Wer im Boden gräbt, stößt auf Erde, Steine und manchmal auch andere Gegenstände. Man muss nicht einmal tief graben, um ganz unterschiedliche Böden unter unseren Füßen zu bemerken. Beschwingte Leichtigkeit macht sich breit, wenn wir auf federndem Moor- oder Waldboden gehen oder Strandwanderungen machen. Doch warum liegt Sand nicht überall oder federn manche Böden? Die große, unsichtbare Welt des Bodens entwickelte sich teilweise über Jahrmillionen. Sie bildet unsere Lebensgrundlage, ohne die es keine Nahrung und kein Trinkwasser gäbe. Dieses ist mehr als Grund genug, um sich näher damit zu beschäftigen und herauszufinden, was sich auf und unter der Erde alles abspielt.

Hierzu ist die Publikation in drei Hauptkapitel untergliedert. Unter dem Thema „Der Boden unter unseren Füßen“ werden u.a. Hinweise zur Gestaltung eines Bodenaufbaus im Glas gegeben sowie Tipps zur Erkundung von Wald-, Wiesen- und Ackerböden. Ferner gibt es Aktivitäten rund um das Thema wieso Kiesel keine Kanten haben. Auch im Kapitel „Wozu wir den Boden brauchen“ stehen Beobachtungen und Experimente stark im Vordergrund: Das Spektrum reicht von Beobachtungen am Regenwurmterrarium im Einmachglas über Wasser mit Erdschichten filtern bis zu Beobachtungen, wie viel Wasser Böden speichern können. Im Kapitel „Bodenschätze und Schätze im Boden“ werden dann u.a. Salzkristalle gezüchtet und es gibt ein Experiment zu Farben aus Pigmenten. Auch dieses Buch ist wieder eine wahre Fundgrube für Impulse und Anregungen zur Gestaltung des Unterrichts.


Volker Huntemann

Aktueller Stand der Alpenforschung

Tobias Chilla (Hrsg.), Leben in den Alpen. Verstädterung, Entsiedlung und neue Aufwertungen. Festschrift für Professor Werner Bätzing. Bern 2014, Haupt-Verlag, gebunden, 302 Seiten, € 44,90, ISBN: 978-3-258-07808-3.

Die Alpenregion ist einer der faszinierendsten Lebensräume der Welt: Vielfalt und Gegensätze begegnen sich auf engstem Raum, dynamische Entwicklungen in Gesellschaft und Natur sind festzustellen ebenso wie Fehlentwicklungen. Aus dieser Situation heraus ergibt sich eine kontroverse Debatte über die politische Entwicklung. Dies ist mit Sicherheit kein Buch für eine Mußestunde, denn es weist einen sehr hohen wissenschaftlichen Standard auf. Das verwundert überhaupt nicht, denn es handelt sich um die Festschrift zum 65. Geburtstag und gleichzeitig Abschied von seiner Professur in Erlangen für den weltweit bekannten Alpenforscher Professor Werner Bätzing. Die Alpen aus Werner Bätzings Sicht sind vor allem ein Raum, an dem sich die wesentlichen Fragen der nachhaltigen Regionalentwicklung in besonders plastischer Weise studieren lassen.

Vor diesem Hintergrund beantworten prominente Experten des Alpenraum eine ganze Vielzahl von aktuell drängenden Fragen. So unterschiedlich auch die inhaltlichen Ansätze sein mögen, gemeinsam ist ihnen, dass der Ausgangspunkt ihrer Beiträge stets in dem Werk von Werner Bätzing zu finden ist, der in seinem Bemühen um „Orte guten Lebens“ in den Alpen (und anderswo) bedeutende Maßstäbe gesetzt hat und als der bedeutendste Alpenforscher gilt.

In seinem einleitenden Beitrag zur Festschrift stellt der designierte Bätzing-Nachfolger Tobias Chilla als Herausgeber der Festschrift in seinem Beitrag „'Leben in den Alpen': Nachhaltige Regionalentwicklung im Sinne von Werner Bätzing“ fest, dass seit den 1980er Jahren die Debatte um die Regionalentwicklung in den Alpen, in Franken und anderswo maßgeblich durch Werner Bätzing geprägt worden ist. Ziel der Publikation soll es sein, diese prominente und pointierte Perspektive der Regionalentwicklung zu würdigen. Schwerpunkte bei der Betrachtung der relevanten Probleme sind dabei stets im Sinne Werner Bätzings die „Problemorientierung“, der Fokus auf dem Lokalen und dem Konkreten und die integrierte Betrachtungsweise.

Die thematischen Schwerpunkte der Festschrift spannen einen weiten Bogen zwischen Themen wie z.B. „Neue Bewohner in den Alpen? Räumliche Mobilität und Multilokalität in Tirol“ (Oliver Bender, Axel Borsdorf) und „Die Bayerischen Alpen als Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Nutzungs- und Schutzansprüchen“ (Marius Mayer, Hubert Job). Eingehend dargelegt werden u.a. auch “Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung in peripheren Gebieten des schweizerischen Alpenraums“ (Hans-Rudolf Egli) und „Goms – Konjunkturen, Krisen und Konflikte“ (Ludwig Ellenberg). Thematisch eingegangen wird u.a. ebenso auf „Agrargemeinschaften in Kärnten“ (Friedrich Walter Merlin) und „Natursport in den bayerischen Alpen“ (Stefan Witty).

Die Entwicklungen im Alpenraum im Verlauf der letzten Jahrzehnte werden eingehend dargelegt und darauf aufbauend werden Zukunftsperspektiven entwickelt, die nicht immer als positiv bewertet werden können. Aber auch das ist im Sinne Werner Bätzings – wie er es oft genug in seinen Forschungen gezeigt hat – notwendig, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen anzuregen.

Die vorliegende Publikation zeigt die volle Bandbreite der von Werner Bätzing maßgeblich vorangetriebenen Alpen- und Regionalforschung auf und sollte in jeder Lehrer- und Fachbibliothek vorhanden sein. Die Anschaffung ist dringend zu empfehlen.

Volker Huntemann

Panorama Altmühltal

Peter Miotk, Harald Braun u. Johann Schrenk: Panorama Altmühltal – Eine Bilderreise entlang des Panoramawegs Altmühltal von Gunzenhausen bis Kelheim
Schrenk Verlag , 2010. 252 S., gebd., 34,90 Euro
ISBN 978-3-924270-65-0

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen das Altmühltal nur einem kleinen Kreis von Naturbegeisterten als Geheimtipp bekannt war. Nicht nur die stürmische Entwicklung des Fränkischen Seenlandes zu einer echten Tourismusregion hat zu einer deutlichen Bekanntheitssteigerung beigetragen, sondern z.B. auch die Tatsache, dass der Panoramaweg Altmühltal zu den zwölf „Top trails of Germany“ gehört und dass er auch als „Qualitätswanderweg wanderbares Deutschland“ zertifiziert ist. Diesem Panoramaweg sind die drei Autoren gefolgt und haben eine bislang einmalige und äußerst anerkennenswerte Symbiose zwischen einem Wanderführer und einem echtem Bildband geschaffen.

Das im Bildbandformat vorliegende Werk begeistert den Leser mit exzellent verfassten Informationstexten, großartigen Landschafts- und Panoramaaufnahmen ins Tal oder über das Tal sowie großartigen Aufnahmen von Fauna und Flora mit einer Detailgenauigkeit wie man sie sich oft wünscht, aber selten findet. Schon nach dem Studium der ersten Seiten muss man feststellen, dass sich hier ein ideales Autorenteam gefunden hat: Peter Miotk ist Professor für Biologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Fakultät Umweltingenieurwesen) und hat sich durch seine jahrzehntelangen Forschungen in der Fachwelt ein hohes Ansehen erworben. In der über 30 Seiten langen Einführung gibt er einen Überblick über die Landschaftsgeschichte des Raumes und begründet in genauer, aber niemals wissenschaftlich überzogener Weise das heutige Erscheinungsbild von Fauna und Flora. Den Leser erfreut es, wenn der Fachmann in gekonnter Weise auf Besonderheiten aufmerksam macht, die es ihm ermöglichen, die Landschaft des Altmühltals in ihrer Einmaligkeit zu genießen. Unterstützt wird er dabei von Fotomeister Harald Braun, der in die Gestaltung des Bildbandes sein ganzes Fachwissen eingebracht hat. Johann Schrenk rundet die Leistungen des Teams ab, indem er sein umfangreiches Wissen über seinen Heimatraum und die Regionalgeschichte einbringen kann.

Während man es in traditionellen Reiseführern leider gewohnt ist, dass gerade die Naturverhältnisse vernachlässigt oder nur dürftig dargestellt sind, wird der Leser in diesem Reiseführer eine positive Überraschung erleben. Die Naturkunde wird weder in Text noch im Bild in den Hintergrund gestellt, sondern sie begegnet der Kultur- und Heimatgeschichte auf gleicher Augenhöhe. Auch Hinweise auf sportliche Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten werden gegeben. Sie stehen allerdings nicht im Vordergrund – genau in richtiger Relation, wenn man eine einmalige Natur- und Kulturlandschaft kennenlernen oder gar erwandern möchte. Der Gegenstand der Betrachtung ist – so formuliert es Peter Miotk – „… ein in seiner Attraktivität so außergewöhnlicher Landschaftsraum, wie er sich in Deutschland nur selten bietet.“

Der Panoramaweg Altmühltal ist in seinem Verlauf von Gunzenhausen nach Kehlheim (ca. 200 km Länge) in 10 Etappen aufgeteilt, die jeweils unter einer speziellen Thematik stehen: So befindet man sich auf einer Etappe im Revier der Störche (Gunzenhausen – Spielberg), ein andermal in der steinernen Vergangenheit (Solnhofen – Dollnstein) oder auch in Bayerns Mitte (Kipfenberg – Beilngries). Zu jeder Etappe wird eine passende Übersichtskarte geliefert; es gibt umfangreiche Informationen zum Streckenverlauf, aber auch zu Sehenswürdigkeiten und interessanten Punkten an der Strecke. Vervollständigt werden diese Informationen durch hervorragendes Bildmaterial, das auch auf zahlreiche bedeutende kulturhistorische Sachverhalte eingeht. Zusätzlich zu den einzelnen Etappen werden insgesamt 27 Schlaufenwege vorgeschlagen; Wege, bei denen sich eine Vertiefung der auf der normalen Etappe gewonnenen Eindrücke lohnt. Harald Braun, der mit seiner Familie alle Etappen und sämtliche Schlaufenwege abgelaufen hat, betont, dass er dabei das Stück Heimat neu entdeckt und schätzen gelernt hat.

Die vorliegende Publikation ist sicherlich kein Wandeführer im herkömmlichen Sinn. Es beginnt schon damit, dass man ihn nicht einfach in die Tasche stecken kann, sondern man muss sich die entsprechenden Abschnitte vorher kopieren. Diese kleine zusätzliche Mühe gleicht jedoch den goßen Vorteil der exzellenten (auch optischen) Vor- und Nachbereitung voll und ganz aus. 448 Hochglanzfarbfotos legen Zeugnis von einer großartigen Landschaft ab. Dieses Prädikat ist mehr als gerechtfertigt, denn selten treffen in einem so eng begrenzten Raum so viele gegensätzliche Elemente aufeinander: Bei Fauna und Flora begegnen sich u.a. Lebensgemeinschaften mediterraner Prägung mit solchen von nordischem Charakter und in der Kulturlandschaft treffen wir ständig auf sowohl fränkische als auch bayerische Elemente. Ein solch außergewöhnlicher Landschaftsraum ist tatsächlich nur selten in Deutschland zu finden. Dem Autorenteam ist es in großartiger Weise gelungen, ihn für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus diesem Grunde kann die Anschaffung des Buches nur dringend empfohlen werden.

Volker Huntemann

Jahrestagung 2011 in Waldeck b. Kemnath (Opf.)

Jahrestagung 2015 in Füssen - Bad Faulenbach

Jahrestagung 2014 in Neuschönau (Bayerischer Wald)

Jahrestagung 2010 in Ingolstadt