BPV PROGNOSTIZIERT STEIGENDE ÜBERTRITTSZAHLEN

ATTRAKTIVITÄT DES GYMNASIUMS UNGEBROCHEN - NEUEINSCHREIBUNG IN DIESER WOCHE
BPV PROGNOSTIZIERT WEITER STEIGENDE ÜBERTRITTSQUOTEN IN BAYERN

bpv-Vorsitzender Max Schmidt: Mehr Förderkurse und Nachmittagsbetreuung, geringere Wiederholerquoten am Gymnasium

Mit Befremden hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt auf die Verlautbarung des BLLV reagiert, wonach die Unzufriedenheit mit dem Gymnasium bei Eltern und Lehrern zunehme sowie die Schüler nach wenigen Wochen am Gymnasium "völlig ausgepowert" seien.

Wörtlich erklärte Schmidt: "Hier haben ein Lehrerverbandsvorsitzender, der kaum Gymnasiallehrer vertritt, und eine Elternverbandsvorsitzende, die kaum Gymnasialeltern vertritt, Behauptungen über das Gymnasium aufgestellt, die weder von den Fakten noch von der Wertung her stimmen!"

Schmidt sieht darin den Versuch, kurz vor der Einschreibung die Eltern von übertrittswilligen Schülern vom Gymnasiumsbesuch abzuhalten.

So sei es eindeutig falsch, dass nur 60 Prozent der Gymnasialanfänger das Abitur erreichten. Schmidt wörtlich: "Diese Zahlen sind 15 bis 20 Jahre alt. Schon heute erreichen fast 70 Prozent der ehemaligen Fünftklässler das Abitur. Für die jetzigen Fünftklässler sieht die Prognose aufgrund der deutlich gesunkenen Sitzenbleiberquoten noch viel besser aus. Wir rechnen mit künftigen Quoten von knapp 80 Prozent. Wenn man einrechnet, dass nach der 10. Klasse ein nicht geringer Prozentsatz freiwillig das Gymnasium mit der Mittleren Reife verlässt, stellen sich diese Zahlen nochmals anders dar."

Schmidt verwies darauf, dass die Sitzenbleiberquoten an Hauptschulen und Realschulen deutlich höher seien als an den bayerischen Gymnasien: Während am Gymnasium durchschnittlich nur noch 0,7 Prozent der Schüler die 5. Jahrgangsstufe wiederholen müssten, sei diese Quote an den bayerischen Realschulen um 50 Prozent (1,1) und an den Hauptschule um 100 Prozent (1,4) höher. Auch in den höheren Jahrgangsstufen lägen die Sitzenbleiberquoten an den Gymnasien deutlich unter denen anderer Schularten.

Kein Boom bei der Nachhilfe
Auch die Behauptung, der Nachhilfebedarf von Gymnasiasten nehme exorbitant zu, sei - so der bpv-Vorsitzende - falsch. So hätten erst in der letzten Woche Marion Lauterbach von der Schülerhilfe und auch der Verband der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) bestätigt, dass entgegen ihren Erwartungen die Nachfrage nach Nachhilfe und damit auch ihr Umsatz nicht gestiegen sei. Die kürzlich in den Medien kolportierte Zahl, dass jeder zweite Gymnasiast Nachhilfe erhalte, sei unseriös, weil in dieser Befragung jeder Schüler, der irgendwann in seiner Schulzeit Nachhilfe erhalten hat - und sei es auch nur eine Stunde gewesen - , mitgezählt worden sei. Nach Erhebungen des Bayerischen Philologenverbandes erhalten lediglich zehn Prozent der Gymnasiasten regelmäßig Nachhilfeunterricht.

Max Schmidt betonte, dass gerade bei der Förderung leistungsschwächerer Schüler das Gymnasium deutliche Fortschritte gemacht habe. An jedem Gymnasium gebe es inzwischen zusätzliche Förderkurse, Intensivierungsstunden mit geteilten Klassen in Kernfächern und an fast allen eine qualifizierte Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung.

Abschließend betonte Schmidt: "Wir wissen, dass der BLLV-Vorsitzende, wie er selbst einräumt, eine Einheits- oder Gemeinschaftsschule bis zur 10. Klasse will. Dies anzustreben, ist sein gutes Recht. Es ist aber unredlich, dies durch Schlechtreden und Verleumdung anderer Schularten zu tun.“ Schmidt ist zuversichtlich, dass sich die Eltern in Bayern durch den BLLV das Gymnasium nicht madig machen lassen: Der Bayerische Philologenverband rechnet bei der in dieser Woche laufenden Einschreibung mit einer Übertrittsquote von knapp 40 Prozent.