Ziele der Fachgruppenvorsitzenden

1. Durchgehende Teilung der 5. Klassen beim Naturwissenschaftlichen Arbeiten im Fach Natur und Technik in allen Gymnasien sowie der 8., 9. und 10. Jahrgangsstufen im Profilbereich des Faches Chemie aller Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasien mit einer Gruppengröße, die experimentelles Arbeiten möglich macht.
Begründung: Oberste Priorität bei der Umsetzung eines Lehrplans in den Naturwissenschaften, der kompetenzorientierten, dabei gleichzeitig fachlich fundierten Unterricht fordert, hat selbstständiges, schülergerechtes Arbeiten in Praktika unter Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen. Dazu müssen allen 5. Klassen und den 8., 9. und 10. Klassen des NTG jeweils vier Lehrerstunden zur Verfügung stehen. Erst nach dieser vorrangigen Festlegung können die Schulen weitere, hoffentlich noch in großer Zahl vorhandene Lehrerstunden für Profilierungsmöglichkeiten nutzen. Zwar wurde in der Planungsgrundlage, die jedem Schulleiter/jeder Schulleiterin vom KM aus zuging, diese Teilung gefordert - umgesetzt wurde sie dennoch bisher noch nicht allen Schulen. Wünschenswert wäre es in diesem Zusammenhang allerdings, wenn dabei nicht wöchentlich für jeden Schüler eine Stunde, sondern im wöchentlichen Wechsel eine Doppelstunde stattfinden könnte. Auf dieser Grundlage sind wertvolle Profilstunden durchführbar, die experimentelles Geschick sowie naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen mit hoher Fachlichkeit verbinden und zur Ausbildung der für das Leben notwendigen Scientific Literacy führen.

2. Stärkung des Profilbereichs und der Naturwissenschaften in der Oberstufe
Begründung: Es ist den Schülern an einem bayerischen Gymnasium trotz fünf Abiturfächern nicht möglich, in zwei klassischen Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) die Abiturprüfung abzulegen. Zwar gelingt es den Schülern durch entsprechende Wahl der W- und P-Seminare sowie durch die Belegung entsprechender Fächer aus dem Profilbereich, eine Schwerpunktsetzung bei den Naturwissenschaften zu erreichen, jedoch stellt dies keinen gleichwertigen Ersatz dar. Deshalb fordern wir eine Umgestaltung, damit für naturwissenschaftlich Interessierte und Begabte die Möglichkeit eröffnet wird, in zwei klassischen naturwissenschaftlichen Fächern die Abiturprüfung abzulegen. Mindestens aber wäre es aus unserer Sicht nötig, eine Belegungspflicht für zwei klassische Naturwissenschaften (4 HJ + 2 HJ) vorzuschreiben.
Da in den Naturwissenschaften gerade das experimentelle Arbeiten einen hohen Stellenwert hat, ist es weiterhin sinnvoll, entsprechende Kurse, die der Profilbildung dienen, noch stärker zu fördern.

3. Gleichstellung der naturwissenschaftlichen Fächer im Abitur und an den nicht naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasien
Begründung: Eine Benachteiligung entsteht durch die ungleiche Stundenverteilung beim Vergleich der Fächer Physik und Chemie im Bereich der nicht-naturwissenschaftlichen Gymnasien. Hier stehen dem Fach Physik sechs, dem Fach Chemie nur vier Stunden zur Verfügung, um die Schüler gleichermaßen dazu zu befähigen, in der Qualifikationsphase einen Kurs belegen zu können.

Dieser Sachverhalt führt dazu, dass an den meisten nicht-naturwissenschaftlichen Gymnasien nur eine sehr geringe Anzahl an Schülern Chemie in der Oberstufe belegen, weil dort der Unterschied zu den Schülern der naturwissenschaftlichen Gymnasien besonders deutlich wird. Wären hier analog zur Physik auch sechs Stunden Unterricht möglich, könnte die Diskrepanz zwischen Schülern der naturwissenschaftlichen und der nicht-naturwissenschaftlichen Gymnasien vermindert und die Anzahl an Schülern aus den nicht-naturwissenschaftlichen Gymnasien, die Chemie in der Oberstufe belegen, erhöht werden.

4. Vorrangige Berücksichtigung von Lehrkräften mit der Lehrbefähigung Biologie und/oder Chemie im Fach Natur und Technik der 5. Jahrgangsstufe.
Begründung: Durch den Fachunterricht Biologie in Natur und Technik gibt es sehr viele Verknüpfungen zum Praktikum Naturwissenschaftliches Arbeiten mit Erweiterungen zu chemischen und physikalischen Fragen. Gerade die Einführungen in naturwissenschaftliches Arbeiten erfordern bestausgebildete Fachleute. Ferner ist es aus entwicklungspsychologischer und erzieherischer Sicht günstig, einen zu häufigen Lehrerwechsel in der 5. Jahrgangsstufe zu vermeiden. Der Zugang zu den Grundlagen naturwissenschaftlichen Denkens wird so vielen Schülerinnen und Schülern erleichtert.

5. Stärkung der MINT-Fächer aufgrund ihrer allgemeinbildenden Bedeutung
Begründung: Obwohl die Naturwissenschaften als enorm bedeutsam für die Zukunft gelten und im Bereich der Ingenieurwissenschaften bereits deutlicher Mangel an Fachkräften herrscht, zeigen die Forderungen 1 – 4 sowie die im Vergleich mit dem G9 deutlich geringere Anzahl an Schülern, die in naturwissenschaftlichen Fächern das Abitur ablegt, dass es im Bereich der Naturwissenschaften deutlichen Optimierungsbedarf gibt. Dieser ist nur im Verbund aller naturwissenschaftlichen Fächer sowie der Fächer Mathematik und Informatik durchsetzbar.

6. Verbesserung der Entlastung und Unterstützung der Sammlungsleiter.
Begründung: Die Pflege umfangreicher Sammlungen sowie der dramatisch gestiegene Aufwand, allen Sicherheitsbestimmungen insbesondere bei chemischen Sammlungen gerecht zu werden, erfordern eine ausreichende Entlastung und besondere Anerkennung. Hier muss vor allem im nächsten Jahr das Augenmerk auf die Umstellung auf das GHS-System gelegt werden. Zwar wurden die Schulleiter/innen darauf aufmerksam gemacht, dass damit ein hoher Arbeitsaufwand verbunden ist, eine zusätzliche Entlastung wurde aber nicht bereitgestellt und muss durch die Schulleiter/-innen ermöglicht werden.
Mit ausreichender Unterstützung, z. B. durch die Sicherheitsmultiplikatoren, kann die Sicherheit in den Sammlungen zusätzlich erhöht werden.

7. Erteilung aller Fachstunden in Chemie und Biologie von ausgebildeten Fachlehrkräften.
Begründung: Bei aller anerkennenswerten Bereitschaft vieler Eltern, Studenten und anderer, als Aushilfslehrkräfte Stundenausfälle zu vermeiden, können diese nicht für gymnasialen Unterricht ausgebildeten Kräfte sehr häufig weder das gymnasiale Unterrichtsniveau noch die erzieherische Wirksamkeit gewährleisten. Zwar hat sich dieser Umstand in den letzten Jahren deutlich verbessert, wir sehen es allerdings als unsere Aufgabe, dies auch in der Zukunft zu verhindern.

Und nicht zuletzt!

8. Fortbildungen zur Umsetzung des LehrplanPLUS
Begründung: Für die Kolleginnen und Kollegen fordern wir bei der Einführung des LehrplanPLUS im Vergleich zum G8-Lehrplan deutlich mehr Fortbildungen (Die Fortbildungsoffensive des ISB zum 11. und 12. Jahrgang im Fach Chemie kann hier als gutes Beispiel angeführt werden), damit die Umsetzung des neuen Lehrplans effektiv gelingt. Nur so kann für eine hohe Zufriedenheit bei den Schülerinnen und Schülern, wie auch bei den Kolleginnen und Kollegen gesorgt werden.

9. Mitbeteiligung bei der Lehrplangestaltung
Begründung: Als gewählte Repräsentanten unseres Faches sehen wir uns in der Verantwortung an der Entwicklung von zukünftigen Lehrplänen mitzuarbeiten.

Norbert Leutschafft