Aktuelles

Landesfachgruppenkonferenz am Samstag, dem 28.07.2012

Tagesordnung [48 KB]

"Ressourcen - Konflikte"

49. Dt. Historikertag vom 25.-28.09.2012

(Gastgeber: Johannes Gutenberg - Universtät Mainz, Partnernation: Frankreich)

Veranstaltet vom Verband der Historiker Deutschlands (VHD e.V. ) und dem Dachverband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD e.V.) findet der diesjährige Historikertag als größte Fortbildungstagung für Geschichtslehrer in Mainz statt. Nähere Informationen zu dem viel-fältigen wissenschaftlichen Programm (130 Veranstaltungen), den beiden Festveranstaltungen und dem Rahmenprogramm finden Sie unter www.historikertag.de (dort weitere links).

Für Mitglieder des BGLV e.V. gilt unter Übermittlung des aktuellen Mitgliedsausweises 2012
in Teilnehmerbeitrag von 50,00 EURO, Nichtmitglieder zahlen den erhöhten Beitrag (140,00
EURO). Die Anmeldung erfolgt ausschließlich auf elektronischem Wege über die Mainzer Touristikzentrale unter www.touristik-mainz.de bzw. per Fax unter 06131 – 2862155 (Formblatt im Internet zugänglich).

Anmeldefrist: 16.04. bis 15.08.2012 (danach wird ein Verspätungszuschlag erhoben).

Für die teilnehmenden Geschichtslehrer sei auf die speziellen Sektionen des VGD e.V. im Programm hingewiesen sowie auf die beiden Mitglieder- und Delegiertenversammlungen am Eröffnungstag - Dienstag, 25.09.2012 und Donnerstag, 27.09.2012 jeweils im Hörsaal P 2 um 15.15 Uhr. Am Donnerstagnachmittag finden bei dieser Gelegenheit die Neuwahlen für den Bundesvorstand statt. Im Philosophicum findet eine umfangsreiche Verlagsausstellung statt.

Die Delegierten für die Wahl zum Bundesvorstand werden vom Landesvorstand des BGLV e.V. benannt. Mit der Zustellung der Bestätigung als Delegierte erhalten Sie die Zusage der
Kostenübernahme bei Nutzung eines reservierten Kontingents an Unterkünften. Soweit Dele-gierte nicht an allen Kongresstagen teilnehmen können, ist eine Absprache wegen der Nach-
belegung der Zimmer notwendig. Näheres kann über den Landesvorsitzenden unter der fol-genden e-Mail zu erfahren: willi.eisele@gmx.de bzw. fernmündlich über 08171-410 923 (auch abends). Hier ist auch der Mitgliedsausweis 2012 auf der Basis des Mitgliederstandes zum 01.04.2012 abrufbar.

Traditionell wurde vom Dachverband eine Dienstbefreiung für die teilnehmenden Geschichts-
Lehrer bei den Kultusministerien der Länder beantragt.

Der Bayer. Geschichtslehrerverband e.V. und die Landesfachgruppe G/Sk im bpv würden sich freuen, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aus unserem Bundesland als Teilnehmer des 49. Dt. Historikertages begrüßen zu dürfen. Wir wünschen eine gute Anreise und einen ertragreichen Fortbildungstermin.


gez. Willi Eisele, OStD i.R. Landesvorsitzender
Kiefernweg 1, 82515 Wolfratshausen

Baden-Württembergische Erinnerungsorte

Reinhold Weber, Peter Steinbach, Hans-Georg Wehling, Hrsg., Baden-Württembergische Erinnerungsorte, Stuttgart, Kohlhammer-Verlag für die BWLZpolB (2012), III, 615 S., 510 meist farbige Abb, Fotos und Graphiken, geb., 23 x 30,9 Verlagspreis 39,90 EURO, ISBN 978-317021739-3; Bezugspreis über die Baden-Württembergische Landeszentrale für politische Bildung 19,50 EURO plus 5,50 EURO Versandkosten via marketing@lpb.bwl.de

Baden-Württemberg, der Südwest-Staat, ein „Bindestrich-Land“ feiert sein 60-jähriges Bestehen unter dem Motto „Wir feiern in die Zukunft rein – mit Menschen, die heute schon an über morgen denken“. Es ist das einzige Land, das nach Art. 118 GG, demokratisch legitimiert durch Volksabstimmungen in Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern und nach zwei Verfahrensgängen vor dem Bundesverfassungsgericht am 25.04.1952 sich erfolgreich konstituiert hat – ein Beispiel für eine geglückte Neugliederung im Bundesgebiet.

Dr. Reinhold Weber (*1969, BWLZpolB, Historiker an der Universität Tübingen), Prof. Dr. Peter Steinbach (*1948, Historiker an der Universität Mannheim) und Prof. Dr. Hans-Georg Wehling (*1938, bis 2003 als Politologe Leiter der BWLZpolB bis 2003) zeichnen als Herausgeber für das Konzept des inhaltlich und gestalterisch anspruchsvollen Jubiläumsbandes, denen namhafte Autoren zugearbeitet haben. Während 2002 das „landeskundliche Volksbuch“ zum 50-jährigen Gründungsdatum des Südweststaates in der Regie von Prof. Dr. Hans-Georg Wehling 12 historische Räume als „Bewusstseinsregionen“ vorstellte, rücken im vorliegenden Band 51 baden-württembergische Erinnerungsorte in den Fokus. Die aktuelle Publikation leistet einen fundierten Beitrag zum individuellen und kollektiven Gedächtnis für Einheimische, Zu- und Weggezogene sowie touristisch interessierte Besucher des „Musterländles“ – vom Bodensee bis nach Tauberfranken, von Rhein und Neckar bis an die Landesgrenze zu Bayern.

Erinnerungsorte, die als langlebige, Generationen überdauernde Kristallisationspunkte kollektiver Erinnerung und Identität gelten, lagen einem mehrbändigen Werk des französischen Historikers Pierre Nora (1984/1992) und dem Konzept der 3-bändigen Publikation von Etienne Francois und Hagen Schulze (Deutsche Erinnerungsorte, 2001) zugrunde. Die Jubiläumsschrift über baden-württembergische Erinnerungsorte geht methodisch in Richtung einer „Foederalisierung“, um Dezentralität als Spezifikum von gewachsenen Strukturen, Institutionen und Querverbindungen sozialer Erfahrungsbestände zu nutzen (vgl. Alois Schmid und Katharina Weigand, Schauplätze der Geschichte in Bayern, 2003 bzw. Hans-Georg und Rosemarie Wehling, Wegmarken südwestdeutscher Geschichte, 2004). Die 51 Erinnerungsorte verstehen sich somit als „Integral von wenigstens drei, wenn nicht von vier ‚Landesgeschichten’“ im Südwesten: Baden, Württemberg, Hohenzollern und Vorderösterreich (Freiburg, Breisgau, Konstanz, sechs Oberämter zwischen Offenburg, Tettnang und Bayer. Schwaben).

Konzentriert auf das 19. und 20. Jahrhundert als „Vorgeschichte der Gegenwart“ schöpfen die Beiträge des Jubiläumsbandes aus einem reichen Potential, um ein landesgeschichtliches Erbe zu identifizieren und aus der Symbolkraft der einzelnen Orte Traditionslinien herauszuarbeiten – bezogen auf die Territorien, auf Adels- und Bürgergeschlechter, auf geistig-religiöse, aber auch wirtschaftlich-soziale Entwicklungsprozesse. Hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur zeigen die Autoren auf, welchen Stellenwert der Migration zukommt: Auswanderungswellen sollten durch Binnen- und Zuwanderung, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch Einwanderungsfolgen und die Entwicklung von Nachbarschaftsräumen am Rhein kompensiert.

Die Herausgeber verstehen den Jubiläumsband nicht als enzyklopädisches Vademecum oder als Reiseführer in die Vergangenheit Baden-Württembergs, ihre Auswahl ist Angebot und Einladung zur selbsttätigen Weiterarbeit durch Begegnung. Mit dem sprichwörtlichen Mut zur Lücke nimmt die Publikation Kritik in Bezug auf „weiße Flecken“ in Kauf und nimmt sie als Anregung für Nachfolgeprojekte an. Berücksichtigt wurde ein Proporz: 17 rein badischen Beiträgen stehen 19 rein württembergische Themen gegenüber, länderübergreifend verstehen sich 14 Aufsätze – nur einer ist spezifisch für den dritten Landesteil: „Hohenzollern wird preussisch“ widmet sich der Erbhuldigung der 300 Deputierten aus den Fürstentümern Hhz.-Hechingen und Hhz.-Sigmaringen (1851) und schlägt mit der Errichtung des Hohenzollerischen Landesmuseums im Alten Schloß zu Hechingen (2005) den Bogen ins 21. Jahrhundert.

Der Jubiläumsband gliedert sich in 13 Kapitel: drei Beiträge widmen sich der Staatssymbolik (dem Landeswappen, den drei Landeshymnen der „Ausgangsländer“, der alten Staatsgrenze aus napoleonischer Zeit als „Grenze a.D.“), sechs Aufsätze behandeln Charakteristika aus Räumen und Territorien, acht Autoren widmen sich demokratischen Traditionen und der Entwicklung der politischen Kultur im 19./20. Jhdt., drei Beiträge behandeln die Industrialisierung (Bsp. Lörrach, Mannheim, Unternehmerportraits von Gottlieb, Carl Benz und Robert Bosch), drei Aufsätze widmen sich dem Thema Migration(en) in Richtung Südosteuropa und nach Übersee sowie der Rolle der Gastarbeiter für Baden-Württemberg. In Anlehnung an das aktuelle Leitthema eines Historikertages richtet sich das Augenmerk von drei Verfassern dem Phänomen der Grenzüberschreitungen und Begegnungen (Bsp. der Straßburger Rheinbrücke, dem Bodensee als Gemeinschaftsbesitz dreier Anrainerstaaten, der „kleinen Weltstadt Baden-Baden). Die Themen Gesellschaft, Religion, Bildung und Soziales werden an den Erinnerungsorten Tübingen und der Hochschullandschaft in Baden-Württemberg, an Korntal, den württembergischen Kirchenkonventen im 17./19. Jhdt., dem gesellschaftlichen Engagement am Beispiel des Stuttgarter Waisenhauses und dem gemeinnützigen Badischen Frauenverein festgemacht, Kunst und Architektur widmen sich Aufsätze über den Bernauer Landschaftsmaler Hans Thoma (1839-1924) und die Gegensätze zwischen Traditionalismus und der Architektur der Moderne in Städten und im ländlichen Raum im 20. Jhdt. Zwei Kapitel behandeln Aspekte der Gefährdung der Weimarer Republik und die NS-Diktatur (u.a. Bad Griesbach, Biberach und Buttenhausen als Erinnerungsorte an Matthias Erzberger), Laupheim und seine jüdische Geschichte, Gurs (Basses Pyrénnées) als Deportationsort der Juden aus Lörrach, dem Elsaß und der Saarpfalz. Weitere Beiträge sind der Erinnerung an die „Bekennende Kirche“ (Ulm, 1934), an den Attentäter Georg Elser aus Königsbronn (München. Bürgerbräukeller, 8.11. 1939), das Kriegsende im Raum Crailsheim einschließlich der Akte von rücksichtslosem Fanatismus von NS-Schergen gegen das eigene Volk angesichts der totalen Niederlage im April 1945. Für Kriegsfolgen und Wiederaufbau stehen Beiträge über die Verfassungs- und Gesetzgebung (Große Koalition unter Gebhard Müller und Carlo Schmid) für Württemberg-Hohenzollern im Winterrefektorium zu Bebenhausen (1946/52) und die Geburt des Südweststaates, die „Westorientierung“ von Flüchtlingen, Heimatvertriebenen und Spätheimkehrern, die Werteorientierung in der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ (Stuttgart/ Bad Cannstatt, 1950) und die „Speech of Hope“ (US-Außenminister James F. Byrnes, Stuttgart, 1946) als Markstein für den Wiederaufbau und den späteren Zusammenschluß der Westzonen, die Gründung der Bundesrepublik Deutschland mit der Perspektive des GG für die Ein heit Deutschlands in Frieden und Freiheit. Zwei Aufsätze des Kapitels „Literatur und Medien“ gelten Marbach am Neckar als Olymp und Hades der Literatur in der schwäbischen Provinz, originell eingeleitet mit der bekannten Anekdote über den Besuch Queen Elizabeth’s II. im Schiller-Nationalmuseum (1965) und ihrer Frage „Where are the horses?“ (Landesgestüt

Marbach an der Lauter/Gomadingen-Dapfen) und einem Beitrag über die Entwicklung von Hörfunk und Fernsehen im Südwesten bis zur Fusion von SDR und SWF zum Südwestrundfunk (SWR, 1998) innerhalb eines „Mediendschungels“ privater Konkurrenten. Dem Weinland Baden-Württemberg ist ein eigenes Kapitel gewidmet: am Beispiel des Erinnerungsorts Hagnau am Bodensee wird die Topographie des viertgrößten Weinanbaugebiets (Bodensee, Oberer Neckar, Remstal/Stuttgart, Unterland und Kocher-Jagst-Tauber) neben den badischen Anbaugebieten (Tauberfranken, Bad. Bergstraße, Kraichgau, Ortenau, Breisgau, Kaiserstuhl, Markgräflerland, Bodensee) vorgestellt. Abschließend stellen sich drei Aufsätze Fragen der jüngsten Zeitgeschichte: der kommunalen Gebietreform (1970 ff) am Beispiel Villingen-Schwenningens, der Anti-KKW-Bewegung in Wyhl am Kaiserstuhl („Nai hämmer gsait!“,
1973/83) als Ausdrucksform der Neuen Sozialen Bewegungen und ihren verschiedenen Motivationslagen mit dem Blick auf die Wahlerfolge der GRÜNEN (OB-Wahl Freiburg, 2002) und der Landtagswahl am 27.03.2011, aus der Winfried Kretschmann als erster grüner Ministerpräsident hervorgegangen ist – ohne Wyhl unvorstellbar? Der Sammelband schließt mit einem Beitrag über „Stammheim als Ort der Erinnerung“ an den Terror der Baader-Meinhof-Bande – Anarchistische Gewalttäter (Fahndungsplakat, 1972), an den „Beton gewordenen Versuch des Rechtsstaates, auch seinen größten Feinden ein faires Verfahren zu ermöglichen und sich gleichzeitig vor diesen zu schützen“ und an die Befreiungspläne der RAF-Anhänger für die „Stammheimer“, aber auch an die Verfolgung einer kriminellen Vereinigung „mit Mitteln, die das gesetzlich zulässige Maß mehrfach überschritten“ (Ulf G. Stuberger, 2007).

Daß der Jubiläumsband zur Geschichte Baden-Württembergs so unvermittelt und abrupt endet, ist ein Beleg für die Geschichte als ergebnisoffenem Prozeß. Ihre Abrundung findet die Publikation mit Literaturhinweisen (S. 596-602), einem alphabetisch geordneten, kommentier ten Verzeichnis der Autorinnen und Autoren (S. 603-605), Abbildungsnachweisen (S. 606 f.), einem Personenregister (S. 608-612) und einem Ortsregister (Eingemeindungen gem. Gebietsreform 1970 ff., S. 613-615).

Die Veröffentlichung begleiten Grußworte des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann und des Direktors der Landszentrale für politische Bildung, Lothar Frick. Dem sehr anschaulich gestalteten Bildband mit seinen anregend verfassten Aufsätzen auf erfrischend hohem Niveau ist eine flächendeckende Verbreitung zu wünschen – in Instituts- und Schulbibliotheken, aber auch als durch Karten- und Bildmaterial anspruchvoll ausgestatteten Geschenkband für die Bürger des Landes Baden-Württemberg und seine Gäste.

Willi Eisele
Wolfratshausen

Piraten ahoi!

Anna-Lena Wilde,
Piraten ahoi! Warum junge Menschen die Piratenpartei entern,

Berlin, pro universitate-Verlag im BWV, 2011, 60 S., kt., 9 sw-Graphiken,
ISBN 978-3-83053018-3; 9,80 EURO

Was lässt eine politische Gruppierung zwischen 2006 und 2011 zur „Piratenpartei Deutsch-lands“ werden, die den etablierten Volksparteien durch das Wahlergebnis vom 18.09.2011 das Fürchten lehrt? Gab allein die bundesweite Kampagne „Zensursula“ (2009) den Ausschlag, als Bundesministerin Ursula von der Leyen Internetsperren für Seiten mit kinderpornographischen Inhalten ankündigte?

Anna-Lena Wilde (*1985), Studierende im M.A.-Studiengang für Politikmanagement/Politikberatung an der Universität Duisburg hat untersucht, welche Anreize die Piraten für junge Mit glieder anbieten. „Internetaffine“ junge Menschen im Alter von durchschnittlich 29 Jahren, v.a. Jungwähler werden vom Thema der Piraten angesprochen: Gegen Internetsperren, gegen die Vorratsdatenspeicherung oder die sog. Bundestrojaner, was zunächst zum Attribut „Ein-Themen-Partei“ führte. Gegründet 2006 trat die neue Partei zunächst bei den Landtagswahlen in Hessen (2008: 0,3%; 2009: 0,5%), bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg (2008: 0,2%), bei der Europawahl (2009: 0,9%) und weiteren Wahlen 2010/11 an, die im Ergebnis für die Partei für „Freiheit im Internet“ bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus kumulierten (2011: 5,0% Erst- und 8,9% Zweitstimmen, 15 Mandate).

Mit diesen Erfolgen setzte auch seitens der Partei- und Wahlforschung sowie ein gesteigertes Medieninteresse ein. Das aktuelle Programm der Piratenpartei umfasst derzeit 15 Forderungen (http://www.piratenpartei.de/unsere_ziele; Stand 07.11.2011), die den Themenfeldern Demokratie, Demokratisierung von Bildung, Existenzsicherung, Partizipation, Geschlechterpolitik, Umweltfragen, Schutz des „whistle blowing“, der Privatsphäre und des freien Wissensaustausches sowie der Datenschutz bei Ablehnung zentraler Datenbanken und der Erfassung von bio metrischen Daten (vgl. Personal-, Reisepässe). Piraten setzen sich für die „digitale Revolution“ als Vehikel des gesellschaftlichen Fortschritts ein. Transparenz, d.h. Öffentlichkeit allen Regierungshandelns sowie Freiheit und Vielfalt individueller Lebensstile runden den Forderungskatalog ab.

Für die Parteiorganisation gelten die Prinzipien der offline-Organisation (mit „crews“ aus 5-9 Mitgliedern; Berlin, NRW; andernorts in Ortsverbänden, Bsp. Potsdam; Kreis- und Landsverbänden seit 2009, Bundesvorstand, Dachverband Pirate Parties International). Für die Jugendorganisation „Junge Piraten“ gibt es kein Mindestalter für den Beitritt (2010). Online bieten die Piraten über das „Piratenwiki“ breite Möglichkeiten der Information und Mitarbeit (z. Bsp. „Schwarzes Brett“) und ein eigenes Diskussionsforum als Internetplattform (u.a. chat rooms, Software Mumble für Sprachkonferenzen, „Liquid Feedback“).

Fazit: Die Piratenpartei hat innovative Wege gefunden, junge Menschen zu acquirieren, sie in die Parteistrukturen flexibel und basisdemokratisch einzubinden, jugendgemäße Themen inter netbasiert und folkloristisch anzubieten. Das wirkt identitätsstiftend, macht Spaß und fördert das Gefühl „dazuzugehören“. Die Partizipation hat auch eine andere Seite: eine begrenzte Zahl sehr aktiver Mitglieder trägt die Kosten – in (Arbeits-) Zeit und Geld, die in der „freien“ Internetkommunikation gepflegte Sprache verlange eine hohe Frustrationstoleranz, in Wahlkämpfen sei der Spaßfaktor geringer, die Inkaufnahme von Freizeitverlust eine enorme Belastung. Damit bewahrheitet sich: auch die Piraten kochen nur mit Wasser!

Willi Eisele
Wolfratshausen

Rundbrief nr. 2 (Schuljahr 2011/12)

AKTUELLES GESPRÄCH ZWISCHEN VERTRETERN DER FÄCHER GESCHICHTE UND SOZIALKUNDE IM FACHREFERAT VI/4 DES BAYKM AM 10.01.2012

Seit der Übernahme der Referatsleitung durch MinRat Peter Kammler wurden drei Gespräche geführt. Das jüngste war folgenden Themenbereichen gewidmet:

1. Aktuelle Einstellungssituation nach dem 2. Staatsexamen für Fachlehrer Geschichte
und Sozialkunde

Daß die Einstellungssituation im Schuljahr 2011/12 problematisch werden könnte, war bereits bei der Aufnahme eines Fachstudiums im Jahr 2008 absehbar. Die Vertreter des BayKM wie-sen darauf hin, dass die mit der Einführung des G 8 veröffentlichten Prognosen inzwischen eingetreten bzw. in den Fächerkombinationen E + Beifach bzw. D + Beifach übertroffen wor-den seien. Angebotene Zusatzqualifikationen (zum Fach Sk) werden auch im Kalenderjahr 2012 angenommen. Als Vertreter des Fach- und des Berufsverbands haben wir darauf hinge-wiesen, dass Lösungen bereits innerhalb des Referendariats anzustreben seien, die u.a. Unter-richtsverpflichtungen reduzieren, mit denen StRef bisher „Bedarf abdecken mussten“, um den
Ausbildungsbeitrag eines Grunddeputats (12 WS) mit einem bedarfsorientierten, stundenmäs-sig bezahlten Zusatzedeputat (bis zu 4 WS) zu kombinieren. Damit könnte sowohl prüfungs-rechtlichen Argumenten Rechnung getragen werden als auch ein Fachlehrermangel vor Ort (Zweigschulen) entgegengetreten werden. Ein Unterrichtseinsatz im 3. Ausbildungsabschnitt solle sich dagegen lediglich auf eine Prüfungslehrerprobe beziehen ( 1 Kl.), d.h. die bisher zu erteilenden 6 WS sollten auf diesen prüfungsrelevanten Bedarf begrenzt werden. – Die in die-sem Kontext genannten Einstellungsprozentzahlen seien bisher nur Annäherungswerte. Die Gesprächspartner stimmten darin überein, dass das aufrechtzuerhaltende Ausbildungsmono-pol des Freistaats ein rasches Handeln erfordere.

2. Lehrplan2010Plus – Lehrplankommission bestellt

Pro Fach seien vom BayKM jeweils 4 qualifizierte und erfahrene Fachlehrkräfte in die neuen
Lehrplankommissionen berufen worden. Fach- und Berufsverbände würden im Anhörungsver
fahren beteiligt. Eine Bewerbung für die Lehrplankommissionen sei nicht vorgesehen worden.
Unsere Nachfragen betrafen v.a. auch die Beteiligung der Fachdidaktik und Grundsatzpositio-nen für die Kommissionstätigkeit. Die Gesprächspartner des BayKM verneinten eine Festle-gung der Fachkommission(en) auf eine bestimmte „didaktische Schule“ oder einzelne Hoch-schullehrer. Außer der Bestellung der Lehrplankommission sei „alles noch offen“.

3. Konsequenzen aus den Abiturprüfungsterminen im Jahr 2011 („Doppelabitur“)

Welche Konsequenzen aus Auswertungen der beiden Abiturtermine gezogen werden sollten, war bereits zweimal Gesprächsgegenstand. Das Fachreferat hat insofern reagiert, als am 20. 12.2011 per OWA ein KMS an di Gymnasien gegangen ist, das „Neuerungen“ in Bezug auf das Kombinationsfach G/Sk betrifft. „Erleichterungen“, so MinRat Kammler, seien im prü-fungsorganisatorischen Sinne gemeint und nicht als „Niveauabsenkungen“ zu verstehen. Es
Bestand Einigkeit, dass hier keine Überregulierungen von oben vorgenommen werden sollten, sondern Schulleitung, Fachbetreuer und Fachprüfer einen vertretbaren Weg vor Ort finden müssen, der auch dazu führen solle, dass am Kombinationsfach G/Sk interessierte Abiturien-ten sich in größerer Zahl dieser Prüfungsform 2012 unterziehen können. Die Eigenständigkeit

der beiden Fächer Geschichte und Sozialkunde werde dadurch im Blick auf den lehrplanmäßi-gen Fachunterricht nicht tangiert. Das BayKM/Fachreferat VI/4 bekennt sich ausdrücklich zum gymnasialtypischen Fachunterricht bis zum Abitur! Der solide Fachunterricht auf allen Stufen des Gymnasiums ist die beste Orientierung für künftige Kandidaten zum Abitur im Fach Geschichte und im Fach Sozialkunde. Uneingeschränkt besteht Übereinstimmung zwi-schen den Gesprächspartnern, dass Abstriche an der fachlichen Qualität weder einseitig beab-sichtigt noch hingenommen werden können.

Offen bleiben musste in der Gesprächsrunde, welche Konsequenzen sich aus dem Doppelabi-turjahrgang 2011 sich für das KMK-Aufgabenfeld B (G, Sk/polB, Geo, WiR) insgesamt erge-ben.

4. Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund in den Sachfächern

Die Gesprächsrunde ist übereingekommen, dieses Thema als wichtigen TOP für das nächste Gespräch ins Auge zu fassen. Die Notwendigkeit, eine solche Förderung nicht nur in einem außerunterrichtlichen Förderprogramm, sondern im Fachunterrichts selbst zu verankern, wird auch unter dem spezifischen kulturellen Hintergrund einhellig gesehen. Betont wurde eben-falls die Notwendigkeit der schulartorientierten (!) und ggf. individuellen Förderung in allen Sachfächern, was den Vorrang der Sprachförderung (Deutsch, Fremdsprachen) keinesfalls einschränken wird, sondern durch zusätzliche Inhalte bereichern dürfte. Ein solcher Bedarf stellt sich nicht nur für Schüler mit Migrationshintergrund, sondern auch für Quereinsteiger aus Mittelschule und Realschule. „Wer, wenn nicht das Gymnasium...“ soll geeigneten und begabten Schülern den Wechsel der Schulart nach objektiven Kriterien eröffnen? Gerade hier könnte sich ein vorhandenes personelles Angebot aus den Prüfungsjahrgängen des Referenda-riats bei gleichzeitiger schulbezogener Planungshoheit („eigenständige Schule“) ergeben. Hier ist allerdings nicht allein das Fachreferat VI/4, sondern die Gymnasialabteilung insgesamt,v.a. der Gesetzgeber (Landtag) in der politischen Verantwortung für die Schularten unseres geglie derten und differenzierten bayerischen Schulwesens.

5. Verschiedenes

Unter diesem TOP wurden verschiedene Stichworte aufgegriffen, die ggf. anlässlich weiterer Gesprächsrunden vertieft werden sollen, u.a. Bildungsstandards (vgl. AK auf Bundesebene, Kompetenzorientierung, Schulbibliothek/Mediathek, SEGU als Methode für die 10. Jgst.).

Übereinstimmung besteht zwischen den Gesprächspartnern, den Gesprächsfaden stets dann auch aufzugreifen, wenn sich ein unmittelbarer Bedarf für konstruktiv-kritische Beiträge sei-tens des Fach-/Berufsverbandes in den Fächern Geschichte und Sozialkunde ergibt. Als näch-ster regulärer Termin wurde vereinbart: 04.06.2012, 14.30 Uhr im BayKM.

gez. Willi Eisele, Landesvorsitzender
der Fachgruppe G/Sk im bpv und des Bayer. Geschichtslehrerverbandes e.V.

PS. Wir fordern unsere Mitglieder mit der Fakultas Geschichte und Sozialkunde auch mit dem Blick auf ihre Fächerkombination zur soliden Vorbereitung unserer Gespräche im BayKM beizutragen und bitten, hierfür die e-Mail-Adresse des Landesvorsitzenden und ggf. auch die Rufnummer zu nutzen: willi.eisele@gmx.de bzw. 08171 – 410 923 (auch AB unter Angabe der Rückrufmöglichkeit).

5. Geschichtsmesse in Suhl

5. Geschichtsmesse in Suhl (Thüringer Wald) vom 08.-10.03.2012 (Do – Sa):

„DIE ZUKUNFT DER AUFARBEITUNG – DEMOKRATIE UND DIKTATUR IN DEUTSCHLAND UND IN EUROPA SEIT 1945“

Veranstalter: Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tagungsort: Ringberg-Hotel Suhl


Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt Geschichtslehrkräfte aller Schul-arten vom 08. bis 10.03.2012 zur 5. Folge der Geschichtsmesse in das Ringberg-Hotel Suhl ein.

Neben einem umfangreichen Programm aus Podiumsdiskussionen, Fachvorträgen und Film-vorführungen bietet das dreitägige Forum Akteuren der historisch-politischen Bildung und Vertretern der Fachverbände auch im kommenden Jahr die Möglichkeiten, sich über Ausstel-lungen, Schulprojekte, Dokumentationen, Fachpublikationen sowie die Ankündigung eigener Projekte zur Geschichte der Teilung Deutschlands, die Opposition und Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR, den Prozeß der Wiedervereinigung und die Geschichte Deutschlands in Europa nach 1989/90 zu informieren und daraus Anregungen für die eigene zeitgeschichtli-che und pädagogische Arbeit (u.a. Zeitzeugenprojekte) zu nutzen.

Die Bilanzierung der bisherigen Aufklärungsarbeit wird die Perspektive für 2014 eröffnen. Dann soll der Rahmen um eine (ost-) europäische Perspektive erweitert werden, die an die Merkdaten 1914/18 Weltkrieg), 1939/45 (2. Weltkrieg), 1989/91 (Revolutionen gegen die kommunistischen Diktaturen in Mittel- und Osteuropa), 2004 (EU-Osterweiterung) anknüp-fen wird.

Nähere Informationen zum Anmeldemodus (bis zum 14.02.2012, Frühbucherrabatt bis zum 23.12.2011) finden Sie unter www.geschichtsmesse.de (Formular).

Bei der Bundesstiftung seht als Projektmitarbeiterin für Rückfragen zur Verfügung: Elena Alzate (p.a. Kronenstraße 5, 10117 Berlin bzw. direkt über 030-319895203 oder die e-Mail-Adresse geschichtsmesse@stiftung-aufarbeitung.de

An die Geschichts-und Sozialkundelehrkräfte in Bayern ergeht hiermit eine nachbarliche Einladung nach Thüringen. Die Fachtagung hat Fortbildungscharakter.

f.d.R. gez. Willi Eisele, OStD i.R., Kiefernweg 1, 82515 Wolfratshausen

Lexikon fränkischer Ortsnamen

Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein, Lexikon fränkischer Ortsnamen – Herkunft und Bedeutung: Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, München, C. H. Beck, 2009, Quellen- und Literaturverzeichnis, geb., 288 S., 9 Karten, 29,90 EURO ISBN 978-3-406-59131-0

Dr. Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein (*1940) ist Spezialist für Orts- und Flurnamenforschung im süddeutschen Raum. Mit dem vorliegenden Lexikon lässt er dem Ortsnamenlexikon der Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz (2006) ein kommentiertes „Lexikon fränkischer Ortsnamen“ (2009) folgen, das Herkunft und Bedeutung von Ortsnamen in Ober-, Mittel- und Unterfranken auf der Grundlage des amtlichen Ortsverzeichnisses von 1991 erfasst. Der Autor erwähnt auch einzelne spätere politische Setzungen – wie Zusätzen zum traditionellen Ortsnamen („Bad“) und nimmt auch die Wiedergewinnung der kommunalen Eigenständigkeit auf (Bsp. Ermershausen, 1994). Der Nutzer des Ortsnamen-Lexikons wird alphabetisch von der Stadt Abenberg im Landkreis Roth bis zur Stadt Zirndorf im Landkreis Fürth geführt. Jeder Ortsname wird nach Datierung mit Quellenbeleg chronologisch eingeordnet, Besonderheiten der Schreibung nach Datum, historischer Fassung und moderner Schreibweise nach modernen Editionskategorien belegt, nach der räumlichen Lage verortet und die Ortsnamen mithilfe alt- und mittelhochdeutscher Wörterbücher und anhand von Literaturbelegen erklärt und die Fundstellen durch Fußnoten gesichert. Die Lesbarkeit der Einzelnennungen ist durch eine systematische Gliederung garantiert: Ortsname, Stadt, Markt, Pfarrdorf, Landkreis, Bezirk (1. Block), Ersterwähnung mit Jahreszahl, Erklärung nach Wortstamm, Prä – und Suffixen (Block 2), Fundstellen (Archiv, Literatur; Block 3).

Den lexikalischen Einträgen (S. 19 – 253) folgen ein Verzeichnis der Quelleneditionen und der Fachliteratur (S. 254 – 278) , die Angabe der benutzten Archive und Bibliotheken sowie 1 Übersichts- und 8 Detailkarten zur Orientierung für die eigenständige Forschung, die gerade in den W-Seminaren der gymnasialen Oberstufe durch unsere Fachkollegen für Seminararbeiten und Referat angeregt werden kann. Nachdem mit dem vorliegenden Band 6 von 7 bayerischen Bezirken erfasst sind, darf der Heimat- und Regionalforscher mit dem Band für den Regierungsbezirk Schwaben rechnen, um ein Lebenswerk zu vollenden, das bis zu 40 000 Ortsnamen erfassen könnte. Der Autor geht damit dem landesgeschichtlich interessierten Kollegen sehr gezielt zur Hand, der hier für die eigene Forschung oder die Anleitung von Kurs- und Seminarteilnehmern eine hochwillkommene Systematik vorfindet. Den beiden vorliegenden Bän den ist bereits heute zu wünschen, dass sie in über Instituts- und Gymnasialbibliotheken hinaus einer fachlich motivierten Leserschaft zugänglich gemacht werden – sie sollten in keiner öffentlichen Bibliothek fehlen.

Willi Eisele, OStD
82515 Wolfratshausen