40 PROZENT ÜBERTRITTSQUOTE KAUM MEHR STEIGERBAR

Bayerische Gymnasiallehrerschaft berät über die Zukunft des Gymnasiums
JA ZUR ÖFFNUNG DES GYMNASIUMS, ABER NICHT ZU EINER SCHULE FÜR ALLE
Schmidt warnt: „40 Prozent Übertrittsquote kaum mehr steigerbar“

Die Frage nach der Zukunft des bayerischen Gymnasiums steht im Mittelpunkt der Beratungen des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) in Rosenheim. In der oberbayerischen Stadt treffen sich von Donnerstag bis Samstag rund 200 Delegierte des Bayerischen Philologenverbandes aus allen Landesteilen zu ihrer jährlichen Jahreshauptversammlung. Zum Auftakt der Veranstaltung betonte der Vorsitzende Max Schmidt: „In einem leistungsfähigen gegliederten Schulsystem kann und will das Gymnasiums keine Schule für alle Schüler sein. Seine spezifische Struktur und sein Anspruch sind nicht für jeden Schüler passend.“ Seine durch die PISA-Studien öffentlichkeitswirksam belegte Leistungsfähigkeit habe dem bayerischen Gymnasium in den vergangenen Jahren einen erfreulichen Boom beschert. Dieses starke Wachstum könne sich aber nicht ad ultimo fortsetzen: „Bei einer Übertrittsquote von etwa 40 Prozent sehe ich das Wachstum unserer Schulart an eine natürliche Grenze stoßen“, sagte Schmidt in Rosenheim, „mit dieser Quote bewegen wir uns haarscharf am Rande dessen, was mir vor allem in Hinblick auf unsere Schüler, aber auch auf unsere Schulart und die Architektonik unseres Schulsystems noch verantwortbar und verkraftbar erscheint!“

Öffnung des Gymnasiums in die Region als Chance
Statt in einer immer weiteren quantitativen Expansion liegt die Zukunft des bayerischen Gymnasiums in seiner qualitativen Fortentwicklung: „Die für viele bayerische Gymnasien schon selbstverständliche Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern wird mit den heuer angelaufenen P- und W-Seminaren zur Berufs- und Studienorientierung institutionalisiert. Dadurch eröffnen sich für unsere Schüler zusätzliche Möglichkeiten des Lernens und für unsere Schulen Chancen zur Vernetzung mit außerschulischen Partnern aus kleinen und großen Betrieben, den Hochschulen, aus Verbänden und der Verwaltung.“ Schmidt wünscht sich, dass die Seminare der Oberstufe den Weg einer noch stärkeren Kooperation mit unterschiedlichen Partnern auch in anderen Jahrgangsstufen auftun. Der bpv-Vorsitzende bezeichnete dies als Chance für die Gymnasien, in der Region nicht nur als Orte des Lernens, sondern als Bildungsstätten und damit als Kulturträger und Kulturvermittler wahrgenommen zu werden.

Neue Oberstufe: Verunsicherungen durch Optimierung abbauen!
Beraten werden die Delegierten auch, wie mit den von Schülern und Lehrern befürchteten Belastungen durch die Einführung der neuen Oberstufe umzugehen ist. Hier müsse man versuchen, zunächst durch organisatorische Optimierung innerhalb der Schulen die zeitliche Belastung für Schüler und Lehrkräfte zu begrenzen. Als Möglichkeit zur Belastungsreduktion befürwortet Schmidt die Möglichkeit, den Umfang der Schulaufgaben zu reduzieren: „Es muss auch nicht immer der gesamte Halbjahresstoff abgeprüft werden.“ Auch bei den mündlichen Prüfungsverfahren sieht Schmidt noch Spielräume zur Vereinfachung und damit Entlastung für Schüler wie Lehrer.
An die Adresse des Kultusministeriums appelliert der Verbandsvorsitzende, schnellstmöglich die unter Eltern und Lehrern verbreitete Befürchtung auszuräumen, das Abitur des achtjährigen Gymnasiums werde schwerer als bisher werden. Schmidt wiederholte auch die Forderung seines Verbandes, noch im laufenden Schuljahr per Umfrage die Studienwünsche des doppelten Abiturientenjahrgangs abzufragen, um eine möglichst gute Passung zwischen den laufenden Planungen der Politik und der Hochschulen , und den Studienabsichten der Abiturienten zu gewährleisten.