Betroffene Berichten

Menschen mit Behinderungen berichten über ihre Erfahrungen aus der Schulzeit

Ein körperbehinderter Student der Sozialarbeit (26) über die Regelschule:
„Auf der Regelschule fühlte ich mich nicht wohl. Die Lehrer konnten mit meinen speziellen Bedürfnissen nicht umgehen. Ich hatte Probleme damit, von meinen Mitschülern anerkannt zu werden. Daher frage ich alle, die die bedingungslose Inklusion einfordern: Wer kümmert sich um die Themen Mobbing und Ausgrenzung?“

Ein Vertreter (44) der Gehörlosen-Elternvereinigung und Vater von zwei hörbehinderten Kindern:
„Wir möchten für unsere Kinder keine einheitliche Beschulung! Wir schätzen und wollen die Förderschule, weil es dort die Solidarität der Gemeinschaft gibt. Man versteht sich und seine Probleme einfach!“

Ein Körperbehinderter (52):
„Im 19. und 20. Jahrhundert wurde im deutschen Bildungssystem viel erreicht. Das dürfen wir auf keinen Fall kaputt machen!“

Ein körperbehinderter Junge (16) aus Baden-Württemberg:
„Ich habe mich selbst auf einer Förderschule angemeldet. In der Regelschule war ich der Einzige mit meinen Problemen. Niemand von den Nichtbehinderten hat mich wirklich verstanden. Und mit niemandem konnte ich richtig reden, zum Beispiel über Freundschaften, Sport oder Sexualität. Ich habe mich so alleine gefühlt.“

In Schleswig-Holstein schicken dutzende Eltern von sehbehinderten Schülern ihre Kinder nach Hamburg. Die Ursache: Vor einigen Jahren schaffte Schleswig-Holstein die Förderschulen für Sehbehinderte ab und unterrichtet seither alle Kinder in Regelschulen. Die Eltern beklagen nun das Fehlen von speziellen didaktischen Konzepten.

Einheitsschul-Befürworter reagieren mit hilflosen Pauschalstatements

Die Vertreter von „Eine Schule für alle!“ reagieren auf die zahlreichen Beispiele misslungener Inklusion meist mit Pauschalstatements und nicht mit wirklichen Lösungsvorschlägen – so etwa eine Vertreterin des Sozialverbandes Deutschland (SoVD): „Die Förderschule ist ein ‚Schutzraum für Kinder’, doch das Leben hat keinen Schutzraum. Durch die Konfrontation mit dem Anderssein härten die behinderten Kinder ab. Das hilft ihnen für’s Leben! So war es bei mir auch.“

Ein Berliner Erziehungswissenschaftler beruft sich auf empirische Studien, die belegen sollen, dass die betroffenen Schüler "im Schnitt" zufriedener sind.

Doch diese Denkansätze und Sichtweisen werden dem Kindeswohl nicht gerecht.

Kinder und Jugendliche sind in besonderer Weise schutzbedürftig, da ihre Persönlichkeit noch nicht voll ausgereift ist. Nicht umsonst steht das Kindeswohl im Mittelpunkt aller staatlichen Bemühungen und auch im Mittelpunkt der UN-Konvention.

Ebenso achtlos ist es, an das Kindeswohl mit „Durchschnitts-Pauschalisierungen“ heranzugehen. Der eigentlichen Bedeutung, die die Inklusion für das einzelne Kind hat, werden solche Vereinfachungen nicht gerecht. Solange es nicht jedem der förderbedürftigen Schüler zu seinem Vorteil dient, darf man sie nicht unüberlegt in Regelschulen pressen. Im Schulwesen muss es einen geschützten Raum geben, in dem Einzelfälle und Schicksale betroffener Schüler mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet werden, so wie es die Sonderpädagogik vermag.

Lesen Sie auch das Positionspapier des bpv!