ZWISCHENZEUGNIS: NOTEN KEIN LOTTERIESPIEL
ZWISCHENZEUGNIS: NOTEN ALS VORLÄUFIGE LEISTUNGSBILANZ UND WERTVOLLER PÄDAGOGISCHER FINGERZEIG MIT HOHER AUSSAGEKRAFT
Prof. Dr. Köller: „Noten kein Lotteriespiel, sondern Abbild professionellen, pädagogisch verantwortungsvollen Handelns von Lehrkräften“
Auf die pädagogische Funktion der am Freitag verteilten Zwischenzeugnisse hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt hingewiesen. Er betonte: "Das Zwischenzeugnis enthält keine endgültigen Urteile. Die Noten geben lediglich Auskunft über den derzeitigen Leistungsstand und sind insofern vor allem ein zuverlässiger pädagogischer Fingerzeig. Sollte eine Leistungssteigerung notwendig sein, sind die zuständigen Fach-, Klassen- und Beratungslehrer immer gern bereit, im Gespräch mit dem Schüler und seinen Eltern sinnvolle, auf das Kind individuell abgestimmte Maßnahmen zu suchen und zu finden."
Auf den sehr sorgfältigen und professionellen Umgang von Lehrerinnen und Lehrern hat Prof. Dr. Olaf Köller, der Direktor des Berliner Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), in einem Aufsatz hingewiesen: Man müsse „den Irrglauben aufgeben, Noten seien ein Lotteriespiel, basierten also auf der mehr oder weniger zufälligen bzw. beliebigen Zuordnung von Ziffern zu Leistungsständen. Vielmehr bildet sich in ihnen professionelles, pädagogisch verantwortungsvolles Handeln von Lehrkräften ab.“ In demselben Aufsatz tritt Prof. Dr. Köller auch dem Vorwurf entgegen, Noten wirkten einseitig demotivierend auf Schüler: So habe eine Studie im Grundschulbereich durch die Berliner Humboldt-Universität ergeben, dass sich „kaum motivationale Unterschiede zwischen Kindern mit Berichtszeugnissen und solchen mit Ziffernzeugnissen ergeben“.
Neben der Möglichkeit für Eltern, sich mit Hilfe von Noten einen schnellen Überblick über den Leistungsstand ihres Kindes zum Halbjahr zu verschaffen, betonte Schmidt die positive Wirkung von Noten: „Gute Noten motivieren Schüler regelmäßig, den erreichten Stand zu halten, schlechte dazu, es im zweiten Halbjahr besser zu machen.“ Dies zeige sich daran, dass ein großer Teil der Schüler, die einen "defizitären Notenkontostand" zum Halbjahr aufweisen, diesen aller Erfahrung nach bis zum Schlusszeugnis wieder ausgleichen.
