WENIGER REFORMWUT, MEHR LEHRER!


"Miteinander arbeiten statt miteinander leben" lautet das Motto, mit dem Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (mit Amtschef Dr. Peter Müller links und Pressesprecher Dr. Ludwig Unger rechts im Bild) bei der traditionellen Pressekonferenz zum Schuljahresanfang vor den zahlreichen Medienvertretern Forderungen der Opposition nach Einführung von 'Gemeinschaftsschulen' in Bayern zurückwies. Ansonsten hatte er trotz der mitgelieferten knapp 100 Seiten Info-Materialien so wenig Aufregendes zu vermelden, dass sich mancher Journalist anschließend fragte, wo denn da nun die Meldung für die nächste Ausgabe stecke. Aber was des einen Leid ist, ist des anderen Freud: Dem Gymnasium, so kündigte der Minister an, solle nun eine Phase der Ruhe und der Konsolidierung gegönnt werden. Zu Informationen des Kultusministeriums zum nächsten Schuljahr geht es HIER.


„Weniger Reformwut und mehr Lehrkräfte, um mit Schülern endlich wieder unter guten Rahmenbedingungen arbeiten zu können, stehen auf dem Wunschzettel unserer Lehrerschaft für das neue Schuljahr ganz oben“, erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands (bpv) Max Schmidt kurz vor Start der ersten Unterrichtswoche in München.

Kein Wettbewerb um die größte schulpolitische Torheit!
Vor dem auch durch die SPD und die Grünen in Bayern propagierten Ziel, die gewachsene und funktionierende Schullandschaft des PISA-Siegerlandes Bayern niederzumähen und überall Gesamtschulen zu säen, könne nicht genug gewarnt werden. „Man hat fast den Eindruck, als habe die mit Müh und Not überstandene G8-Einführung einen Wettbewerb um die größte schulpolitische Torheit ausgelöst. Als bildungspolitische Versuchskaninchen für Phantasten, Utopisten oder auch nur Profilneurotiker jeglicher Couleur und Provenienz sollten uns unsere Kinder und Jugendlichen aber zu wichtig und wertvoll sein.“

Gymnasium in Ruhe und mit Bedacht weiterentwickeln
Anstatt neue Großversuche mit Schutzbefohlenen anzustellen, plädiert Schmidt am Beginn des ersten Schuljahrs nach Auslaufen des neunjährigen Gymnasiums dafür, das neue achtjährige Gymnasium systematisch weiterzuentwickeln: „Der Bayerische Philologenverband steht bereit, sich an solch einer Weiterentwicklung des Gymnasiums konstruktiv und kritisch zu beteiligen. Schnellschüsse darf es aber nicht geben. Wir brauchen nach der Hektik der vergangenen Jahre zunächst vor allen Dingen Ruhe zur Kernaufgabe des Unterrichtens und Erziehens. Stärken und Schwächen müssen überlegt analysiert werden, erst dann kann man handeln.“
Als zentral für den Lernerfolg aller Schüler bezeichnete Schmidt generell kleinere Lerngruppen: in der Oberstufe seien 15 Schülerinnen und Schüler in den W- und P-Seminaren, 20 in den verbindlichen Abiturfächern und 25 in allen übrigen Kursen und Klassen die Obergrenze des pädagogisch Vertretbaren. Außerdem müssten die verbindlichen Abiturfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache in der Mittelstufe durchgehend vierstündig unterrichtet werden.

Staatsregierung reagiert auf bpv-Initiative: 3,2 Millionen € zusätzlich für Aushilfsmittel
Einen ersten Erfolg bei der Sicherstellung eines geordneten Schulbeginns kann der bpv für die bayerischen Gymnasien bereits vermelden: Nachdem bei ihm alarmierende Rückmeldungen der Schulleitungen eingegangen waren, hat der Bayerische Philologenverband bei der Staatsregierung erwirkt, dass 3,2 Millionen Euro für Aushilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung zu Beginn des Schuljahres!“, freut sich der bpv-Vorsitzende über den gelungenen Einsatz seines Verbandes während der Ferienzeit.

Studienbedingungen durch Abordnung von Gymnasiallehrern verbessern!
Mit Blick auf die Universitäten und Hochschulen im ersten Studienjahr nach dem doppelten Abiturjahrgang forderte Schmidt, die Studienbedingungen für die gestiegene Zahl der Studierenden jetzt und auch in den nächsten Jahren zu verbessern: „Qualifizierte Lehrpersonen stehen in Form von bestens ausgebildeten Gymnasiallehrkräften zur Verfügung. Durch deren zeitlich befristete Abordnung können die Angebote im Grundstudium deutlich verbessert werden.“ Auch auf das Problem der Wohnungsnot in den Universitätsstädten machte Schmidt aufmerksam und forderte, für die große Zahl an Studierenden ausreichend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Schattendasein der Begabtenförderung an Schulen und Hochschulen beenden!
Als weiteres wichtiges Arbeitsfeld nannte Schmidt die Begabtenförderung an den Gymnasien und Hochschulen; hier bestehe Handlungsbedarf, gerade auch im Hinblick auf eine Zusammenarbeit, die es ermöglicht, besonders begabte Abiturienten von Anfang an an den Hochschulen bestmöglich weiterzufördern.

Schüler brauchen mehr Zeit für Unterricht und Beratung
Schmidt erinnerte daran, dass die individuelle Förderung mit den Intensivierungsstunden ein Markenzeichen des neuen Gymnasiums ist und betonte, dass individuelle Betreuung Zeit braucht. Er forderte deshalb, Leitungs- und Beratungszeiten auszubauen: „Benötigtes Personal hierfür – bestens ausgebildet – wäre vorhanden!“ Eine klare Absage erteilte Schmidt allerdings all jenen, die mehr individuelle Förderung und eine Verlängerung der Grundschule bis Klasse 10 miteinander in Zusammenhang bringen: „Das passt nicht zusammen. Individuelle Förderung beginnt mit einer Vielfalt an Schularten, die begabungsgerechte Angebote machen können. Nur auf dieser Grundlage kann Schule dem Einzelnen gerecht werden.“


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