ÜBERFORDERT NEUE OBERSTUFE BAYERNS GYMNASIASTEN?
ÜBERFORDERT DIE NEUE OBERSTUFE BAYERNS GYMNASIASTEN? - BPV-VORSITZENDER SCHMIDT PLÄDIERT FÜR REAKTION MIT AUGENMAß
Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt spricht sich dafür aus, auf die verschiedentlich geäußerten Klagen über zu hohe Belastungen der Schüler in der neuen gymnasialen Oberstufe des Gymnasiums mit Augenmaß zu reagieren. Als erfahrener Kollegstufenbetreuer am Gymnasium Grafing kennt Schmidt die Thematik aus erster Hand: „Die neue Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums bringt einen Systemwechsel, wie wir ihn zuletzt Anfang der 70-er Jahre erlebt haben. Damals mussten alle Beteiligten einen Lernprozess durchlaufen, der von Unsicherheiten und Klagen begleitet war. Ähnliches erleben wir heute wieder: Schüler wie Lehrer müssen sich zuerst an die neuen Strukturen und Anforderungen gewöhnen. Das ist ganz natürlich. Nach meiner bisherigen Erfahrung lassen sich auftretende Probleme durch das vorhandene Instrumentarium der Einzelschule ganz gut auffangen: durch gezielte Beratung von Schülern zur ihrer Stundenplangestaltung und geschickte organisatorische Maßnahmen lassen sich etwa die zeitliche Beanspruchung verringern. Und auch die Art und der Umfang der Leistungsüberprüfungen bieten Spielräume, die Belastungen auf ein angemessenes Maß zu begrenzen. So können Schüler nicht nur in den ersten 4 Wochen Kurse abwählen oder ändern, sondern dies auch bis zum Halbjahr, falls sie sich „verwählt“ haben und so ihre Belegung optimieren bzw. reduzieren wollen.“
Ja zu mehr Informationen und stärkerer Beratung, nein zu substanziellen Kürzungen
Verstärkt wird die derzeitige Belastungsdiskussion nach Schmidts Beobachtung dadurch, dass viele Schüler, Lehrer und Eltern bislang zuverlässige Informationen über die Anforderungen der Abiturprüfungen für das achtjährige Gymnasium vermissen: „Hier schwirren noch zu viele Gerüchte in der Gegend herum. Dass in einer als unklar empfundenen Situation Befürchtungen um sich greifen, das zukünftige Abitur werde schwerer, ist verständlich. Das Kultusministerium hat noch ein gutes Stück Aufklärungsarbeit zu leisten, um klar zu machen, dass das neue Abitur nicht schwerer wird als das bisherige.“
Das Abitur, so Schmidt abschließend, dürfe zwar nicht schwerer werden, andererseits dürfe es aber auch nicht billiger zu haben sein als bisher. Schmidt forderte daher abschließend: „Es wäre grundfalsch, wenn die Politik vor professionell vorgetragenen Jammer-Arien über eine angeblich massenhafte Überforderung in die Knie ginge. Bei allem Ringen um das für unsere Schüler vernünftige und verträgliche Maß: Substanzielle Kürzungen bei den Unterrichtsstunden oder den Inhalten hätten in letzter Konsequenz unsere Schüler selbst auszubaden! Denn was nützte ihnen ein Abiturzeugnis, das von Arbeitgebern und Hochschulen nur noch als ein Stück wertloses Papier angesehen wird?“
