SCHÜLER OHNE LEHRER, LEHRER OHNE JOB

Mit der prekären Einstellungssituation für Nachwuchslehrer an den bayerischen Gymnasien und Beruflichen Oberschulen wird sich am Wochenende der Landesvorstand des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) in einer zweitägigen Sitzung in Nürnberg befassen. Der bpv-Vorsitzende Max Schmidt erklärt im Vorfeld: „Unsere Gymnasien und Beruflichen Oberschulen melden uns einen hohen Bedarf an Lehrkräften zum kommenden Schuljahr infolge von Pensionierungen, Altersteilzeit und etlichen Schwangerschaften. Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung von Kultusminister Dr. Spaenle unverständlich und enttäuschend, lediglich 350 jungen Kolleginnen und Kollegen ein Einstellungsangebot an einem Gymnasien und 70 weiteren an einer Beruflichen Oberschule machen zu wollen. Da muss die Staatsregierung unbedingt noch einmal nachlegen!“ Schmidt warnt, dass sonst die Lücken in der Unterrichtsversorgung ins kommende Schuljahr mitgeschleppt werden. „Dabei müsste das nicht sein: Über 1600 junge Gymnasiallehrer warten ungeduldig auf ihren Einsatz an den Schulen – und mit ihnen Schüler, Eltern und Kollegen“, sagt Schmidt. Gleichzeitig kündigt er an, dass der Bayerische Philologenverband diese Situation so nicht hinnimmt: „Wir werden uns mit deutlichem Protest zu Wort melden. Weder unsere jungen Kolleginnen und Kollegen noch unsere Schulen und die Schülerinnen und Schüler haben das verdient! Kleinere Klassen und individuelle Förderung sind ohne ausreichend Lehrer nicht zu machen!“ Schmidt fordert das Kultusministerium eindringlich auf, die schwierige Lage an den bayerischen Gymnasien nicht nur zu beobachten, sondern zu handeln und die Unterrichtsversorgung nachhaltig zu verbessern.

Julius Müller, der Vorsitzende der Referendar- und Jungphilologenvertretung (rjv) des bpv, ist von der düsteren Lage auf dem Lehrerarbeitsmarkt selbst betroffen: Erst vor wenigen Tagen hat er mit einem Notenschnitt von 1,8 seine Ausbildung hervorragend abgeschlossen. Über das Ergebnis kann er sich dennoch nicht recht freuen: „Mit geht es wie den meisten meiner Kolleginnen und Kollegen: Trotz guter Noten sind wir der Arbeitslosigkeit und Hartz IV derzeit näher als unserem Traumberuf. Es ist bitter, nun keine Perspektive zu haben. Dabei würden wir an den Gymnasien und Oberschulen so dringend gebraucht.“ Besonders enttäuscht ist Müller, weil es im Februar, als auch nur wenige eingestellt wurden, noch hieß, es werden bewusst Mittel zurückgehalten, damit im Herbst nachgesteuert werden kann. Danach sieht es nun aber überhaupt nicht aus.