PERSONALPOLITIK MACHT JUNGLEHRER ARBEITSLOS

Pressekonferenz am 19.07.2011


PERSONALPOLITIK AUS DEM VERGANGENEN JAHRHUNDERT MACHT JUNGLEHRER ARBEITSLOS

LANDES-ELTERN-VEREINIGUNG DER GYMNASIEN UND BAYERISCHER PHILOLOGENVERBAND FORDERN STAATSREGIERUNG AUF, AUS DEN FEHLERN DER VERGANGENHEIT ZU LERNEN

Staatsregierung auf, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen

33 Gymnasiasten hocken gelangweilt auf dem Schulhof herum. Der Unterricht fällt aus, der Deutschlehrer ist krank. Am selben Morgen zieht Daniela L. eine Nummer im Foyer der Arbeitsagentur. Wie rund 1.200 Andere ist die Junglehrerin nach dem Referendariat nicht übernommen worden. Jetzt muss sie Hartz IV beantragen, obwohl sie im Examen einen Einserschnitt hat.

Eltern und Lehrer gemeinsam für dringend benötigte Einstellungen
Gegen diese prekäre Einstellungspolitik der Bayerischen Staatsregierung haben heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Vorsitzenden der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV), der Referendar- und Jungphilologenvertretung im Bayerischen Philologenverband (rjv) und des Bayerischen Philologenverbands (bpv) protestiert und sich für eine Verbesserung der Unterrichtssituation am Gymnasium ausgesprochen. Über 1.600 junge Lehrkräfte bewarben sich zum kommenden Schuljahr um Arbeit an einem bayerischen Gymnasium sowie an Fach- und Berufsoberschulen. Doch Kultusminister Dr. Spaenle hat jetzt angekündigt, nur 405 Lehrkräfte an den Gymnasien anstellen zu können, 70 weitere Gymnasiallehrkräfte sollen an den Beruflichen Oberschulen eine berufliche Perspektive erhalten. Das ist nicht genug, sind sich Eltern und Lehrer einig. Bayerns Gymnasien und Berufliche Oberschulen brauchen dringend mehr Lehrer. Die geplanten Einstellungszahlen decken sich nicht mit dem tatsächlichen Bedarf und den notwendigen Konsequenzen aus den Erfahrungen mit dem ersten G8-Abitur.


Susanne Arndt, Max Schmidt und Julius Müller



Susanne Arndt: „Kleinere Lerngruppen schon ab der Mittelstufe
Susanne Arndt, die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, forderte endlich kleinere Lerngruppen schon ab der Mittelstufe, zumindest in all den Fächern, in denen die Schüler verpflichtend Abitur schreiben müssen. Arndt erklärte: „Die Ergebnisse des nun ja für alle verpflichtenden Deutsch-Abiturs sprechen eine klare Sprache. Individuelle Förderung ist nur in kleineren Lerngruppen möglich. Die Bewerber sind da! Es ist unverständlich, dass die Bayerische Staatsregierung hier nicht die Chance ergreift und den Schülerinnen und Schülern bestmögliches Lernen bietet!“ Arndt forderte die Staatsregierung nachdrücklich auf, nicht nur durch „Monitoring“ die Lage zu be-obachten bzw. durch „Feinjustierung“ die Durchfallquote zu senken, sondern substantiell die Unterrichtssituation zu verbessern. „Es muss doch darum gehen, was unsere Kinder können, wenn sie das Abitur haben!“, sagte Arndt.

Julius Müller: „Eigenverantwortlichen Unterricht der Referendare zurückfahren“
Julius Müller, der Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung im bpv, hat sein Referendariat vor wenigen Tagen hervorragend abgeschlossen und ist nun unmittelbar selbst von der schlechten Einstellungssituation betroffen. Völliges Unverständnis zeigte er gegenüber dem Festhalten der Staatsregierung am eigenverantwortlichen Einsatz der jetzt in Ausbildung befindlichen Referendare im höchstmöglichen Umfang während des 2. und 3. Ausbildungsabschnitts: „Es macht doch überhaupt keinen Sinn, Unterricht von Auszubildenden abdecken zu lassen und dann die fertig Ausgebildeten in die Arbeitslosigkeit zu schicken! Die jungen Lehrerinnen und Lehrer werden so lediglich als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, aber bekommen keine berufliche Perspektive!“ Er fordert, den Ministerratsbeschluss von Mai 1996 zu überdenken und die zur Verfügung stehenden 1.900 Referendare im 2. Ausbildungsabschnitt nur noch mit maximal 14 statt 17 Wochenstunden einzusetzen, im 3. Ausbildungsabschnitt müsse der eigenverantwortliche Unterricht ganz gestrichen werden. „Dieses Relikt aus den Zeiten des Lehrermangels gehört vom Tisch!“, sagte Müller.

Max Schmidt: „Hohe Bewerberzahlen als Chance nutzen“
Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, forderte die Staatsregierung auf, das reichliche Angebot an Bewerbern als Chance zu nutzen: „Die Klassen- und Kursstärken sind nach wie vor zu groß, insbesondere auch in der Oberstufe. Hier müssen als Obergrenzen 15 für W- und P-Seminare, 20 für verpflichtende Abiturprüfungsfächer und 25 für alle übrigen Kurse gelten. Um hier eine Verbesserung zu erreichen, brauchen wir deutlich mehr als die beabsichtigten 405 Einstellungen. Auch die geplanten 70 Einstellungen an den Beruflichen Oberschulen sind angesichts des starken Schüleranstiegs dort bei weitem nicht ausreichend. Die Werbung der Politik für die Beruflichen Oberschulen trägt Früchte und immer mehr Schüler entdecken diesen alternativen Weg zur Hochschulreife für sich. Um den Pflichtunterricht an den Beruflichen Oberschulen abdecken zu können, bräuchte es aber 400 statt der angekündigten 70 neuen Stellen. Wenn Kultusminister Dr. Spaenle dies im Kabinett und gegenüber dem Finanzminister darstellt, hat er unsere volle Unterstützung!“ Schmidt erinnerte auch daran, dass die hohen Studierendenzahlen an den Hochschulen durch Abordnungen von Gymnasiallehrkräften aufgefangen werden könnten: „Dies würde die Situation dort nach dem doppelten Abiturjahrgang klar verbessern und an den Gymnasien weitere Einstellungsmöglichkeiten schaffen.“


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