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(v.l.) Klaus Haschberger, Freia von Henning, Heike Wenzl (Präventionsbeauftragte Domspatzengymnasium), Wolfgang Judenmann

AUSSTELLUNGSBESUCH IM RAHMEN DER SUCHTPRÄVENTION

Zehnte Klassen besuchen beeindruckende Ausstellung am St. Marien-Gymnasium in Regensburg – Bezirksverband Oberpfalz des Bayerischen Philologenverbandes als Co-Sponsor eines Ausstellungsprojekts für Schülerinnen und Schüler

„Einfach menschlich“, nennt sich eine Ausstellung, die im Festsaal des St. Marien-Gymnasiums einige Wochen im November und Dezember 2011 zu sehen war. „Einfach menschlich“ beschäftigt sich mit Suchtkrankheiten, die in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung sind. Die 10. Klassen der Regensburger Gymnasien besuchten, meist mit ihren Biologielehrkräften im Rahmen der Suchtprävention die Ausstellung „Einfach menschlich“, die auf Initiative von Schulleiter Dr. Hans Lindner am St. Marien-Gymnasium in Regensburg zu sehen war und die sich an die Schülerinnen und Schüler der Schulen in Regensburg und Umgebung richtet. Nach einem genau ausgeklügelten Terminplan konnten die angemeldeten Klassen drei Schulstunden lang die Ausstellung unter Anleitung besichtigen und anschließend mit den Projektleitern ausführlich diskutieren. Die Ausstellung wurde 1997 von der S.u.G (Suchtprävention und Genesung e.V.) ins Leben gerufen und wird ständig zeitnah aktualisiert. Ziel dieser Ausstellung soll zum einen sein, die Merkmale des Beginns sowie den Ausweg aus einer Sucht aufzuzeigen. Zum anderen soll jedoch auch die Seite der „Komplizen wider Willen“, der Co-Abhängigen beleuchtet werden. Denn auch sie machen eine sehr schwere Zeit durch, wenn der Freund, ein Elternteil oder ein anderes Familienmitglied einer Sucht verfallen ist. Wie reagiert man in dieser Situation richtig? „Einfach menschlich“ ist ein Projekt, das von über 100 Süchtigen und Angehörigen erstellt wurde, die ihre eigenen Fehler, Erfahrungen und Gefühle für Außenstehende sichtbar gemacht haben.

„Sucht – dieser Oberbegriff repräsentiert nicht nur die sofort assoziierten Abhängigkeiten wie Alkohol- oder Drogensucht, dazu zählen gleichermaßen alle selbst zerstörerischen Ausprägungen wie Spielsucht, Internet- und Fernsehsucht, Ess- und Magersucht, Medikamentensucht, Arbeitssucht, Habsucht, Sexsucht oder krankhafte Eifersucht“, stellte Oberstudiendirektor Dr. Hans Lindner bei der Ausstellungseröffnung fest. Um sowohl die Schülerinnen der St.-Marien-Schulen, aber auch die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Gymnasien präventiv für diese Problemfelder zu sensibilisieren und eine gezielte Auseinandersetzung zu erreichen, wurde diese Ausstellung installiert. Seit 13 Jahren existiert „einfach menschlich“ und war schon in den verschiedenen Bundesländern unterwegs. Eigentlich kommt die Ausstellung aus Regensburg, Klaus Haschberger und Freia von Hennings sind die Schöpfer. Sie zeigen sehr anschaulich die diversen Ausprägungen von Suchtkrankheiten. Fragen, wie etwa „Wie kommt man aus dem Teufelskreis Sucht heraus?“ werden behandelt. Oft geht es nicht ohne fremde Hilfe. Auch die Angehörigen sind gefragt und werden angesprochen. „Dies ist eine betreute Ausstellung. Wir schicken jetzt nicht die Menschen hinein und überlassen sie ihren Eindrücken. Vielmehr stehen wir bei Fragen parat, geben eine Hilfestellung“, so Haschberger, der aus eigener Erfahrung sein Wissen weiter gibt. „In der Bundesrepublik haben zwischen 16 und 18 Millionen Menschen akut Probleme mit Alkohol, aber keiner will es wahr haben. Es wird verdrängt, abgeschoben oder einfach nicht wahrgenommen. Warum sind wir Menschen für Sucht so anfällig? Mit dieser Ausstellung möchten sie ein paar Antworten geben“, so Projektleiter Haschberger. Schon 250 000 Menschen an verschiedenen Orten im gesamten Bundesgebiet haben die Ausstellung „einfach menschlich“ seit ihrer Grundkonzeption bereits gesehen. „Unterstützt wird „einfach menschlich“ von der DAK und im Raum Regensburg auch vom Bezirksverband Oberpfalz des Bayerischen Philologenverbandes.

Aussstellung Sucht

Man geht beispielsweise durch lebensgroße Figurenumrisse in die Ausstellung hinein, man sieht Mobiles, die Alkoholprobleme veranschaulichen oder liest verschiedene Erfahrungsberichte. Sehr interessant ist dabei, dass das Augenmerk nicht nur auf illegale Drogen gelegt wird, sondern dass auch Kaufsucht, Esssucht, oder Spielsucht thematisiert werden. Sucht ist „alles, was zum Zwang wird“, erklärte Klaus Haschberger schon bei der Begrüßung den Jugendlichen. Klaus Haschberger und Freia von Hennings selbst begleiteten die Schüler durch die Ausstellung und beantworteten im Anschluss in einem Stuhlkreis verschiedene Fragen der Schüler über die Süchte. Dabei wurde sehr deutlich auf den Einstieg in den Teufelskreislauf eingegangen, da die meisten Betroffenen gar nicht merken, dass sie ein Problem haben und lieber anderen die Schuld für Misserfolge im Leben geben. Am Beispiel des Alkoholtrinkens wurden erste Anzeichen einer Sucht und die gefährlichen Auswirkungen analysiert. Die Jugendlichen stellen sehr viele, auch mutige Fragen und hören sehr aufmerksam den Ausführungen der beiden Suchtberater zu. Diese erzählen auch von ihren persönlichen Erfahrungen, denn beide waren auf unterschiedliche Weise selbst Betroffene, entweder selbst süchtig oder „Co-Pilot“ mit Helfer-Syndrom, der selbst therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen musste. Gerade diese sehr persönlichen Erfahrungsberichte faszinieren die Schüler und die gesamte Veranstaltung wirkt sehr authentisch. Eher nachdenklich gingen die Schüler, angeregt diskutierend, zurück zu ihrer Schule. Diese Ausstellung ist wirklich einen Besuch wert und nach einhelliger Meinung der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler sehr empfehlenswert.

Wolfgang Judenmann